Das Venedig von Petra Reski

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Kultur

Palazzo Rezzonico: Das 18. Jahrhundert, Venedigs Höhepunkt und Fall, ist mein Lieblingsjahrhundert. Der Palazzo Rezzonico lässt die Besucher etwas am Glanz jener Zeit teilhaben. Hier wurden die Möbel, Fresken und Gemälde zusammengetragen, die dieses Jahrhundert wieder lebendig machen sollen: der Ballsaal, der Alkoven und das kleine Stuck-Boudoir im zweiten Stock. Pietro Longhis berühmtes Rhinozeros und der venezianische Mohr. Zwanzig Jahre lang wurde Ca' Rezzonico mitsamt der Meisterwerke von Guardi, Canaletto, Tiepolo und Longhi renoviert, zwei Jahre lang blieb er geschlossen, jetzt kann er wieder besucht werden. (Museo del Settecento Veneziano di Ca' Rezzonico - direkt an der Vaporetto-Haltestelle Ca' Rezzonico - Campo San Barnaba, Dorsoduro 3136, Tel. 041/241 01 00. Täglich außer dienstags 10 bis 18 Uhr).

Meisterwerk mit Hund: Carpaccio ist nicht erstens, sondern zweitens eine Vorspeise. Erstens ist Carpaccio der wichtigste venezianische Maler der Renaissance - den fast jeder beflissene Venedig-Tourist aus der Accademia kennt. Wenige aber wissen, dass sich in der Scuola degli Schiavoni, unweit der Ponte dei Greci, der wohl bedeutendste Carpaccio-Zyklus verbirgt: Am schönsten ist das Gemälde "Sant'Agostino in seiner Studierstube", das den gelehrten Geistlichen inmitten der minutiös gemalten Instrumente seiner Weltkenntnis zeigt. Der berühmte kleine Carpaccio-Spitz fehlt auch nicht. Allein für ihn lohnt der Weg. (Scuola San Giorgio degli Schiavoni, Calle dei Furlani, Castello 3259a, Tel: 041 5228828. Täglich von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Montags geschlossen).

Ausflüge

Ein Platz wie eine Bühne: Der Campo Santa Margherita ist mein Lieblingsplatz. Hier stellt sich einem das venezianische Leben in den Weg und weigert sich, übersehen zu werden. Morgens beginnt der erste Akt mit den Signore, die blumenkleidumwölkt und im Dreiachteltakt mit einem der beiden Fischhändler um die Qualität des Seeteufels streiten. Mittags der zweite Akt. Es tritt auf: die Jugend nach Schulschluss. Eine Armee aus gepiercten, verkabelten Wesen, die als Erkennungszeichen einen Rucksack von Invicta tragen. Nachmittags: Kinder auf Rollen (Rollschuhe, Roller, Dreirad). Nach Büroschluss die Männer auf dem Weg zu "Il Caffè" oder "Il bar verde". Bei Sonnenuntergang wird die Bühne umgebaut, die Cafés stellen die Stuhlreihen auf, die das Gewerbeaufsichtsamt eigentlich verboten hat. Es folgt das große Finale, und alles plätschert, kling-kling, gegen zwei Uhr morgens aus. Nächste Vaporetto-Haltestelle Ca' Rezzonico.

Ein verwunschener Friedhof: "Worte des Toten: Vier Ellen Erde in dieser Einfriedung wurden als Besitz für die Ewigkeit von oben gekauft für Giuda Leone da Modena. Sei ihm gnädig, o Herr, und gib ihm Frieden". Das steht auf dem Grabstein des berühmten Rabbis und Literaten Leone da Modena, der auf dem jüdischen Friedhof am Lido begraben ist. Zwischen Grabplatten wuchert Gras, Vögel zwitschern, Eidechsen baden im Sonnenstrahl. Dichter liebten diesen Ort, Goethe, Byron, Shelley, Keats, kaum einer ließ ihn bei seinem Venedig-Besuch aus. Die ältesten Gräber sind 600 Jahre alt. Es gibt fast nur hebräische Inschriften, hier und da etwas Latein, auf den wenig koscheren Gräbern. Ein paar Schritte weiter der neue jüdische Friedhof. Fast alle Inschriften sind italienisch. (Jüdischer Friedhof: Strada di San Nicolò, Lido. Führungen (auf Englisch): freitags um 10.30 Uhr und sonntags um 14.30 Uhr. Genaue Auskünfte bei der jüdischen Gemeinde von Venedig, Tel. 041/71 53 59).

