Costa Brava

Zerstört und idyllisch. Dröhnend laut und herrlich ruhig. Beides stimmt. Hier sind Geheimtipps für die beliebte Küste

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So habe ich mir die Costa Brava immer schon vorgestellt: billig hingeklotzte Betonbunker, immerwährende happy-hours, Sangría-Krüge, massenhaft Kitsch. Seit vierzig Jahren, so berichtet ein Kellner, wiederhole sich das Phänomen: Während der Ferienmonate schwillt der 17.000-Seelen-Ort Lloret de Mar auf 150.000 Bewohner an. Lloret lebt ausschließlich vom Tourismus. Aber Lloret ist nicht die Costa Brava. An der Bushaltestelle wartet ein Rudel blonder Rothäute auf den Autobus, der sie nach Hamburg zurückkarren wird. Auch ich fliehe Richtung Norden, auf einer abenteuerlich gewundenen Straße die Küste entlang. Hier wird mir klar, warum sie "brava" heißt, wild: wegen des atemberaubend zerklüfteten Ufers, der düster bewaldeten Steilhänge, der Klippen, zwischen denen sich immer wieder eine ruhige, kleine Bucht mit Sandstrand verbirgt.

Über Felsen zum goldenen Strand

Mein Ziel ist eine solche Bucht - aber auf dem Landweg zugänglich: Platja de Pals, ein Badeort der geruhsameren Sorte. Mich erwartet die übliche Mischung von Läden: Sonnenöl, Badematten, Gummitiere, internationale Presse und natürlich Bars, Restaurants und Pizzerias. Und ein größtenteils mittelständisches Publikum aus dem nahen Barcelona. Das alles ist nichts Besonderes, aber ich bin auch noch nicht am Ziel. Erst einmal geht es den normalen Strand entlang, dann über einen Felsen - man hat Stufen hineingehauen - vorbei an einer felsumrahmten Bucht, abermals über eine Klippenbarriere, und da liegt er dann, mein kleiner, von mächtigen Felsen beschützter, goldener Sandstrand. Hier ist es egal, ob man mit oder ohne oder oben ohne in die sprudelnden Wellen springt. Hier ist alles brava.

Nicht so in Empúries. Meer und Küste liegen ruhig und friedlich wie gemalt. In einer Hügellandschaft stehen die Überreste der von den Griechen gegründeten und von den Römern ausgebauten Siedlung Emporion (Handelsplatz). Heute befindet sich hier das winzige, mauerbewehrte Dörfchen Sant Martí de Empúries. Dunkle Steinbauten drängen sich aneinander, jedes Haus wirkt wie eine Trutzburg. Am Ufer kein Boot, kein Hafen, nur eine kleine Bucht aus Sand und Kies.

Cadaqués, das Künstlerdorf

Und dann Cadaqués, die Wahlheimat des Malers Salvador Dalí und seiner Muse Gala. Ein halsbrecherischer Parcours führt über den steilen Pyrenäenausläufer Serra de Rodes, wenn man ins "spanische St. Tropez" gelangen will. So hieß der Hippie-Treff in den Siebzigern, als sich im Gefolge des Malers allerlei buntes Volk hier zeitweise oder dauerhaft niederließ. Seither ist der Ort nicht mehr ein weltabgelegenes Kaff von Fischern, Wein- und Olivenbauern, sondern zieht noch immer viele Künstler an.

Cadaqués ist angesagt. Am Strand liegt das nicht, der besteht aus grauen Steinen. Es badet auch kaum jemand. Ich mache es wie die katalanischen "beautiful people", beobachte von dem Terrassencafé an der Strandpromenade die Alt- und Neureichen, die mit ihren Jachten in der Bucht kreuzen, um auch ja gesehen zu werden, bevor sie einen der märchenhaften, nur vom Meer aus zugänglichen Strände ansteuern.

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  • Text: Ingrit Seibert
BRIGITTE im ABO