Stopp! Und lange hier bleiben!

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"37, 9° C." Rot leuchten die Ziffern von den städtischen Thermometern, als wir die alte Brücke nach Béziers überqueren. Oben auf dem Felsen erhebt sich die Kathedrale Saint-Nazaire drohend über das Land. Im Zentrum erweist sich Béziers, "la capitale du vin", als weltoffen, modern und lebendig. Wir spazieren die Allées Paul Riquet entlang und danken jeder Platane persönlich, die uns Schatten spendet. Die zentrale Bummel-Achse zeigt sich schläfrig. Die alten Herren, die vorhatten, ihren Nachmittag beim Pétanque-Spiel zu verbringen, kleben auf den Parkbänken fest, und auch dem Baumeister des Canal du Midi, Pierre Paul Riquet, dem die Stadt hier ein Denkmal gesetzt hat, scheint es zu heiß zu sein. Matt neigt er das Haupt. Riquet, ein Zeitgenosse Molières, hatte als Eintreiber der königlichen Salzsteuer ein Vermögen gemacht. Und es gelang ihm, Ludwig XIV. für den Bau einer Wasserstraße zu begeistern, die Atlantik und Mittelmeer verbinden sollte: Der Canal du Midi, ein Wunderwerk der Ingenieurstechnik, wurde in nur 15 Jahren vollendet - mit 64 Schleusen, zahlreichen Aquädukten und knapp hundert Brücken.

Mit dem Ausflugsboot über den Canal du Midi

Mit dem Ausflugsboot über den Canal du Midi

Im Hafen von Homps kaufen wir Karten für eine "promenade sur le canal du midi". Ein Schritt über den Bootssteg, ein windgeschütztes Plätzchen zwischen französischen Familien mit zehn niedlichen Kindern, der Motor tuckert los, und: Das ganze Leben ändert Rhythmus und Perspektive. Auf Wurzelniveau gleiten wir durchs Land, und es geht weder darum, irgendwo anzukommen, noch darum, sich mühsam seinen Weg zu bahnen oder ihn auch nur zu suchen. Nein, diese anderthalb Stunden lang lassen wir uns einfach tragen. Zuerst messe ich die zurückgelegte Entfernung noch von Platane zu Platane, höre mit dem Zählen aber bald auf. 45 000 Platanen dienen dem Kanal als natürliche Uferbefestigung.

Narbonne

Im Mittelalter galten Katzen als Verkörperung des Bösen und als Verbündete des Teufels. Wer mit ihnen Umgang hatte, wurde gleich selbst zu denen gerechnet, die vom wahren Glauben abgefallen waren. Vor allem die Katharer, Anhänger einer christlichen Armutsbewegung, wurden abgeschlachtet wie Vieh. Papst Innozenz III. dankte seinem treuen Abt Arnaud-Amaury für das Massaker, indem er ihn wenig später zum Erzbischof von Narbonne ernannte. Sein Bischofspalais und die gotische Kathedrale Saint-Just mit ihrem wundervollen Kreuzgang liegen nur etwa hundert Meter neben unserem Hotel "La Résidence", am Canal de la Robine, der sich mitten durch Narbonne zieht. Der idyllischste Ort, den ich je gesehen habe ist eine Wiese vor der Abtei von Fontfroid, in einem abgeschiedenen Tal in den Weinbergen der Corbières - dieser Frieden, diese stille Heiterkeit, diese klare Klosterarchitektur!

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  • Text: Susanne Friedmann;
    Fotos: Bethel Fath
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