Sternstunden im Baskenland

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In aller Ruhe genießen: Dorfplatz in Ispaster

In aller Ruhe genießen: Dorfplatz in Ispaster

Wir spazieren ein bisschen herum, vorbei an üppig blühenden Bauerngärten, durch kleine Buchenwälder, über Sommerwiesen, durch die sanft der Wind weht. Nach anderthalb Stunden haben wir jeden Dorfbewohner zweimal begrüßt. Eine Einladung zum Txakoli müssen wir ausschlagen, wir wollen heute noch weiter ins Landesinnere, in die Provinz Álava, um unser Baskenlandmenü um eine Facette zu erweitern: Rot- statt Weißwein. Ein Zipfel des Rioja-Anbaugebietes ragt bis ins Baskenland hinein. Die Sierra Cantabria schützt Reben und Bewohner vor den kühlen Küstenwinden. Bis zum Horizont, weit auf der anderen Seite des Ebro, ziehen sich die Weinfelder.

Weinprobe auf dem Gut Remelluri bei Labastida

Weinprobe auf dem Gut Remelluri bei Labastida

Dazwischen Olivenhaine, Weiler und Kalksteinbuckel mit mittelalterlichen Städtchen obendrauf. Ana Amillano steht vor dem "Palacio de Samaniego", einem restaurierten Palais aus dem 17. Jahrhundert. Eigentlich ist die schlanke dunkelhaarige Frau aus Pamplona Schauspielerin, wegen eines kaputten Rückens musste sie ihre Bühnenkarriere aufgeben. Also zog sie mit ihrem Mann Jon in das 300-Seelen-Dorf Samaniego, "um das zu tun, was ich am zweitliebsten mache - Freunde und Familie bewirten". Das heruntergekommene Pfarrhaus verwandelte sie in ein charmantes Hotel, Jon übernahm die Küche und offeriert ausgefeilte Menüs. Die Hotellobby wird ganz selbstverständlich als Dorfkneipe mitgenutzt. In Gummistiefeln und Karohemden stehen die Bauern aus der Umgebung am Tresen und schwenken ihr Weinglas, so beiläufig, als sei der gläserne Stiel zwischen Zeige- und Mittelfinger angewachsen.

Ana hat zur Weinprobe geladen, getestet wird der letzte Jahrgang des "Trasnocho", das Paradestück des Winzers von gegenüber: ein vollmundiger Rotwein, bei dem die Trauben mit Hilfe von Wassersäcken ganz sanft über Nacht ausgepresst werden. Zeit und Fingerspitzengefühl braucht es dafür, was die Flasche nicht ganz billig macht, den Winzer aber umso stolzer. "Um so einen Wein zu machen, musst du das Land und die Erde lieben", sagt Fernando Remirez de Ganuza und grinst, weil er genau weiß, dass das gut klingt - und weil er sieht, wie unser Blick mit jedem Schluck kleiner wird, unsere Arme und Beine schwerer. Eine Flasche Trasnocho schenkt uns Fernando noch, "trinkt auf die Freundschaft und das Leben". Das tun wir doch gern. Jetzt gleich.

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  • BRIGITTE Heft 13/08:
    Text: Julia Macher
    Fotos: Jens Schwarz, Thomas Neckermann
    Produktion: Nicole Müller-Reymann
    Styling: Tanja Trific
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