New York: Einsatz in Manhattan

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Ein mysteriöser Blinder, der der Gruppe ihre nächste Aufgabe stellt.

Ein mysteriöser Blinder, der der Gruppe ihre nächste Aufgabe stellt.

Chinatown ist mit seinen 300 000 Einwohnern noch immer die größte Ansiedlung von Chinesen außerhalb ihres eigenen Landes. Frauen sitzen auf Klapphockern auf dem Gehweg und reden aufgeregt miteinandner, Männer spielen Schach und spucken den Passanten vor die Füße. Wir gehen vorbei an Friseurläden, wo der Haarschnitt noch fünf Dollar kostet, an Bäckereien, in denen es kein Brot, sondern süße chinesische Kuchen gibt, an vollgestopften Läden mit Schirmen und Schmuck, Ständen mit getrockneten Austern, Pilzen, Ginseng. In den Becken eines Ladens liegen kleine Schlangen und Schildkröten neben aufgeschlitzten Fischköpfen, auf der anderen Straßenseite hängen geröstete Entenschnäbel im Fenster. Und wir haben plötzlich ein echtes Problem: Unsere aktuelle Botschaft, versteckt in einem Glückskeks, ist auf Chinesisch. Merit läuft auf eine alte Chinesin zu und zeigt ihr den Zettel. Sie versteht ihn - wir aber leider ihre Übersetzung nicht. Drei junge Chinesen, die dazukommen, sprechen zwar besseres Englisch, aber nur lückenhaft Chinesisch. Wir schaffen es schließlich in einer Art Dreieckskonferenz aus Englisch, Chinesisch und Zeichensprache.

Genau aus diesem Grund entschieden sich die damalige Therapeutin Betsy Salamon und ihr Bruder Tom vor zwei Jahren, "Accomplice" in downtown Manhattan stattfinden zu lassen:
Hier treffen unterschiedliche Nationalitäten in ganz verschiedenen Vierteln aufeinander. Das bedeutet: Spannung. Außerdem können selbst New Yorker ihre Stadt hier neu entdecken, und Touristen lernen Gegenden kennen, die abseits von Times Square und Empire State Building liegen. Und: Man hat keine Probleme, skurrile Dinge wie einen Frosch zu beschaffen. Ja, einen Frosch. Den hat jetzt Maria aus Berlin in einem Beutel in der Hand, denn das war die übersetzte Botschaft: Kauft einen Frosch! Zum Glück schwimmen die Amphibien zu hunderten in Eimern vor den Fischläden von Chinatown herum. Einer der Händler in der Mulberry Street hat uns das Tier praktisch entgegengeworfen, als er unsere Baseballkappen sah. "Los", ruft Madeleine, "wir müssen den Frosch mit dem nächsten Ticket loswerden!" Dass wir eigentlich nur harmlose Teilnehmer einer Stadtführung sind, haben wir mittlerweile vor lauter Enthusiasmus irgendwie vergessen.

In der Broome Street, mitten vor einer thailändisch- katholischen Kirche, übergeben wir Frosch und Ticket an einen als Bauarbeiter getarnten weiteren Kumpel von Louie. Von ihm werden wir nach Little Italy geschickt. Wir überqueren die stark befahrene Canal Street. Und nachdem wir in einem Restaurant, das an eine Kulisse aus "Der Pate" erinnert, einen russischen Gangster kennen gelernt, unser letztes Ticket übergeben haben und durch "Nolita" (North of Little Italy) mit seinen exklusiven Geschäften gerannt sind, steigt der Showdown in einer Keller-Lounge. In den Hauptrollen: Bunny, Geliebte des Bandenchefs, ein zwielichtiger Typ mit Pferdeschwanz, ein Kellner, ein Polizist und wir. Wer da nun allerdings Komplize von wem ist, ob jemand verhaftet wird und was wir mit all dem zu tun haben, behalte ich für mich. Sonst bekomme ich doch noch Ärger mit Louie . . .

Krimi-Tour buchen - so geht's

Anmeldungen unter Tel. 001/212/209 33 70 oder im Internet auf www.accomplicenewyork.com. Eine Tour dauert ungefähr drei Stunden, Preis pro Person ca. 37,50 Euro. Unbedingt rechtzeitig reservieren - die Touren sind mehrere Wochen im Voraus ausgebucht.

  • BRIGITTE Heft 04/08
    Text: Annett Heide
    Fotos: Katja Heinemann
BRIGITTE
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