Eine Woche mit Khadija

Sie ist Nomadin, ihre Welt ist die Wüste. Und wer bei ihr und ihren Freundinnen Urlaub macht, entdeckt die Seele der Sahara.

In diesem Artikel:
Draußen in den Dünen ist Khadija frei.

Draußen in den Dünen ist Khadija frei.

In der Sahara, weit weg von Straßen, von Lärm, von Cafés, von Sitzmöbeln, von Betten, von Duschen, sind wir - 14 Frauen aus Deutschland - eine Woche allein mit den Nomaden und der Wüste. Die Autos, die uns hergebracht haben, sind verschwunden. Ringsum Dünen bis zum unregelmäßig gewellten Horizont. Westlich die Bergkette, deren weiche Konturen Schriftzeichen sein könnten. Etwas entfernt vom Feuer sind die Stimmen nicht mehr zu hören, nur noch Stille und der eigene Puls im Innenohr.

Diese Reise ist etwas Besonderes, weil Nomadenfrauen in unserem Camp dabei sind. Den meisten Wüstenreisenden bleibt es versagt, einen Einblick in die Welt dieser Frauen zu bekommen, denn jede Art von Begegnung ist gewöhnlich äußerst streng reglementiert. Am ersten Abend treten sieben Frauen ins Licht, setzen sich ans Feuer, fast gleichzeitig, nebeneinander, eine schüchterne Geste. Nur kurz sind Augen und Hautfarbe unter den Schleiern zu sehen. Woran könnte ich sie am nächsten Morgen wiedererkennen? Werden sie dieselben Kleider aus gewickelten bunten Stoffbahnen tragen? Dieselben Socken mit Kätzchen und Blumen oder dem Nike-Logo drauf?

Abdellah Naji, Sprecher seines Nomadenstamms, der Nouaji, ist unser Reiseführer. Sein Reiseunternehmen "Renard Bleu Touareg" ist das einzige in Marokko, das von Nomaden gegründet wurde. Abdellah, studierter Anthropologe, versucht, die Kultur der Nomaden zu bewahren, ihre Stammesgeschichte, die auf mündlichen Überlieferungen beruht, weiterzugeben. Und bietet Europäern die Möglichkeit, das Leben in der Wüste intensiv kennen zu lernen.

Am nächsten Morgen, zehn Uhr, das Klappern von Geschirr im Kochzelt. Matou (blaues Gewand mit Perlen und Fransen), Monna (die Socken mit den Kätzchen) und Khadija (in grellem Gelb) gehen mit uns los, Holz zu holen in den Dünen. Kaum ist das Camp außer Sichtweite, zieht Khadija das Tuch unters Kinn und hebt an zu singen, mit ihrer Blues-Stimme, die anderen stimmen ein, ein Refrain, ein wiegender Rhythmus. Sie reißen trockene Äste von Büschen, legen das Holz zusammen, treten es, zurren ein Seil darum, jede ihr eigenes Bündel. Danach winken sie uns in den Schatten. Auf dem Rückweg werden die Holzbündel geschultert, die Schleier wieder zurechtgerückt.

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  • Text: Ania Faas
    Fotos: Jordis Antonia Schlösser

    BRIGITTE 02/05
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