Madagaskar
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Das Stück Zimt
... ist ein Geschenk. Es sieht nicht aus wie der Zimt, den wir kennen. Es ist einfach Borke von einem Zweig, grau, schrumpelig, ein wenig silbern glänzend. Aber wenn man reibt, duftet es, frischer und stärker als alles, was ich als Zimt kenne.
Ranomafana, ein Dorf in den Bergnebelwäldern
Ich habe es von Felix, dem Naturführer, der uns den Masoala- Nationalpark gezeigt hat. Der Park liegt im Osten des Landes auf einer Halbinsel vor der kleinen Hafenstadt Maroatsetra. Eines Morgens erschien Felix dort in unserem Hotel. Ich habe gerade gefrühstückt, frische Ananas, handwarmes Baguette, selbst gekochte Marmelade - da stellt er sich vor. "Kommt mit", sagt er, lädt uns in ein Motorboot und fährt uns vorbei an Fischern, die in ihren Einbäumen über die Wellen schaukeln, übers Meer zur "Forest Lodge", einem wunderschönen kleinen Öko-Tourismus-Unternehmen am Rande des Urwalds. Die Lodge ist ein Dorf mit Hütten auf Stelzen, ringsum wachsen Vanille, Bananen und Ananas-Pflanzen. Von außen sind die Quartiere von denen der Fischer kaum zu unterscheiden. Innen aber schützt ein Safarizelt vor den Moskitos.
Wir wandern durch den Regenwald. Die Bäume sind so alt, dass ihre Gesichter Falten haben. Und so groß, dass einem schwindelig wird, wenn man in ihr Blätterdach hinaufschaut. Einer hat Wurzeln wie Dinosaurier-Krallen. "Das ist der Ramy, aus dem die Einbäume der Fischer sind", erzählt Felix. Wir gucken den Stamm hoch, schätzen: Vier Kanus, vielleicht fünf, kann man aus einem solchen Urwaldriesen hauen, die halten ein paar Jahre, dann haben Bohrmuscheln den Rumpf zernagt. Was für eine Verschwendung. "Aber", sagt Felix, "Boote aus Polyester sind für die Fischer unbezahlbar."
Wir bleiben immer wieder stehen, um den Urwald zu spüren. Lange sehen wir vor lauter Grün nur Grün. Dann langsam unterscheidet das Auge Konturen. Und plötzlich sieht es: Da oben ist großes Spektakel. Affenbanden rasen durch die Bäume. Lemuren! Sie jagen sich bis in die Wipfel, springen im freien Flug von einer Baumkrone zur anderen, kreischen. Diese Feuchtnasenaffen waren vor langer, langer Zeit sogar in Nordfrankreich zu finden. Aber nur auf Madagaskar und auf den Komoren haben sie überlebt. Warum? Bis vor rund 165 Millionen Jahren gab es auf der Südhalbkugel einen riesigen Kontinent, Gondwana. Der driftete dann auseinander, Afrika, Südamerika, Südindien, Australien und die Antarktis entstanden. Madagaskar blieb weit draußen vor der Küste von Ostafrika hängen - isoliert an der Bruchstelle zwischen den Kontinenten. Die Tiere und Pflanzen auf dieser Insel machten ihre eigene Evolution durch. Tiere, die anderswo ausstarben, konnten sich halten. Sie hatten hier kaum natürliche Feinde, bis die Menschen anfingen, ihre Lebensräume zu zerstören - durch Brandrodung und Tropenholz- Einschlag. Die Nationalparks sollen das Aussterben der seltenen Arten verhindern. Wer den Wald dort beschädigt, muss mit bis zu 20 Jahren Zwangsarbeit rechnen. Das wirkt.
Um den Nationalpark herum gibt es einen fünf Kilometer breiten Streifen, die "zone péripherique", eine Pufferzone, in der die Einheimischen wirtschaften dürfen. Mit einem Teil des Eintrittsgeldes werden Dorfprojekte finanziert. Felix ist einer der Ersten, die davon leben. Er hat gelernt, die Bäume zu bestimmen und die Lemuren aufzuspüren. Er hat gelernt, Menschen für den Nationalpark zu begeistern. Zum Abschied schenkt er mir das Stück Zimt. Manchmal reibe ich dran, dann ist mir der Regenwald wieder nah.












danke für den sehr interessanten Beitrag über Madagaskar.Ich werde diese Insel erstmalig vom 08.12.10-05.01.10 bereisen.Ich bin noch auf der Suche nach der besten Reiseroute.Als grösstes Problem sehe ich mal wieder das schmale Zeitfenster.In 4 Wochen ist es ja unmöglich die gesammte Insel zu bereisen.Ich werde mir wahrscheinlich den südlichen Teil der Insel vornehmen.Sollten sie noch ein paar Tipps haben,immer her damit.Besten Dank, Frank