Long Island: Abstecher von New York

Im Sommer flieht halb New York nach Osten, an die herrlichen Strände der Hamptons auf Long Island. Am besten, man kommt ihnen zuvor.

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In den Hamptons liegt das Geld auf der Straße. Genauer gesagt: auf dem Highway 27, zwischen East Hampton und Montauk. Mein Geld. Meine Brieftasche. Und der Fotoapparat. Und das Handy. Ich habe alles auf dem Autodach liegen lassen, als ich mir auf dem Parkplatz eine kurze Hose angezogen habe. Denn hier auf diesem schmalen Streifen Land im Atlantik, dem südlichen Finger von Long Island, schlägt das Wetter schnell um, und plötzlich ist Hochsommer, obwohl die Saison noch gar nicht angefangen hat. Ein paar hundert Meter nach Verlassen des Parkplatzes hat der Mietwagen genug Geschwindigkeit aufgenommen, um meine Habseligkeiten auf dem Asphalt zu verteilen.

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Es ist einer dieser Momente, die eine Reise in eine Katastrophe verwandeln können. Aber nicht in den Hamptons. Die Autos auf der Hauptverkehrsader der Insel halten, Männer in Shorts und Polohemden und Frauen in Vintage-Kleidern mit großen Blumendrucken steigen aus und bücken sich. "Wie hält Ihre Frau es aus mit Ihnen!", spottet eine ältere Dame, die einen von der Sonne ausgeblichenen Hillary-Clinton-Aufkleber auf ihrem Landrover hat. Niemand hupt. Und innerhalb von drei Minuten habe ich alles wieder, die Kreditkarten und jeden einzelnen der zehn druckfrischen 20-Dollar-Scheine, die ich heute morgen in East Hampton aus der Wand gezogen habe.

Die meisten Leute in den Hamptons sind so reich, dass es ihnen kaum in den Sinn käme, einen gefundenen Geldschein in der eigenen Tasche verschwinden zu lassen. Außerdem sind sie freundlich und entspannt, weil sie da sind, wo acht Millionen andere New Yorker jetzt in diesem Augenblick gern wären: am südöstlichen Ende von Long Island, bei schönstem Wetter.

Viel Platz beim Spaziergang am Strand

Long Island ist die große Nachbarinsel von Manhattan. Wenn man Queens hinter sich gelassen hat, kommen noch einige dutzend Meilen industrieller Wüste, und dann wird Long Island plötzlich richtig schön, wie eine etwas weltläufigere große Schwester unserer Nordseeinseln. Und wenn Long Island schön wird, ist man in den Hamptons. Die umfassen unter anderem die Orte Bridgehampton, Southampton, East Hampton und Amagansett, vier sehr hübsche alte Kleinstädte am Atlantik, die in den letzten dreißig Jahren Promi-Hotspots geworden sind, ein bisschen wie Kampen, Keitum und Morsum auf Sylt, nur ohne Reetdachhäuser, dafür mit weißen viktorianischen Villen. Das etwas bodenständigere Surferparadies Montauk gehört im weitesten Sinne auch zu den Hamptons, ebenso der elegante Yacht- und Fischereihafen Sag Harbor. Die Hamptons sind ein New-York-Mythos wie das Empire State Building und die Brooklyn Bridge, mit dem großen Unterschied, dass sie 150 Kilometer von diesen Sehenswürdigkeiten entfernt sind. Und weil New York im Sommer unerträglich ist, rettet sich, wer kann, in die Hamptons.

Eigentlich sind die Hamptons kein Ort für einen deutschen Touristen wie mich: zu exklusiv, und in Manhattan gibt es genug zu sehen. Aber ich habe zehn Tage New York gebucht und möchte außer Großstadt-Adrenalin etwas Seeluft tanken, einige der schönsten Strände und viele der reichsten Menschen der Ostküste sehen, und deshalb sind die Hamptons der ideale Wochenend-Ausflug. Vorausgesetzt, es ist nicht Saison. Die Saison geht vom letzten Montag im Mai (Memorial Day) bis zum ersten Montag im September (Labor Day).

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  • Text: Till Raether, Ulrike von Bülow
    Fotos: Naomi Harris, Corbis, AP Images
    Illustration: Katja Spitzer
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 09/09
Letzte Kommentare
  • 10954
    am 01.05.09 um 13:30
    Aha, jetzt wurde die Ueberschrift geaendert. Gestern stand da naemlich "Die Straende von New York". Da mutete es doch recht komisch an, dass die Straende z. B. in Brooklyn (Brighton Beach, Coney Island) gar nicht erst eine Erwaehnung wert waren. Wenn da keiner hin geht, wo kommen dann die ganzen Menschenmassen her, die sich dort regelmaessig tummeln im Sommer?? Und nicht jeder hat Lust, den halben Tag auf Anreise (von der City aus) zu verplempern. Aber wenn man die Ueberschrift gleich "Long Island" gemacht haette, haette ich mir den Kommentar von gestern gespart.
  • 10954
    am 30.04.09 um 13:09
    Och nee, gibt's noch einen Ort wo man sich vor Touristen fluechten kann??? Jetzt sollen sie sogar noch an die Straende gelockt werden? Geht's noch? Na ja, die staedtischen Straende sind wohl sicher. Die werden gar nicht erst angepriesen, wohl zu gewoehnlich fuer die Herrschaften. Gut so.
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