Marokko: Essaouira, die leichte

Die kleine Hafenstadt Essaouira in Marokko ist leicht, gelassen, orientalisch lebensfroh - eine Oase für Aussteiger und Künstler.

In diesem Artikel:
Die Macht der Farben: die ockerfarbene Stadtmauer

Die Macht der Farben: die ockerfarbene Stadtmauer

Es klingt, als trommele sich jemand die Seele aus dem Leib. Erst leise, dann lauter und immer schneller. Woher kommt das Gewummere? Aus einem Innenhof, aber welchem? Die Trommel rast. Menschenleer die Gasse, die Läden geschlossen, tagsüber hängen hier die Hauswände voller Teppiche und Decken. Jetzt überstürzen sich die Schläge. Und plötzlich: Stille. Kein Laut mehr. Eine Katze - Essaouira ist die Stadt der tausend Katzen - verschwindet hinter einer Mauer. Über mir liegt die Mondsichel wie eine Schüssel am Himmel.

In der Medina von Essaouira kommen sie regelmäßig zusammen, die Gnaoua-Musiker. Die Gnaoua sind Nachfahren schwarzafrikanischer Sklaven, ihre Tänze und Gesänge sollen böse Geister in Schach halten, vor Krankheiten schützen. Wer abends durch die Stadt geht und die Trommeln hört, bekommt die Rhythmen nicht mehr aus dem Kopf. Ende der sechziger Jahre war Jimi Hendrix in Essaouira. Auch wegen dieser Trommelmusik, die in Trance versetzen kann.

Tagsüber wirkt sie leicht und gelassen, die weiße Stadt am Atlantik, die keinen erdrückt und viele Künstler anzieht. Wo das Licht oft so hell ist, dass die Häuser mit ihren blauen Fensterrahmen glänzen wie Perlmutt. Wo der Wind einem 260 Tage im Jahr die Haare ins Gesicht peitscht - eine Kampfansage an den Massentourismus: An den Stränden von Essaouira, rund 170 Kilometer nördlich von Agadir, hält es kein Sonnenanbeter lange aus. Dafür haben die Surfer den Spot für sich entdeckt, tragen ihre Bretter durch die Altstadt ans Meer und rauschen mit dem Wind davon.

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  • Text: Franziska Wolffheim
    Fotos: Bernd Jonkmanns
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