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Menorca kultiviert sein sprödes Image. Wer vom Flugplatz in Mahón, der Inselhauptstadt, einmal die 40 Kilometer zur zweitgrößten Stadt Ciutadella am andern Inselende gefahren ist, sieht sofort, was hier so anders ist: Die Insel ist noch nicht völlig abhängig vom Tourismus. Ganz Menorca ist ein Biosphärenreservat. Die UNESCO attestierte 1993: Hier ist das Verhältnis von Mensch und Natur noch in Ordnung. 60000 Einwohner halten 30000 Kühe. Das Menorca-Pferd ist als Zuchtrasse anerkannt. Und den Menorca-Käse isst ganz Spanien.
Das Land gehört Großgrundbesitzern, und die schließen abends die Privatwege, die zu den schönsten Buchten führen. Und nehmen Eintritt, wenn sie morgens um zehn wieder öffnen. Leihwagen sind teuer - sie werden extra zur Saison auf die Insel gebracht und danach wieder zurück. Auch das Hotelpersonal stammt vom Festland - Menorquiner bedienen nicht so gern. Im Inselinnern: stolze Landsitze mit bröckelndem Stuck haben lange Zufahrten, Freitreppen und eiserne Tore.
Die beiden Städte im Osten und im Westen bilden eine Art Klammer zum Verständnis der Insel: Mahon, während der 100jährigen englischen Kolonialzeit bevorzugt, modern und weltoffen, und Ciutadella, die alte Hauptstadt, traditionsbewusst, jeder blankgetretene Straßenstein historisch. Die maurisch-spanische Architektur birgt jede Menge Patriotismus. Wenn Anfang Juni das alljährliche Reiterfest zwischen Kathedrale und Stadtpalästen tobt, lassen die Menorquiner den feurigen Spanier aus sich heraus.
Menorcas Bewohner sind immer eigene Wege gegangen. Die kleine Insel war zum Beispiel die einzige, die sich im spanischen Bürgerkrieg auf die Seite der Republikaner schlug. Der Diktator Franco hat Menorca dafür benachteiligt. Auch deshalb kam der Tourismus hier langsamer, später und vorsichtiger. Das ist jetzt Menorcas Plus. Eine intakter Mikrokosmos, dem jeder sich nähern kann, wie er will. Da gibt es magische Orte wie die 3000 Jahre alten monolithischen Kultstätten, deren Sinn bis heute nicht ganz enträtselt werden konnte. Oder einsame Wege, die über Felskämme zu den Hintereingängen verborgener Buchten führen. Die inneren Inselorte locken mit zauberhaften Gartenlokalen.











