Rom für Kinder, Spaß für alle!

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"Noch einen Orangensaft, bitte!": Fred vor einem Teller frischer Pasta

"Noch einen Orangensaft, bitte!": Fred vor einem Teller frischer Pasta

Immerhin, der Sturm fegt den Himmel sauber, und endlich ist er so, wie er sich für Rom gehört: azurblau. Wir stromern durch schmale Gassen, vorbei an Stuckateuren und Wäschereien, die sich in den Bäuchen ockerfarbener Palazzi verstecken. Auf dem Markt am Campo de' Fiori riecht es nach frisch gebackenem Brot und Diesel. Mit Gemüsekisten beladene Apes knattern herbei, Männer in dunklen Anzügen lesen die Zeitung im Stehen, während andere ihnen die Schuhe polieren. Marktfrauen putzen Puntarelle, die beliebte römische Chicoréesorte, auf den Ständen türmen sich Zucchiniblüten, Artischocken, Erdbeeren aus Terracina und weiße Zwiebeln aus Marino.

Fred erobert nicht nur die Stadt mit links, sondern auch die Herzen der Pantomimen, die auf den prächtigen Plätzen stehen. Vor dem Trevi-Brunnen blinzelt ihm eine ansonsten reglose Freiheitsstatue freundlich zu, auf der Piazza del Popolo flirtet er mit der goldenen Sphinx, und mit dem Pinocchio auf der Piazza Navona ist es Amore auf den ersten Blick: Als der langnasige Kerl sich zu Fred runterbeugt und ihm die Hand reicht, küsst der ihn sanft auf die Nasenspitze.

Auf dem Weg zur Spanischen Treppe entdecken wir einen Klostergarten. Siesta! Ich lege mich rücklings auf die Bank neben den Brunnen und beobachte die Möwen, die durch das Blau über mir segeln - Boten des nahen Mittelmeers. Fred schüttelt Zitronen von den Bäumen, Davide und Carlotta gesellen sich dazu, zu dritt balancieren sie auf dem Brunnenrand. Kinder brauchen keine Spielplätze. Sie machen sich welche.

Nur von Siesta hält Fred nichts. Erst am Abend in der Trattoria, meist so gegen 20 Uhr, sagt er unvermittelt: "Ich will nach Hause." Dann legt er die Gabel weg, mit der er sich eben noch buttergelbe Pasta in den Mund geschaufelt hat, steht auf und geht. Da kann die liebe Mama noch so lange rufen, brüllen, schimpfen, dass sie sich eines Tages noch verlieren werden.

Unsere Streifzüge fordern ihren Tribut: Ein Rad des Buggys bricht. Ich binde es mit dem Kopfhörerkabel von der Stadtrundfahrt fest, das ich in meiner Tasche finde. Fünf Ecken weiter reißt das Rad ganz ab. Es ist trotzdem kein großes Problem, Fred zu schieben. Bei dieser Romreise lerne ich zwar nicht, wie dick die Mauern des Kolosseums sind, dafür alltagstaugliche Dinge wie diese: Ein Buggy hat acht Räder - sieben tun's aber auch.

Ich schiebe Fred zur Gelateria del Teatro, meiner Lieblingseisdiele - mir steht der Sinn nach Himbeereis mit Salbei. Wir dürfen Silvia dabei zusehen, wie sie Eis herstellt. "In Rom bekommen die Kinder schon mit sechs Monaten Eis", erzählt die junge Frau, während sie Bio- Zitronen auspresst. Sie grinst: "Das heißt, von ihren Vätern oft noch früher. Die flehen uns dann an: 'Aber nicht der Mama erzählen!'" Das erste Zitroneneis quillt aus der mannshohen Eismaschine. Silvia füllt zwei Waffeln und hält uns strahlend das Sorbet hin: "Wollt ihr probieren?" Fred, immer noch auf deutsches Industrie-Eis gepolt, macht keine Anstalten, das frischeste Eis des Planeten entgegenzunehmen. Regen, Durst, vereitelte Pläne - nichts hat ihm die Laune verderben können. Doch jetzt quakt er: "Das soll Eis sein?" und verzieht das Gesicht: "Das ist gar nicht schön, das sieht so matschig aus!"

  • Fotos: Annette Schreyer
    Text: Susanne Arndt
    ein Artikel aus der BRIGITTE 05/10
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