Marokko: Essaouira, die leichte

  •  
  •  
In diesem Artikel:
Händler mit gefärbtem Stroh

Händler mit gefärbtem Stroh

Vielleicht ist das Geheimnis von Essaouira auch, dass man hier das Warten lernen kann. Ohne Angst zu haben, die Welt würde an einem vorbeidrehen. Ich warte auf dem Platz Moulay Hassan, zwischen Medina und Meer, auf den Kellner. In der Zwischenzeit lasse ich sie vorbeischlendern, Globetrotter mit Jesuslatschen und China-Kladde unterm Arm, Großstädter im Tommy-Hilfiger-Outfit, schwarz verschleierte Frauen, alte Männer mit braunen Kutten und zipfeligen Mützen. Das Leben zieht hier wie ein Film vorbei, ein Ende gibt es nicht, ich muss nur irgendwann aufstehen.

Als ich den Cut schließlich schaffe und das Herz der Medina erreiche, betrete ich eine andere Dimension. Drehe mich mit den anderen wie in einem Karussell - Händlern, Hausfrauen, Bettlern, Touristen. Der Strom nimmt mich mit, sanfter zwar als in den wimmelnden Suks von Marrakesch, aber doch unaufhaltsam.

In der Medina: Kräutermann Mohamed

In der Medina: Kräutermann Mohamed

Essaouira ist auch die Stadt des Kunstgewerbes. Wer gute Kunst sucht, muss sich etwas Zeit nehmen. Im Internet habe ich gelesen, dass Mohamed Zouzaf der meistimitierte Künstler Essaouiras ist. Und einer der besten. Er hat nie woanders gelebt als hier, seine Vorfahren sind Berber.

Mohamed Zouzaf ist sehr freundlich und sehr zurückhaltend. Vielleicht würde er am liebsten hinter den Skulpturen verschwinden, die überall in seiner Wohnung stehen. Die Skulpturen und auch seine Bilder sind mit unzähligen geheimnisvollen Zeichen bedeckt, inspiriert von der Tradition der Berber. Jedes Bild erzählt eine Geschichte, sagt Zouzaf, er sei ein Schriftsteller der Leinwand. Manchmal spricht er mit seinen Werken. Für Platten mit Gnaoua-Musik hat er Cover entworfen, Festival-Plakate gemacht. Kann er von seiner Kunst leben? "Ja." Und seine Familie ernähren? Der 50-Jährige nickt bedächtig. "Auch das. Inschallah." Schade, denke ich, dass ich sie nicht entziffern kann, diese wunderschönen Hieroglyphen. Dafür würde ich wahrscheinlich Monate brauchen oder Jahre. Und dann wäre ich endgültig hängen geblieben in der weißen Stadt am Meer. Wie so viele andere auch.

Aber wäre das eigentlich schlimm?

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  • Text: Franziska Wolffheim
    Fotos: Bernd Jonkmanns

BRIGITTE im ABO

Brigitte-Netzwerk
BRIGITTE-woman.de
Bfriends.de
Bym.de