Traumstadt? Kapstadt!

Es muss einen Grund haben, warum so viele Mode-Shootings und Filmdrehs am südlichsten Zipfel Südafrikas stattfinden - dachte BRIGITTE-Redakteurin Nina Grygoriew. Auf ihrer Reise ans andere Ende der Welt entdeckte sie noch etliche mehr.

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Morgenstimmung am Strand von St. James: Hier gibt es ziemlich viele niedliche Holzbadehäuschen in Bunt - und ziemlich viel Sand pro Person

Morgenstimmung am Strand von St. James: Hier gibt es ziemlich viele niedliche Holzbadehäuschen in Bunt - und ziemlich viel Sand pro Person

Wahrscheinlich gibt es keine andere Stadt, die so schnell süchtig macht wie Kapstadt. Süchtig nach ihrer Stimmung, ihren Geräuschen, ihren Gerüchen, ihren Menschen, ihrem Licht. Was ich in der Millionen-Metropole am südlichsten Zipfel Südafrikas entdeckte, war so etwas wie stadtgewordene Lässigkeit.

Kapstadt ist eigentlich nicht nur eine einzige Stadt. Kapstadt kann Paris sein, ein paar Straßen daneben San Francisco und noch ein Stück weiter Rabat - so viele Gesichter haben die einzelnen Viertel, von Bo-Kaap bis Oranjezicht.

14 Jahre nach der Apartheid leben hier Weiße, Schwarze und Farbige, die sich friedlich tolerieren; dazu Auswanderer, die ein bisschen Europa oder Amerika mitgebracht haben. Und dann sind da noch die internationalen Filmteams, Werbeagenturen und Magazine, die in Kapstadt drehen und fotografieren - und die Hotels, Restaurants und die Strände bevölkern, die so weit und lang wie die von Miami sind.

Dementsprechend spannend ist es, in einer der vielen Strandbars zu sitzen. Den Tafelberg im Rücken, das Meer vor den Augen nimmt man den einen oder anderen Sundowner, die so angenehm leicht machen, beobachtet coole und schöne Menschen, ausnahmslos aus der Filmbranche oder auf dem Weg dorthin, und riecht dabei den Atlantik. Und wird ganz atemlos wegen dieses ganz besonderen Lichts, das die Sonne macht, wenn sie langsam vom Meer verschluckt wird.

Mindestens ebenso atemberaubend ist später das Nachtleben. In lauen Sommernächten lassen sich die Menschen treiben, besuchen ein Restaurant mit äthiopischer, indischer, italienischer oder malaiischer Küche oder eine der Bars, in denen man seine Drinks auf Hausdächern in hellblauem Licht oder violett getünchten Lounges trinkt.

Allein bleibt dabei niemand, "Nice to meet you" ist keine rhetorische Gesprächseröffnung. Wer ausgeht, will Menschen kennen lernen. Eben noch Fremde sitzen miteinander am Tisch - Einheimische, die direkt vom Job kommen, Urlauber, Models nach dem Dreh, Schauspieler vor ihrer ersten großen Rolle, Kapstädterinnen, die sich vom Shoppen erholen.

BRIGITTE-Redakteurin Nina Grygoriew

BRIGITTE-Redakteurin Nina Grygoriew

Noch so eine Besonderheit. Keine Shopping-Globalisierung in Kapstadt. Hier kauft man Mode von kleinen afrikanischen Labels; und vielleicht auch ein kleines Teilchen Haute Couture des südafrikanischen Fashion-Gurus Gavin Rajah. Der feiert große Erfolge in Paris und Mailand und bleibt trotzdem lieber hier: "Weil der Way of Life und die Atmosphäre in Kapstadt für meine Artbeit total inspirierend sind."

Und am Ende, da steigt man auf den Tafelberg. Steht oben, ist ein bisschen vom "Table Cloth" eingenebelt - der Wolkendecke, die ihn oft umgibt. Und denkt, dass zwölf Stunden Flug hierher ein echter Klacks sind. Klar, europäische Städte sind auch großartig und vor allem näher. Aber keine wickelt Besucher so gut um den Finger wie Kapstadt.

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  • Fotos: Melanie Dreysse
    Text: Nina Grygoriew
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 20/08