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Viermal war ich bisher in Venedig. Dreimal waren es, über 25 Jahre verteilt, "Liebesreisen", wie es sich, dachte ich, für Venedig gehört. Und jetzt, das vierte Mal, war es eine Arbeitsreise. einen großen Teil des Tages war ich zum ersten Mal in Venedig allein. Keine Hand, die meine hielt, kein Arm-in-Arm- durch-die-Gassen-Schlendern, keine tiefen Blicke, kein gemeinsamer caffè im "Florian", keine Gespräche über uns, die Gefühle, die Leidenschaften, die Zukunft, die Vergangenheit. Ich war allein mit Venedig. Und zum ersten Mal hat diese Stadt zu mir gesprochen, zum ersten Mal hat sie mein Herz wirklich erreicht - die Wintersonne glänzte auf dem Wasser, die Kanäle murmelten, die Katzen strichen mir scheu um die Beine, seltsame Begegnungen und Gespräche in den totenstillen Gassen, geht man nur ein paar Schritte weg von San Marco, San Stefano, der Rialtobrücke. Ein schlafendes, verzaubertes Dornröschen war die Stadt und schön wie nie.
Völlig erstaunt begriff ich, dass Venedig genau so wahrgenommen werden will, nicht durch die touristische Brille, sondern durch lange stille Wanderungen und den melancholischen, schweigenden Blick dessen, der allein reist. Das bedeutet auch: Die Piazza San Marco ist nur nachts, wenn es ganz still ist, überwältigend schön. Dann erst begreift man diese Architektur. Tagsüber wimmeln zu viele Menschen und Tauben herum.
Venedig ist eine Nacht-, ist eine Winterstadt, "Venedigs Seele, die Seele, mit der die alten Künstler die schöne Stadt bekleideten, ist herbstlich", schrieb der Dichter Gabriele D'Annunzio. Tagsüber beleuchtet die Sonne Armut und Verfall, aber nachts auf dem Dorsoduro, der Promenade gegenüber der Giudecca, wenn die rosafarbenen Gaslaternen durch den Nebel flimmern, hat man das Gefühl, direkt im Herzen aller Schönheit zu sein.













