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"Hey! Sollen wir tauschen?" Officer Smallman zeigt auf mein Fahrrad und lacht so dröhnend, dass sein Uniformhemd noch mehr spannt und ich schon vor mir sehe, wie die Knöpfe abspringen und in die Ritzen der Holz-Promenade kullern. Ich solle mich mal auf seine Harley setzen, sagt der Polizist, und seine Kollegen der Patrouille von Coney Island grinsen. "Fahrt vorsichtig", rufen die Polizisten uns hinterher.
Da hätten wir echt Glück gehabt, sagt Steve Silver, unser Begleiter. Fahrradfahren auf der Strandpromenade ist verboten und kann 100 Dollar Strafe kosten. Doch so freundlich wie auf Coney Island begegnen uns die meisten New Yorker, die eigentlich nur zwei Arten von Radfahrern kennen: todesmutige Kuriere, die durch die Straßenschluchten Manhattans rasen, und Sportler, die sonntags im Central Park trainieren. Menschen, die zum Spaß durch Brooklyn oder die Bronx radeln, sind hier so exotisch wie Ami-Schlitten auf den Straßen Bayerns oder Brandenburgs.
Mit dem Fahrrad in die Wallstreet: ein bizarres Erlebnis.
Steve Silver ist Maler und begeisterter Radfahrer. Er zeigt uns sein New York, und das ist nicht das geldglitzernde Manhattan. Silver lebt mit seiner spanischen Frau Luisa und ihrer gemeinsamen vierjährigen Tochter Olivia in Williamsburg, einem Viertel in Brooklyn. Sein riesiges Loft in einer ehemaligen Munitionsfabrik ist keine schicke Designerwohnung; Klappstühle umstehen einen einfachen Tisch, das Sofa besteht aus Matratzen, Morgentoilette wird am Spülbecken gemacht, und wir schlafen in einem Mehrbettzimmer. Doch trist kann es hier schon aus zwei Gründen nicht sein: weil die Innenwände der Wohnung mit Steves riesiger, farbenfroher Reliefmalerei bedeckt sind und weil die Außenwände komplett aus Fenstern bestehen. Manhattans Skyline schickt uns den ersten Morgengruß, und zur guten Nacht leuchtet das Empire State Building herüber. Von seinem Wohnzimmer sieht Steve in der Ferne die Südspitze Manhattans, hier wurde er Zeuge der Tragödie am 11. September 2001.
Tafel zum Gedenken an die Opfer und die Baustelle von Ground Zero.
Unsere Fahrräder lehnen am Geländer der Brooklyn Heights Promenade, auf der anderen Seite des East River entfaltet sich die Skyline Manhattans, auf diesen Bänken saß ich bei früheren Besuchen und verliebte mich in die Silhouette der Stadt. Nun fehlen die Türme des World Trade Center. Von der Katastrophe gewusst zu haben ist nicht zu vergleichen mit der bitteren Erfahrung, dies nun aus der Nähe zu sehen. Es ist wie ein optischer Phantomschmerz.
Steve erzählt von seiner ersten Zeit in Brooklyn. Als der heute 51-jährige vor zwanzig Jahren nach Williamsburg zog, wurde dort abends auf den Straßen geschossen. Mittlerweile wird renoviert, in die Appartements ziehen junge Leute ein. Jetzt kostet bei Fabiani's ein winziges Sandwich 2,50 Dollar - "Downtown-Nepp!", entrüstet sich der Maler mit dem grauen Pferdeschwanz.











