Fuerteventura

Fuerteventura

"Fuerte" hat mehr zu bieten als Strand und Sonne: viel Wind für die Surfer, versteckte Tauchreviere und bizarre Dünenlandschaften für Wanderer.

Tourismus statt Ziegenzucht

Fuerteventura? Eine Insel wie eine Gänsekeule, die zu lange im Ofen war - fast ausgedörrt, Hautfalten aus grauer Lava und weißem Muschelkalk, gespickt mit längst erloschenen Vulkanen. Eine Wüsteninsel, Dromedare inklusive. Bis vor gut 30 Jahren noch ein Armenhaus, fast ohne Strom und Wasser, viele Bewohner Analphabeten, die Fische fingen oder Ziegen züchteten, vom Franco-Regime bewusst vergessen. Nun teilen sich - statistisch gesehen - 42 Ziegen jeden der 1700 Quadratkilometer auf Fuerteventura mit 30 Majoreros. Das Wort für die Insulaner ist der Sprache der Ureinwohner entlehnt, die sich Majos nannten und von den europäischen Eroberern schon im 15. Jahrhundert teils ausgerottet, teils assimiliert wurden.

Nur wenige Majoreros sind heute noch Fischer oder Bauern. Die Mehrzahl verdient in irgendeiner Form an den über 60.000 Hotelbetten, die seit Mitte der 60er Jahre auf Fuerteventura gebaut wurden und die übers Jahr von inzwischen 850.000 Touristinnen und Touristen belegt werden, darunter 550.000 Deutsche: viele Junge, viele Familien mit Kindern, keine Kulturhungrigen. An Kultur und Historie nämlich hat die Insel eher wenig zu bieten. Zumindest nicht soviel, als dass sich damit so ohne weiteres ein Jahresurlaub füllen ließe.

Eldorado für Surfer und Taucher

"Eigentlich wollte ich ja nur einen Surf-Urlaub machen." Carmen Herbold sitzt bei einer Cola am Tresen im "Pro Center" an der Playa de Sotavento, der größten Windsurf-Schule der Kanaren. "Aber dann hatte ich mich plötzlich in diese Insel verliebt." In Deutschland war Carmen Herbold vor Jahren Meisterin im Speed-Surfen. Jetzt lebt sie hier und arbeitet bei einem Reiseveranstalter.

Ein Meer in der Farbe von geschliffenem Türkis, insgesamt 55 Kilometer weiße Strände (davon allein im Süden, auf der Halbinsel Jandía, gut 27 Kilometer am Stück), die ausdauernd wehenden Passatwinde - allein der Name Fuerteventura führt bei Surf-Fans zu Kribbeln im Bauch. Und die kommen aus dem gleichen Grund, aus dem auch die Katamaran-Freaks kommen oder die Tauch-Fanatiker: weil die Insel sie nicht warten läßt. Irgendwo ist immer ein Strand, wo sie sich in Ruhe ihrer Sucht ergeben können. Und wenn im Juli am Sotavento die Finale im Windsurf-Weltcup stattfinden, ist da das Eldorado.

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