Serie Winterurlaub: Ab in den Schnee!

Tirol: Ab in den Tiefschnee!

Zum Skiurlaub gehören plattgewalzte Pisten, Sessellifte und Après Ski. Eigentlich. Die Alternative: Eine Hütte mit Doppelstockbetten, Socken am Kamin, Marschtee und Touren im Gelände. Macht das Spaß? BRIGITTE.de-Redakteurin Monika Herbst hat es ausprobiert.

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Einen Augenblick lang ist es still im Schulungsraum in der Heidelberger Hütte. Die Gesichter wirken nachdenklich, betroffen. Ein Teilnehmer bricht das Schweigen: "Dann machen wir heute eben einen Hüttentag", sagt er. Die Spannung löst sich. Vereinzeltes Lachen. Doch in der Hütte will ganz bestimmt niemand bleiben.

Draußen warten die Berge der Silvretta, drinnen liegen Skier, Felle und Steigeisen bereit. Eine Stunde lang sind wir mit dem Pistenbully von Ischgl aus zur Heidelberger Hütte gefahren, in die Schweiz, etwa zwei Kilometer hinter der österreichischen Grenze. Die Hütte liegt auf 2246 Meter, beim Blick aus dem Fenster sieht man nur Berge und Schnee. Um uns herum liegen die Gipfel des Piz Davo Sasse (2792), des Piz da Val Gronda (2812) und der Lareinfernerspitze (3009).

Neun Teilnehmer haben sich für den kombinierten Tiefschnee- und Skitouren-Kurs in der Heidelberger Hütte angemeldet. Wahrscheinlich geht es ihnen wie mir: Sie wollen weg von der planierten Piste, rein ins Gelände. Sie träumen von unberührten Tiefschnee-Hängen, die sie als erste runterfahren.

Dass dieser Traum nicht ganz ungefährlich ist, hat uns Bergführer Bernhard (47) gerade klar gemacht. Morgens, noch bevor wir zur ersten Tour aufbrechen, steht Lawinenkunde auf dem Programm. Verdrängen geht nicht. Er malt ein Strichmännchen an die Tafel. Ein Verschütteter. Um ihn herum malt er Kreise, elektromagnetische Wellen, die das Lawinensuchgerät aussendet. Die Suche nach dem Verschütteten muss schnell gehen: "Nach ein bis zwei Minuten im Schnee wird man meistens bewusstlos, nach fünf Minuten gibt es bleibende Schäden, nach fünfzehn Minuten ist man tot", erklärt der Bergführer. Wir schlucken. Und wir beeilen uns, als wir draußen nach dem Gerät suchen, das Bernhard in den Schnee geworfen hat. Zur Übung. Wir brauchen mehrere Minuten, bis wir den Piepser gefunden haben – und wissen, was bis dahin mit dem Verschütteten passiert wäre.

An diesem Tag wird Lawinenwarnstufe 3 gemeldet, das bedeutet erhebliche Lawinengefahr. Die höchste Warnstufe ist 5 (sehr große Lawinengefahr). Bei Stufe 3 können wir noch losziehen. Wir meiden steilere Hänge. Wo es nötig ist, halten wir Abstand zum Vordermann. Die Belastung auf dem Schnee ist dadurch geringer - und damit auch die Gefahr, ein Schneebrett loszutreten. Bernhard arbeitet seit über 25 Jahren als Bergführer. Er wird wissen, was er tut, beruhige ich mich. Jedes Jahr verbringt der Österreicher mehrere Wochen auf der Heidelberger Hütte und ist in den umliegenden Bergen unterwegs.

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  • Text: Monika Herbst
    Fotos: privat
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