Das Venedig von Petra Reski

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Essen und Trinken

Osteria Santa Marina: Draußen essen und gut essen bedeutet in Venedig die Quadratur des Kreises. Meist muss man sich für das eine oder andere entscheiden. Um so mehr beglückte es mich, die zu entdecken, wo es nicht nur eine wunderschöne Terrasse mit Blick auf den Campo und richtigen Rohrstühlen gibt, sondern auch eine gute Küche. Die beiden Besitzer Agostino Doria und Danilo Baldan bemühen sich um ihre Gäste mit Krebsfleisch mit Rucola und rohen Steinpilzen, mit wunderbaren Fischcarpaccio aus Lachs und Schwerfisch, Fischspießen mit geräuchertem Speck, Zitronencreme mit Lakritzsauce, mit Sorbets aus frischem Obst. Und das Schöne ist, dass jede Speise liebevoll bis in die letzte Curryprise erläutert wird. (Osteria Santa Marina, Castello 5911, Tel: 041 528 52 39; sonntags und montags mittags geschlossen)

Enoteca Schiavi: Eine Kneipentour heißt in Venedig giro d'ombra, wörtlich Schattenrunde. Ein Schatten, un ombra, ist Synonym für ein Glas Wein - der vorzugsweise in einem bàcaro zu sich genommen wird, wie die venezianische Kneipe genannt wird. Die Enoteca Schiavi am Rio San Trovaso ist so ein bàcaro, wo sich Venezianer nach der Arbeit zur Apéritif-Zeit einfinden, trinken und kleine Häppchen zu sich nehmen. (Enoteca Cantinone Già Schiavi, Dorsoduro 992, Tel: 041/523 00 34 (täglich bis 21.30 Uhr geöffnet, sonntags nur vormittags)

Casa del Parmigiano Andacht für den Käse: Es ist die weihevolle Art, mit der Daniele Conte den Käse aus dem Regal hebt. Diese hohepriesterliche Bewegung, mit der er eine Scheibe vom reifen Asiago abschneidet. Nur gottlose Seelen glauben, dass wir es hier mit dem Kauf von Käse zu tun haben, tatsächlich zelebriert der Mann hier jeden Tag eine Messe, er huldigt dem Parmigiano, er preist den Pecorino, er liest dem Mozzarella di bufala ein Hochamt. (Erberia Rialto 214/215, Tel. 041/520 65 25, täglich außer sonntags von 9 - 13.30 Uhr, freitags und samstags auch von 15.30 - 19.30 Uhr).

Kleine feine Fischerinsel: Die Insel Pellestrina ist so schmal, dass man, wenn man die Arme ausbreitet, fast mit der einen Hand die Adria berührt und mit der anderen die Lagune. Zwei kleine Strände, Häuser in Hortensienrosa, Kardinalspurpur und Scharlachrot. Pellestrina ist bunt wie die berühmte Fischerinsel Burano, nur echter. So echt, dass man hier den illegalen Muschelfischern beim Essen zuschauen kann, die ihre Schnellboote unter der Terrasse des Restaurants "Celeste" vertäut haben - Boote, mit denen sie immer schneller sind als die Polizei, die sie beim Fischen im giftigen Kanal von Porto Marghera erwischen will. Sie verkaufen die Muscheln an Billigrestaurants, die es nicht so genau nehmen, wenn der Fang nicht das erforderliche Etikett des Gesundheitsamtes trägt. Die Muschelfischer selbst würden in solchen Lokalen nie essen. Sie fahren mittags zu "Celeste", einem der beiden Restaurants von Pellestrina, dessen himmelblaue Terrasse über dem Wasser schwebt und das allerbeste, frischeste Meeresfrüchte bietet. (Celeste, Sestier Vianelli 625, Tel. 041/96 73 55, mittwochs geschlossen).

Gemüse-Genüsse (Campo San Giacomo dell'Orio, Santa Croce 1762, Tel. 041/524 15 70. Sonntags geschlossen. Ferien in der Woche um Ferragosto = 15. August). La Zucca heißt Kürbis - Nomen est Omen, denn hier wird dem Gemüse gehuldigt. Eines der wenigen Restaurants in Venedig, das auch vegetarische Gerichte bereitet: Gemüsecouscous, Kürbislasagne mit Mandeln und Provolone oder Käsepasta mit Gorgonzola und Pinienkernen... Dazu kommt eine große Auswahl an Weinen.