Immer am Strand entlang: Sie wundern sich, wie die Venezianer den schwülen Sommer aushalten? Dann fahren Sie auf den Lido. Von Juni bis September findet hier das Leben statt, meist in den Badekabinen des Hotels "Des Bains"oder des "Excelsior" - wobei eine solche Kabine so teuer ist wie ein Flugticket nach Honolulu. Am schönsten ist es, sich statt dessen ein Fahrrad zu leihen und damit über die "murazzi", das befestigte Ufer, bis ans Ende der Insel zu einem kleinen Privatstrand zu fahren. Dazu mietet man sich ein Fahrrad unweit des Anlegers der Vaporetti am Lido (direkt neben dem Kiosk am Anfang der Gran Viale) und fährt bis zum Hotel "Excelsior". Kurz danach macht die Straße eine Kurve, dort steigt man ein paar Stufen hoch. Diesen wunderbaren Weg kann man eine Stunde lang radeln, das letzte Stück fährt man noch mal die Straße entlang, folgt dem gelben Schild zu den "Bagni Alberoni" und steht plötzlich mitten in den 50er Jahren: ein Strand mit türkisblau gestreiften, hölzernen Badekabinen. (Lido: Bagni Alberoni. Strada Nuova dei bagni. Fahrradverleih: Gardin, Piazza Santa Maria Elisabetta 2a, Lido, Tel. 041/276 00 05).

Ausflug zur Gemüseinsel: Von der Anlegestelle der Insel Sant'Erasmo aus sind im Dunst die Türme Venedigs zu sehen. Bauern arbeiten auf Artischockenfeldern neben den Kanälen, junge Frauen schieben Kinderwagen über schilfbewachsene Alleen. Durch seinen fruchtbaren Boden wurde Sant'Erasmo schon zur Zeit der Dogen zur "Gemüseinsel" Venedigs. Jede der größeren von den insgesamt 117 Laguneninseln hat im Lauf der Jahrhunderte ihre besondere Bestimmung erhalten.

Exkursionen in die Lagune: Mit Margherita Fusco von der "Cooperative Limosa" sind wir im Boot, zu Fuß und auf dem Fahrrad im Norden der Lagune unterwegs. In der Kooperative haben sich sechs Frauen mit einem ungewöhnlichen Tourismus-Konzept zusammengeschlossen. Auf ein- bis dreitägigen Exkursionen zeigen fünf Venezianerinnen und eine Deutsche das ganze Jahr über den Alltag und auch die Umweltprobleme der Lagune. "Limosa" bietet Dünenwanderungen auf dem Lido oder Bootsfahrten zu unbekannten Inseln wie Sant'Erasmo, Pelestrina, Santo Spirito oder Poveglia an. Auch Treffen mit den Bewohnern und den Mitgliedern einer Fischkooperative sind möglich. Informationen: Coop. Limosa, Via Seismit Doda, 25; I-30175 Venezia-Marghera, Tel. (vormittags) 93 20 03, Fax 538 12 25. Bei schriftlicher Anfrage wird das Programm auf deutsch zugeschickt.

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  • Artikel vom 10.09.2008
  • Text: Petra Reski; Foto: iStockphoto
Letzte Kommentare
  • canard
    am 18.02.10 um 14:20
    Große Enttäuschung im Rest. Terrazza sommariva. Schon die Touri-Anmache vor dem Lokal hätte uns warnen sollen, völlig überhöhte Preise für Miniportionen, z.B. mini Fischcarpaccio 21€, mini Dorade ohne exakte Preisangabe 32€, 1cl Grappa 5.50€, 1 kl. Portion p. frites 7€!! Service nicht unfreundlich aber sehr hektisch, immer auf Tourifang! Insgesamt sehr ungemütlich, Hände weg von diesem Lokal!
    Sehr angenehm war Vini da Gigio, auch für den Geldbeutel!
 
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