Loire - Wo das Glück zu Hause ist

Parfümwerkstatt im Schloss und Dahlien im Salat. Tricks vom Starkoch und Installationen im Park. An Frankreichs schönstem Fluss erleben Sie so manche Überraschung. Mit großem Reiseservice.

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Schließen Sie die Fenster. Sonst kommen die Fledermäuse. Wenn Sie nachts Stimmen hören, haben Sie keine Angst. Das ist die Jungfrau von Orléans, die hat vor Ihnen hier übernachtet. Gehen Sie nach dem Frühstück in den Garten und pflücken Sie Dahlien. Die werden Sie am Mittag essen. Normale Kochkurse können Sie überall machen, fürstliche nur auf Château Rivau.

Vor dem Kochen kommt der Helikopter. Ein Mädchen mit schwarzen Locken steigt aus. Das Mädchen ist 54 Jahre alt und die Schlossherrin, die gerade hierher geflogen ist. Selbst geflogen. Patricia Laigneau führt uns eine Wendeltreppe hinauf. Mein Zimmer liegt in einem Turm. Wer immer hier früher gefangen war, er hatte eine schöne Aussicht: Auf der einen Seite sieht man auf Gemüsegärten und Stallungen. Auf der anderen Seite stehen Apfelbäume, Kletterrosen und anderes Grün zum Plaisir.

Für Plaisir ist heute keine Zeit. Die anderen warten schon mit Messern. Wir gehen in den Garten und ernten Salat, Gemüse, Kräuter und Obst. So wurden schon Könige verpflegt. Das Schloss stammt aus dem 11. Jahrhundert. Die Küche aus diesem. Ich schneide die kleinsten Zwiebelwürfel meines Lebens und versenke Blütenblätter im Salat. Lynn übt, den Reis in der Pfanne mit Schwung und ohne Kollateralschäden durcheinander zu bringen. Ihr Verlobter halbiert Liebesäpfel. Es ist wie fröhliches Kochen mit Freunden. Nur besser. Dafür sorgt Frédéric van Coppernolle, ein französischer Starkoch, der jahrelang in den USA gearbeitet hat und nun den Begabten unter uns Tricks verrät und die weniger Begabten freundlich motiviert.

Kochen muss sein. Aber warum wird Kochen im Schloss zum Urlaubsvergnügen, während es im Alltag für mich weder spannend noch unterhaltsam ist? Nur ein Viertel aller Leute, sagt man, kocht zu Hause noch regelmäßig. Zu wenig Zeit, zu viel Pizza-Service. Aber hier streicheln wir Karotten und bekommen leuchtende Augen, wenn wir schrumpelige Äpfel pflücken. Das natürliche Leben hat was.

Nach dem Kochen ist vor dem Kochen. Am Abend werden wir aus Ziegenkäse und Kastanien, Feigen und Entenbrust, Kürbis und Nüssen ein weiteres Menü zubereiten. Und wieder laufen wir in den Garten. Mitten hinein in die Kunst.

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  • Reportage: Regina Kramer
    Reiseservice: Klaus Simon
    Fotos: Sabine Steputat
    BRIGITTE Heft 11/2007
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