Rundreise
Urlaub in Wales: My Bulli is My Castle

Was wollen zwei Freundinnen, die zusammen Urlaub machen? Schöne Gefühle, schöne Landschaften, schöne Männer. Wer im Retro-VW-Bus durch Wales fährt, kriegt alles!

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Best of Urlaubsgefährt(in): Bulli-Dame Flo bringt Susanne und Anna an die schönsten Orte in Wales – zum Beispiel auf den Campingplatz Cae Du direkt an die Kliffkante hoch über der Cardigan Bay

Best of Urlaubsgefährt(in): Bulli-Dame Flo bringt Susanne und Anna an die schönsten Orte in Wales – zum Beispiel auf den Campingplatz Cae Du direkt an die Kliffkante hoch über der Cardigan Bay

Ein Bulli hat vier Räder, logisch, aber jetzt sind da auch zwei Beine. Die Beine stecken in Jeans, und aus den Jeans ragt ein nackter Oberkörper. Keine üblen Bauchmuskeln. Neugierig linse ich unter unseren VW-Bus: Ach, Darren, du alter Süchtling, dachte ich es mir doch! Hatte dich vorhin schon bei Flo rumlungern sehen, als ich die Steilküste hinunterkam. Verlegen krabbelt Darren hervor: „Sorry, wollte nur gucken, ob alles original ist.“ Dass er früher selbst so einen Bulli hatte und total besessen davon war, hat der nette Engländer uns gestern schon erzählt, als wir auf dem Campingplatz eintrafen. Bereits jetzt wird klar: Flo ist ein Männermagnet. Bringt gut gebaute Exemplare dazu, sich halbnackt vor uns auf den Rücken zu legen – in vollkommen wehrloser Haltung.

Dabei hatten wir gar keinen Männermagneten gesucht, als wir das Netz nach Ferienideen durchkämmten, meine Freundin Anna und ich. Frei wollten wir uns endlich mal wieder fühlen, drauflosurlauben, bleiben und gehen, wann und wohin wir wollten – ein bisschen wie die Hippies, die in den 70ern mit ihren Bullis bis nach Indien gondelten. Bloß wohin, wenn man kein halbes Jahr zum Reisen hat? Nicht mal einen halben Monat?

Gang rein und einfach rollen lassen – zum Picknick am Bergsee Tal-y-Llyn. Und nicht vergessen: immer schön links bleiben!

Gang rein und einfach rollen lassen – zum Picknick am Bergsee Tal-y-Llyn. Und nicht vergessen: immer schön links bleiben!

Als Flo uns dann im Internet aus freundlichen Scheinwerferaugen anblickte, wussten wir: Diese rollende Retro-Ferienwohnung sollte es sein. Mit Flo – so nannte der VW-Bus-Vermieter seine Bulli-Dame liebevoll – wollten wir durch Wales fahren, durch samtgrüne Berge zu einsamen Stränden, mächtigen Märchenburgen und Menschen, die immer für ihre Freiheit gekämpft haben. Wir planten eine Tour durch die stolze Provinz Gwynedd im Nordwesten, wo die Leute noch „Os gwelwch yn dda“ – „Ja, bitte!“ sagen zu Welsh Tea am Nachmittag und „Dim diolch“ – „Nein, danke!“ zu Soja Latte Macchiato. Wo der von Artussagen umwobene Mount Snowdon in den Himmel ragt und die Halbinsel Llyn in die Irische See wie der Rüssel eines durstigen Elefanten.

Unsere erste gemeinsame Nacht verbringen wir auf einem „Caravan Park“ bei Welshpool. Flo sieht toll aus zwischen all den rentnerbeigefarbenen Wohnmobilen mit Plastikfenstern und Angebernamen wie „Crusader“ und „Conqueror“. Türkis wie das Meer, weiß wie die Brandung strahlt sie wie eine Lady von Welt. Von unseren männlichen Mit-Campern wird sie entsprechend begeistert aufgenommen: „Eine Schönheit!“, lobt Phil im Vorbeigehen. „Scharfer Bus!“, sagt Tom aus Manchester; und der knorrige Steve knufft mir den Ellenbogen in die Rippen und raunt mit konspirativem Unterton: „Ein Prachtstück, die Kleine!“

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  • Fotos: Anna Mutter
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