Mit dem Kamel durch Libyen

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Schesch, die traditionelle Kopfbedeckung der Tuareg, schützt beim Trekking in der Wüstenlandschaft vor Sonne.

Schesch, die traditionelle Kopfbedeckung der Tuareg, schützt beim Trekking in der Wüstenlandschaft vor Sonne.

Das ist noch lange hin, aber ich werde plötzlich sehr traurig. Nichts ist ewig. Alles hat Anfang und Ende. Auch das Universum, das ja mit dem Urknall angefangen habe. Und schon weicht die Traurigkeit der Nachdenklichkeit. "Aber was war vor dem Urknall, Heiner?" Die Pointe des Urknalls sei eben, sagt er, dass vorher nichts war. Ich kann aber nicht nichts denken.

Mit diesem Problem schleppe ich mich am nächsten Tag durch die Wadis, die trockenen Flussbetten, deren schwarze Steine von hellem Sand wie schneeverweht umspült werden. Emulas, mein Kamel, führe ich wie einen Hund an der Leine hinter mir her, und wenn ich zu langsam bin, schwebt sein wunderlicher Kopf über meinem, er sieht aus wie der von Fuchur, dem Glücksdrachen aus der "Unendlichen Geschichte". Wir sind umgeben von Felsmassiven, auf denen Türme, Köpfe, Zinnen, Hüte, Fratzen, Mäuler und Bauklötzchen thronen; die Architekten sind Wind, Sonne und Zeit. Und das Wasser. "Wusstest du", hat Andy mich gestern gefragt, "dass die meisten Menschen in der Wüste nicht verdursten, sondern ertrinken?" Nein, wusste ich nicht. Und lerne, dass es auch in der Wüste regnen kann, so heftig, dass sich reißende Ströme bilden.

Man könnte zweifeln, ob das überhaupt noch unser Planet ist. Ob wir nicht während der nächtlichen Sternbeobachtung unbemerkt herausgerutscht sind aus der Erdatmosphäre und auf einem der Planeten gelandet, auf die Heiner seine Zeitmaschine richtet, das Teleskop. Man kann damit bis zu 2,5 Millionen Lichtjahre weit blicken und damit genauso viele Jahre in die Vergangenheit. Nachdem wir drei Stunden durch die trockene Hitze marschiert sind, vermummt mit Tuareg-Turbanen gegen die Sonne, tauchen in der Ferne die beiden Landcruiser auf, die unser Gepäck und den Proviant transportieren. Im luftbewegten Schatten sitzen wir um eine Decke, essen Salate mit Ziegenkäse, Omelett und Tunfisch und verdösen die vierzig Grad Mittagshitze bis halb vier.

Immer noch müde lasse ich mich danach von Emulas eine Weile über den windgerippelten Wüstensand tragen. Manchmal rubbele ich mit dem Fuß seinen Nacken, dann trabt er, oder ich schwinge den Zügel neben seinem Gesicht, dann wird er schneller. Inzwischen nimmt er mich ernst. Vielleicht honoriert er, dass wir morgens nicht mehr die Letzten sind - ich bin jetzt besser im Zeltabbauen. Vielleicht beobachtet er, wie ich, ganz tuaregmäßig, meine Hände mit Sand wasche, weil die Feuchttücher mal wieder in der anderen Tasche sind. Wenn der Koch abends "Dinner is ready!" ruft, strömen aus allen Ecken die Lichtkegel der Stirnlampen wie von Bergwerksarbeitern herbei, um sich um orientalische Linsensuppe, Gemüseeintopf oder Couscous zu versammeln.

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  • BRIGITTE Heft 26/07
    Fotos: Jörg Modrow
    Karte: Gabi Wilhelmi
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