Obama-Town Chicago
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Eine neue Kampagne des Tourismusbüros wirbt mit den Worten: "Entdecken Sie die Stadt, die die Obamas genießen!" Die Metropole, mit knapp drei Millionen Einwohnern nach New York und Los Angeles die drittgrößte Stadt der USA, trug bisher den Beinamen "The Windy City" - wegen des Windes, der oft vom See her durch die Straßenschluchten pfeift. Aber auch wegen der aufgeblasenen Politiker, die der Legende nach nichts als heiße Luft von sich gaben.
Aber nun ist das hier "Obama City", und durch Chicago weht Euphorie: Das Stichwort "Barack" zaubert ein Lachen in jedes Gesicht, es ist ein Vergnügen, durch seine Stadt zu spazieren, selbst bei Schneeregen. Die Menschen hier waren immer schon freundlich und offen - in diesem Winter wirken sie high vor Glück. Selbst Leute, die Obama nicht gewählt haben, weil sie seit Jahr und Tag Republikaner sind, sagen Sätze wie: "Er hat es verdient." Oder: "Er wird uns guttun."
Chicago verspricht sich einen Besucher-Boom von Mr. Obama - und noch ein bisschen mehr: Die Stadt hat sich als Austragungsort für die Olympischen Sommerspiele 2016 beworben. "Und es wäre verdammt cool, wenn Barack die Spiele zu uns holt", sagt Dee, ein Schwarzer, der nicht besonders viele Zähne im Mund hat und vor dem "Art Institute", dem berühmtesten Museum der Stadt, das Obdachlosen- Magazin "StreetWise" verkauft - auf dem Cover natürlich Mr. Obama. "Er wird uns nicht vergessen", sagt Dee. "Wenn jemand die Wirtschaft ankurbeln kann, dann er. Yeah!" Zahnloses Grinsen, dann erzählt Dee, dass er in der Wahlnacht am 4. November im Grant Park gewesen sei, wo Mr. Obama seine große Siegesrede hielt, und dass er in jener historischen Nacht "irre viel Geld" verdient habe.
Die Menschen hier waren in Geberlaune, als der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigen Staaten gewählt wurde - ihr Mann, der Senator aus Illinois! Die Stadt war plötzlich der Mittelpunkt der Welt, und etwas Besseres hätte ihr in Zeiten von Rezession und Rekord-Arbeitslosigkeit kaum passieren können.
Im "Spiaggia", einem feinen italienischen Restaurant mit gemütlichem Licht, ist nur noch ein Platz an der Bar frei, darüber hängen Lampen, die aussehen wie aufgeblasene Spiralnudeln. Die Kundschaft wurde ob der schlechten Zeiten weniger - bis Mr. Obama Mrs. Obama am Samstag nach der Wahl hierher ausführte, um zu feiern. Das war dann in so ziemlich jeder amerikanischen Zeitung zu lesen, und seitdem brummt es in dem Restaurant wieder.
"Chicago bekommt endlich die Aufmerksamkeit, die Chicago verdient", sagt Maria Pinto, 51. Und das Gleiche gilt natürlich auch für sie selbst. Maria Pinto ist eine schöne Frau mit dunkelbraunen Augen und dunkelbraunen Haaren, ihr italienischer Vater wanderte 1916 nach Chicago aus. Maria ist hier aufgewachsen und hat mit 13 angefangen, Kleider zu nähen. Sie ist Designerin geworden, und neuerdings zählt sie zu den Berühmtheiten Chicagos, denn wer trägt ihre Mode? Michelle Obama: "Sie ist meine Freundin", sagt Pinto ziemlich stolz. Ihre Kreationen waren lange nur in Edel-Kaufhäusern wie "Bergdorf Goodman" oder "Saks Fifth Avenue" erhältlich. Dann erschien ihre berühmte Freundin im vergangenen Februar auf dem Cover von "Newsweek", in einem ärmellosen hellblauen Satinkleid von Maria Pinto - und seitdem trägt diese das Etikett "Michelle Obamas Lieblingsdesignerin", und das hat sie ziemlich weit nach vorn gebracht. Im vergangenen Herbst eröffnete Pinto ihre erste eigene Boutique in Chicago, 135 North Jefferson Street. Die Wände in dem Laden sind anthrazitgrau, die Sessel aus Filz und lilafarben. Dazwischen hängen ihre klassisch-körperbetonten Cocktailkleider oder Abendroben, oben eng und schulterfrei, unten weit ausgestellt.











