Obama-Town Chicago

Barack Obama wohnt jetzt im Weißen Haus - sein Stammfriseur, die Lieblingsdesignerin seiner Frau Michelle und ihre Nachbarn aber sind in seiner Heimat geblieben.

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Spiel der Formen: Wolkenkratzer spiegeln sich in der ellipsenförmigen Skulptur "Cloud Gate" des Künstlers Anish Kapoor im Millennium Park

Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist in der Stadt, er behindert den Verkehr. Um kurz nach elf an diesem sonnig-kalten Wintermorgen im Dezember geht wenig in Downtown Chicago und nichts mehr an der Kreuzung Clark Street und Jackson Boulevard: Die Polizei hat sie abgesperrt, es stauen sich Autos und Fußgänger, unter ihnen Kathleen Carpenter, eine fröhliche Lady, die eine rote Wollmütze trägt, unter der weißgraues Haar hervorguckt.

Mrs. Carpenter arbeitet für die "Chicago Architecture Foundation", ehrenamtlich. Sie ist an jenem Tag kurz vor Obamas Umzug nach Washington mit einer Gruppe Touristen aus Deutschland, Belgien und Mexiko unterwegs, um ihnen die Architektur der Stadt zu zeigen, die bislang Chicagos Hauptattraktion war. Doch sie kommt nicht weit. Vor ihr steht ein Cop, sein Kreuz so breit wie ein amerikanischer Kühlschrank, und lässt niemanden durch. "Geht Barack zum Lunch?", fragt Mrs. Carpenter. "Nein", antwortet der Cop, "Barack fährt ins Büro." Sie nennen ihn hier beim Vornamen, ihren Präsidenten, der seit mehr als 20 Jahren in Chicago zu Hause ist. Barack Obama ist an diesem Donnerstag auf dem Weg in sein "transition office", wo er die Amtsübergabe vorbereitet. Es befindet sich im Federal Building, Ecke Clark Street und Jackson Boulevard, "1964 von Mies van der Rohe fertiggestellt, dem großen deutschen Architekten", wie Mrs. Carpenter ihrer Gruppe erklärt. Aber die Gruppe hört ihr nicht mehr zu, sie ist zu sehr mit den Blaulichtern beschäftigt, die sich aus südlicher Richtung dem Gebäude nähern: Mr. Obamas Wagenkolonne.

Fünf schwarze Limousinen rauschen heran, vorbei an großen Bannern, die der Bürgermeister nach der Präsidentschaftswahl an den Straßenlaternen befestigen ließ und auf denen steht: "Congratulations Chicago's own Barack Obama ... " Chicagos Eigentum ist in Umrissen in der dritten Limousine zu erkennen, hinter getönten Scheiben: Mr. Obama liest Zeitung. Und Mrs. Carpenters Gruppe findet das alles sehr aufregend. "Obamaaaa!", kreischt eine Frau und: "Wow, ich hab ihn gesehen!", da ist seine Wagenkolonne schon in der Tiefgarage verschwunden.

Die Skyline mit dem Michigan-See im Hintergrund

Chicago hat eine Menge zu bieten, von der Skyline mit dem 442 Meter hohen Sears Tower bis zur "Green Mill", einem Klassiker unter den Jazz-Bars, wo einst Al Capone ein und aus ging - doch die Hauptattraktion dieser Stadt ist seit seiner Wahl zum Präsidenten Barack Obama. Auf ihn sind die Bewohner unendlich stolz, "We're so proud!", das hört man hier ständig.

Auch wenn sie ihn nun nach Washington D.C. ausleihen müssen - Barack Obama wird hier am Lake Michigan allgegenwärtig bleiben. Erstmals in der Geschichte Amerikas kann die Stadt damit wuchern, Heimat des Präsidenten zu sein: In den Souvenir-Shops am Navy Pier gibt es T-Shirts mit Obama-Aufdruck, Obama-Spielkarten und sogar Obama-Grillsoßen zu kaufen. Und in den Schaufenstern auf der North Michigan Avenue, der "Magnificent Mile", Chicagos prächtiger Einkaufsmeile, stehen Obama-Pappaufsteller in Lebensgröße.

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  • Text: Ulrike von Bülow
    Fotos: www.iStockphoto.com
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 04/09
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