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Hast du schon einmal in der Wüste geschlafen? Mach das, die Erfahrung kann dir keiner mehr nehmen. Du schläfst wie ein Tier. Flach und leicht, immer bereit zu reagieren. Du hörst den Atem deines Nachbarn, du hörst den Wind. Du machst die Augen auf und siehst eine Sternschnuppe vom Himmel fallen.
In der Wüste kannst du mondsüchtig werden. In deiner Häuserschachtel zu Hause siehst du ihn nur, wenn er dir ins Fenster scheint. Hier ist er über dir die ganze Nacht. Es ist wie ein Spiel. Du machst die Augen auf, und er steht über deinen Knien. Du schläfst, wachst auf, und er scheint dir auf den Bauch. Dann mitten ins Gesicht. Beim nächsten Mal musst du den Kopf schon in den Nacken legen, um ihn zu sehen. Und wenn du aufwachst, musst du dich nach ihm umdrehen. Dann ist er blass geworden und gibt dich an die Sonne ab.
Der Weg der Weisheit führt durch die Wüste
Bevor die Reise zu Ende geht, fängst du an, gierig die Bilder in dich hinein zu schaufeln, die du mitnehmen möchtest. Beim letzten Ritt auf dem Kamel schneidest du dir ganz bescheiden ein Stück Wüste aus der Landschaft und pflanzt es dir ein. Sie ist groß genug, die Wüste, das fällt niemandem auf.
Die Wüste ist eine Denklandschaft, sagt Otl Aicher. Der Weg zur Macht, sagt ein arabisches Sprichwort, führt durch die Paläste. Der Weg zum Reichtum durch die Basare. Der Weg zur Weisheit aber führt durch die Wüste. Du auf deinem Kamel sagst dir: Damit hat es diesmal nicht geklappt. Verzage nicht. Geh zurück in deine eitle, hektische Welt. Übe dort. In dem Stück Wüste, das du dir mitgebracht hast.
Reiseservice
Pauschal: Die beschriebene 15-Tage-Reise bietet Trekking Tours M. Hoffmann an (Wolferskamp 27, 22559 Hamburg, Tel. 040/81 18 63, Fax 81 24 70). Termine: von Oktober bis April. Die Teilnehmer sollten etwas sportlich sein, da sie vier bis sechs Stunden am Tag auf ihrem Kamel reiten oder, wenn sie Lust haben, wandern. Geschlafen wird unterm Sternenhimmel im Freien. Wer im Zelt übernachten möchte, muss sein eigenes mitbringen. Die Verpflegung ist einfach, aber gut: Morgens backen die Beduinen in der Glut des Lagerfeuers Fladenbrot, mittags gibt es Salat und Obst, abends Couscous, Lammeintopf oder Gemüse mit Reis.
Klima: tagsüber 18 bis 32 Grad. Die Passatwinde machen die Mittagshitze erträglich. Nachts wird es sehr kalt, in manchen Winternächten werden Minustemperaturen gemessen.
Ausrüstung: Das wichtigste sind gute Wanderschuhe. Sie sollten eingelaufen sein und immer mit dicken Socken getragen werden. Gegen die Sonne schützen ein Hut und ein langer Schal, den man sich um den Kopf bindet (am besten in Marokko kaufen). Außerdem unentbehrlich: Sonnenmilch mit hohem Lichtschutzfaktor, eine gute Sonnenbrille, weite Hosen und weite, langärmlige T-Shirts aus Baumwolle.
Literatur: Zur Einstimmung "Sandmeere" von Isabelle Eberhardt (Rowohlt, zwei Bände), "Himmel über der Wüste" von Paul Bowles (Goldmann-Verlag) und die Bücher von Antoine de Saint-Exupéry "Der kleine Prinz", "Wind, Sand und Sterne" und "Die Stadt in der Wüste", alle im Rauch-Verlagerschienen.
Reiseführer: Vor allem Individualreisende spricht der Band "Marokko" aus der Reihe Reise Know-How an; aktuell und hervorragend bebildert: der Nelles-Guide "Marokko".













