Kapverden: Kap der Sehnsucht
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Im Restaurant in Sal-Rei auf Boavista spielt die Gruppe Djalunga live
Dann kamen wir nach Boavista, wegen der weiten Strände. Und sie sind sogar noch viel besser als erwartet: heller, glatter, länger, wie Tiefschneepisten. Sollte es hier so einfach sein, dass wir sofort finden, was wir suchen? Wir sehen Kite-Surfer durch die Luft segeln, Wellenreiter auf ihrem Brett liegen, mit den Armen rudern und auf den richtigen Moment warten. Gut, dass wir weitergehüpft sind, auch wenn es uns immer schwer fällt, uns loszueisen. Jede Insel zieht uns wieder neu in ihren Bann. Jetzt wollen wir sehen, wie es unter der zerknitterten Atlantik-Decke aussieht. Auf zur Tauchstation.
Zu aufgewühlt, kein guter Tag zum Schnorcheln, sagt ein Mann aus dem Schatten seiner Bambushütte. "Das hier ist kein Disneyland. Ihr müsst die Tage nehmen, wie sie kommen." Wir sollten lieber aufs statt ins Wasser gucken. Surfen könnten wir auch vergessen, das sei hier zu gefährlich für Anfänger. Sagt's, klemmt sich ein Brett unter die muskulösen Arme und verschwindet dort, wo wir heute nur zuschauen sollen. Zu Recht, beim Schwimmen wirbelt uns die Strömung durch, und unsere Knie schrammen über scharfe Steine am Boden.
Alles klar, jetzt haben wir verstanden. Vieles, was wir uns vorgestellt hatten, gibt es auf den Kapverden, und wir haben es auch gefunden. Aber nicht genau, wann und wo wir erwartet hatten. Oft auch auf den zweiten Blick. Oder wenn wir uns eigentlich schon von unseren inneren Bildern verabschiedet hatten. Genau deshalb fühlen wir uns so wohl hier, weil wir die Inseln nach und nach selber entdecken.
Zwischen den weiten Dünen auf Boavista steht der Umweltschützer Pedro
Bevor wir an unserem Fünf-Sterne-Strand verbrennen, springen wir wieder auf ein Aluguer und lassen uns vom Fahrtwind abkühlen. Ungeteerte Straßen führen durch eine Landschaft aus Sandhügeln. Ein paar Ziegen heben ihre Köpfe. Ansonsten ist da nichts außer Meer in allen Blautönen und Palmen. "Sie haben zu wenig Wasser", erklärt Pedro später. Er ist Spanier und arbeitet für "Natura 2000", eine Organisation, die sich zusammen mit dem WWF für einen umweltgerechten Tourismus auf den Kapverden einsetzt. Und er weiß nicht, wo er anfangen soll, seine geliebte Insel zu beschützen: Wenn die Schildkröten an Land ihre Eier ablegen, passt er auf, dass möglichst viel Nachwuchs überlebt. Fünf von weltweit sieben Meeresschildkröten-Arten leben in kapverdischen Gewässern. Wenn ausländische Investoren mit Sandmobilen in die Ruhe brechen wollen oder Bagger sich für Hotel-Anlagen durch den Sand graben, kämpft Pedro im Stadtrat von Sal-Rei dagegen. Aber die Hotels stehen schon. Der Flughafen wird ausgebaut, bald werden Maschinen direkt aus Europa auf Boavista landen. Sie werden mehr Touristen und mit ihnen mehr Ansprüche auf die Inseln bringen. Auch mehr Geld. Hoffentlich nicht nur für die Investoren, die Einwohner könnten es gut gebrauchen in dem Entwicklungsland mit wenigen Rohstoffen. Vielleicht sieht der Strand irgendwann aus wie auf der Nachbarinsel Sal, wo wir unsere Reise angefangen haben. Dort reihen sich Hotels, Souvenirläden und Surfschulen aneinander, der Pauschaltourismus ist angekommen. Aber alle Inseln wird er nicht so schnell überziehen. Dafür sind sie zu unbequem, zu bergig und zu widerspenstig. Zum Glück.