Feiner Imbiss am Canal Grande: Dieses erst kürzlich eröffnete Lokal unter den Arkaden am Rialtomarkt knüpft an die Tradition des "bàcaro", der typischen venezianischen Kneipe, an: Mittags nimmt man hier einen Bissen im Stehen und trinkt dazu ein Glas Wein. Abends wird am Tisch unter dem Gewölbe im ersten Stock gegessen, von dem man einen schönen Blick auf den Canal Grande hat. Und preiswert ist es auch noch. (Bancogiro, San Polo 122, Campo San Giacometto, Tel. 041/523 20 61. Sonntagabends und montags geschlossen.

Alle Testiere (Castello 5801, Tel. 522 72 20, So. und Mo. geschlossen): Ein Kleinod unter den venezianischen Restaurants. Jeden Abend wird hier ein Zwei-Personen-Stück inszeniert: In der winzigen Küche kocht Bruno, und im winzigen Saal berät Luca die Gäste. Innovative Fischküche, von Schwertfisch mit Oliven bis Steinbutt mit Radicchio. Reservierung unerlässlich.

Acqua Pazza (San Marco 3808/10, Campo Sant'Angelo, Tel. 277 06 88): das einzige neapolitanische Restaurant in Venedig - mit bester Pizza und Fisch.

Caffè Florian (Piazza San Marco): Kaffeehaus von 1720, eine Institution - und ein teures Vergnügen.

Antiche Carampane (San Polo 1911, Rio terà de le Carampane, Tel. 524 01 65, So. abend und Mo. geschlossen): Krabben mit Polenta, Muschelsuppe - beste venezianische Küche in einer Gasse hinter dem Campo San Solo.

Antico Dolo (San Polo 778, Tel. 522 65 46, Sonntags geschl.): Wenige Schritte vom Rialtomarkt, ein bacaro, die venezianische Entsprechung des Bistros. Mit ochsenblutfarbenenen Wänden und einem Wirt, der sich gegen Reservierungen und sonstigen neumodischen Kram sperrt. Die Küche: einfache venezianische Gerichte wie Kutteln in etlichen Varianten oder marinierte Krebse, die ganz gegessen werden.

Terrazza Sommariva (San Polo 731, Tel. 523 11 64): In einem Restaurant, das so dekorativ zu Füßen der Rialtobrücke liegt, vermutet man alles, nur kein gutes Essen. Zu Unrecht: Hier gibt es besten Service, ausgezeichnetes Essen und dazu den Blick auf den Canal Grande. Die Köchin Maria bereitet exzellenten Fisch zu und die besten Spaghetti Carbonara der Stadt. Rarität in Venedig: Die Küche ist bis 24 Uhr geöffnet.

Vini Da Gigio (Cannaregio 3628a, Fondamenta San Felice, Tel. 528 51 40, Mo. geschlossen): Das Restaurant entstand aus einer ehemaligen Weinhandlung, was sich in einer umfangreichen Weinkarte niederschlägt. Wer den allgegenwärtigen Fisch leid ist, ist hier bei Ente oder Leberpastete gut aufgehoben.

L'Incontro (Dorsoduro 3062a, Campo Santa Margherita, Tel. 522 24 04, Mo. geschlossen): Sardisch-hemdsärmelige Küche für Fleisch-Liebhaber. Spezialitäten sind die Culingiones (Ravioloni mit Safran, Quark und Pecorino), aber auch Wildschweinschinken und Stubenküken. Um die Ecke liegt der Campo Santa Margherita, wo man, anders als in San Marco, auch noch nach 22 Uhr eine geöffnete Kneipe finden kann.

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  • Text: Petra Reski; Foto: iStockphoto
Letzte Kommentare
  • canard
    am 18.02.10 um 14:20
    Große Enttäuschung im Rest. Terrazza sommariva. Schon die Touri-Anmache vor dem Lokal hätte uns warnen sollen, völlig überhöhte Preise für Miniportionen, z.B. mini Fischcarpaccio 21€, mini Dorade ohne exakte Preisangabe 32€, 1cl Grappa 5.50€, 1 kl. Portion p. frites 7€!! Service nicht unfreundlich aber sehr hektisch, immer auf Tourifang! Insgesamt sehr ungemütlich, Hände weg von diesem Lokal!
    Sehr angenehm war Vini da Gigio, auch für den Geldbeutel!
 
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