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Auf einer Landzunge erhebt sich unter uns die steinerne Stadt, eng umschlungen von Zyklopen-Mauern und Bastionen. Die Ziegeldächer leuchten rot im Sonnenlicht. Dubrovnik, wir kommen. Mutter und Tochter, zum ersten Mal allein zusammen im Urlaub. Das Kind ist 13, heißt Malica, und sie ist sich noch nicht ganz sicher, ob es schlau war, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.
Hier in Dalmatien, im südlichsten Zipfel Kroatiens, wollen wir ab Dubrovnik von Insel zu Insel hüpfen, mitten in den Sommerferien, mit dem Rucksack, ohne große Planung, uns einfach nur treiben lassen. Und als grandiosen Auftakt hatte ich ein Zimmer mitten in der Altstadt in einem ehemaligen Adelspalast reserviert. Renaissance-Mauern, Kupferbadewanne auf Tigerfüßen, feinste Stoffe, alte Sekretäre, samtene Kanapees.
Die Altstadt auf der einen, das Meer auf der anderen Seite, umrunden wir die Stadtmauer. Zusammen mit zwei Katzen, die sich über die verschachtelten Häuser hinweg jagen, in Palmen, Weinlauben, Gummibäume und Gärten springen. Von oben sieht die schnurgerade Stradun wie ein spiegelglatter Parkettboden aus, poliert von Milliarden Schuhsohlen, flankiert von Palästen und Patrizierhäusern, weinumrankten Balkonen und Säulengängen. Wir steigen die ausgetretenen Treppen hinab. Trinken Bergwasser aus Brunnen. In einer der ältesten Apotheken Europas, im Franziskanerkloster, kaufen wir Rosencreme, die nach traditionellem Rezept gemischt wird. In der Schatzkammer der St.-Blasius-Kathedrale entdecken wir bleiche Knochen von Heiligen, die in silbernen Köpfen, goldenen Händen und edelsteinbesetzten Armen ruhen. "Solche Schätze hat nicht einmal Harry Potter im Verlies 709 der Zauberbank liegen", sagt Malica.
Vor uns flanieren wie auf dem Laufsteg die schönsten Mädchen vorbei. Mit bauchfreiem Glitzertop, Volant-Minirock, Aladinpantöffelchen, strassbesetzten Hüfthosen, Henkeltaschen schwenkend. "Oberpeinlich", sagt Malica, "und ich hab nicht mal meine Miss-Sixty-Hose dabei."













