Es dauerte sieben Jahre, bis ich mich in die Stadt verliebte, in die ich zum Arbeiten gezogen war. Klar, ich akzeptierte ihre Schönheit; Hamburg unschön zu finden ist selbst für einen heimwehkranken Berliner unmöglich. Aber ich gehörte nicht hierher, und das änderte sich erst, als ich mich an einem Sommermorgen aus meiner Wohnung aussperrte.
Was, hier wohne ich? Wer seine Stadt mit den Augen eines Urlaubers sieht, entdeckt sie neu. Und entdeckt in Baurs Park in Blankenese eine Liegewiese
Ich hatte mir einen Tag Urlaub genommen, um endlich die Steuererklärung zu machen, mich aber schon am Morgen auf dem Weg zum Bäcker ausgesperrt. An meinen Ersatzschlüssel würde ich erst am Abend kommen, der Schlüsseldienst war mir zu teuer. Ich stand vorm Haus, die Sonne schien mir aufs Haupt, die Platanen rauschten, und wie von selbst fing ich an, einen Spaziergang durch Ottensen zu machen. Ottensen ist die hiesige Miniatur-Version von Prenzlauer Berg: niedriger bebaut, schmalere Bürgersteige, aber ähnlich viele Kinder, Touristen, Pornobrillen, Tagediebe, die gleiche seltsame Mischung aus billig und teuer; und Latte macchiato an jeder Ecke. Die Bürgersteige sind schmal, aber alle stellen Stühle und Bänke raus. Nach ein paar hundert Metern wurde mir klar: Ich hatte Hamburg nicht verstanden. Ich hatte die Stadt von innen betrachtet, dabei ist Hamburg eine Draußenstadt.
Wenn man Richtung Osten durch Ottensen läuft, ist rechts immer die Elbe, man könnte jederzeit abbiegen und wäre in zehn Minuten am Fluss. Der schönste Ort heißt Altonaer Balkon – so, als wäre die ganze Stadt eine Wohnung, als brauchte man gar kein Drinnen. Vom Balkon aus, einer Balustrade am Parkrand, blickt man aus fünfzig Meter Höhe auf den Containerhafen, viele Kräne, die brachial-elegante Köhlbrandbrücke und bis zu den Harburger Bergen. Mehr Blick bietet keine andere Stadt. Ab und zu schiebt sich ein absurd großes Containerschiff durchs Bild, als wäre es das Normalste der Welt.













