Irlands Westen: Galway und Connemara

Wo gibt es die ausgelassensten Feste? Herrliche Pubs und geheimnisvolle Kreuze? Einsame weiße Strände und zauberhafte Herrenhäuser zum Relaxen? In Galway und Connemara, im Westen der Insel.

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Es nieselt. Trotzdem ist die Fußgängerzone zum Bersten voll. Aus offenen Pubtüren tönt hochtourige Fiddle-Musik, davor drängen sich mit hochroten Gesichtern lachende Kerle, deren Hemden sich um ihre Bäuche spannen. Zwischen den Fassaden kleinwüchsiger Häuser promenieren kichernde Disco-Teenies und - mit etwas Abstand - ihre Mütter fröhlich untergehakt für den Siegeszug durch die feuchte Nacht. Es ist unser erster Abend in Galway. Wir sind fast überfordert von der grenzenlosen Bereitschaft zum großen Vergnügen, die uns ein 40 000-Einwohner-Nest an der Westküste der irischen Insel vorführt.

Der Anlass? Es ist Samstagnacht. Die Stadt wird tanzen und toben bis in den nächsten Tag - das, sagt man uns, sei hier jedes Wochenende so. Erst recht im Sommer. Dann feiert Galway die schönen Künste. Das alljährliche "Galway Arts Festival" ist eines der renommiertesten im ganzen Land. Sein offizielles Programm findet in Theatern, Pubs und großen Hallen statt, bietet Tanz, Schauspiel, Musik, Performance und Film. Das inoffizielle spielt untertags auf den Straßen und Sonntagnachmittags "The Parade" - seit dem frühen Morgen schwirrt das Wort durch die noch leicht verschlafene Kleinstadt.

Es ist Juli. Der Himmel ist dramatisch bewölkt, und ein frischer Wind pfeift durch die schmalen Straßen. Auf einem Feld am Rande der Stadt treffen sich die Akteure des Umzugs. Grazien in blauen Glitzer-Bodys bekommen kunstvolles Fantasie-Make-up verpasst, eine riesige Pappmaché-Biene witzelt mit einem zwei Meter hohen Elvis.

Vor 15 Jahren wand sich "Macnas Parade" zum ersten Mal durch die Stadt. Namenspatronin ist "Macnas", eine Theater- und Performance-Compagnie aus Galway, die internationalen Ruhm erreicht hat. Monatelang wird gewerkt, gebastelt, gehämmert, geschneidert, werden Choreografien und Gesänge gelernt. Und vor allem jene, die sonst eher am Rande der Gesellschaft marschieren, bekommen ihren besonderen Auftritt: Kinder aus sozial schwachen Familien, Behinderte, Arbeitslose. Eine Mischung aus finsterer Höllenshow und skurrilem Slapstick sind die Figuren der "Macnas"-Macher, ihr Karneval keine Provinzparade, eher ein Gesamtkunstwerk.

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  • Text: Martina Wimmer
    Fotos: Sabine Wenzel