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Der Maki
... turnt durch meine Küche. Die Augen sind wach, die Ohren lauschen, er streckt die Zehen, als würde er tanzen. Es ist ein Mausmaki, ein kleiner brauner Feuchtnasenaffe aus Madagaskar. In der Obstschale hat er sein Hauptquartier. Der Maki ist aus Bast, das goldene Fell auflackiert, das Gesicht gemalt. Aber die Seele ist echt. Und ich schwöre: Mein Maki kann reden. Jeden Morgen grinst er mich an und sagt: "Weißt du noch?" - "Klar", sage ich und spüre Sonne in meinem Herzen.
Wir lernten uns ziemlich am Anfang der Reise durch Madagaskar kennen. Der Maki stand an einem Kunsthandwerksstand an einer langen Landstraße zwischen knallgrünen Chamäleons, schillernden Fröschen, Kattas mit schwarz-weißen geringelten buschigen Schwänzen und allerlei anderem seltsamem Getier. Ein Junge kam dazu, ein spiddeliger, barfuß laufender Kerl in kurzen Hosen. Er sagte nichts. Er hatte die Tiere vermutlich zusammen mit den anderen Bewohnern seines Dorfes gebastelt und war nun losgeschickt worden, sie hier oben an der Straße zu verkaufen. Er ließ mir Zeit, den Maki zu bestaunen. So also sehen sie aus, dachte ich - die exotischen Tiere des Regenwalds, um derentwillen ich um die halbe Welt gereist war. Ungefährlich. Gut gelaunt. Einzigartig. "Nimm mich mit", sagte der Maki. Und ich gehorchte.
Heute, in meiner Küche, ist der Maki umgeben von anderen Schätzen. Lauter Dinge, die ich auch unbedingt mitnehmen musste. Man könnte sagen, die Reise sei eine Art Shopping-Tour gewesen. Ich sehe das anders. Für mich war es eher eine Expedition, und in der Tradition der frühen Entdecker habe ich mir zu Hause ein Raritätenkabinett eingerichtet. Madagaskar, die große Insel vor Mosambik, lädt ein zu dieser Art des Unterwegsseins. Wissenschaftler finden hier immer noch neue Tiere, Pflanzen und Gebräuche, die es nirgendwo sonst gibt. Den Reisenden gelingt das natürlich nicht. Sie entdecken nichts wirklich Neues - alles hat vorher schon jemand erforscht. Aber für sie selbst ist es neu, sie kennen nicht - wie sonst so oft - vor der Reise alles schon aus Prospekten, Büchern, Filmen und den Erzählungen der Freunde, die schon da gewesen sind.
So habe ich auf meiner kleinen privaten Expedition allerlei zusammengetragen. In meinem Madagaskar-Museum liegen: Ein geschnitztes Rosenholz-Zebu. Ein Eis. Ein Zifferblatt. Ein Kinderkleid. Ein Stück Rinde, die nach Zimt riecht. Eine Buddel voll Rum. Und eben der Maki. Zu jedem Stück gehört eine kleine Geschichte.
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