Wochenendtrips
13 tolle Tipps für Kurzreisen

4) Entschleunigung im Kloster: Mit Mönchen schweigen

Irgendwann ist es zur Endlosschleife geworden: das ewige Klagen über mein zu voll gestopftes Leben. Dann habe ich in einem Reiseführer gelesen, dass ein Kloster am Gardasee Gäste aufnimmt. Sofern sie Ruhe suchen und sich dem Klosterrhythmus anpassen. Genau das will ich. Das Eremo di San Giorgio liegt am Ostufer auf einem Berg, umgeben von Zypressen und Oliven. Ein wenig be- klommen ist mir, als das Taxi wieder abfährt. Ein schweigsamer Mönch führt mich zu meinem Zimmer. Es ist komplett schmucklos, mit einem Kruzifix an der Wand. Ich gehe nach draußen, sehe mich um, es duftet nach wilden Kräutern. Ich möchte jemandem sagen, dass ich diesen Duft liebe. Aber die Mönche, denen ich im Innenhof begegne, nicken freundlich und schweigen. Die Stille nagt an mir wie eine hungrige Maus. Am Anfang zumindest. Aber dann, ganz allmählich, lasse ich mich ein: stehe früh auf, um halb sechs, lausche den Predigten, den wunderschönen Gesängen der Mönche. Meditiere in meinem Zimmer, atme immer gelöster, bleibe bei mir, ohne dass tausend Gedanken wie eine verrückte Affenhorde durch meinen Kopf lärmen. Mein Leben ist langsamer geworden, jeden Tag ein Stückchen mehr. Ich schaue auf den Gardasee hinunter und bin überwältigt von dem Blick. Ich lerne, solche Momente auszukosten. Ohne mir überlegen zu müssen, wo ich heute Abend essen gehe, ob ich morgen eine Tour nach Verona, Vicenza oder Padua machen möchte. Wenig zu denken kann sehr entspannend sein.

Eremo di San Giorgio. Übernachtung mit Vollpension, keine festen Tarife, jeder gibt so viel er kann und will (I-37011 Bardolino/­ Verona, Tel. 00 39/045/721 13 90, Fax 622 86 44, www.eremosangiorgio.it).
Info: Allgemeine Tipps für Klosteraufenthalte unter www.kloster-aktuell.de
Lesen: "Der Klosterurlaubsführer" von Hanspeter Oschwald, mit Tipps und Adressen für ganz Europa (Herder Verlag, 12 Euro).

Franziska Wolffheim

5) Hallo, Murmeltiere! Den Sonnenaufgang sehen

Um 4.30 Uhr bringt uns die Luftseilbahn aufs Brienzer Rothorn (2350 Meter hoch) in der Schweiz, wo es Steinböcke, Murmeltiere und Kaffee geben soll. "Jedes halbwegs vernünftige Tier schläft um diese Zeit", murmele ich in die Vorfreude der anderen hinein. Während wir wie in einem Heißluftballon nach oben schweben, schälen sich gewaltige Berg-Umrisse wie wilde Tiere aus der Dunkelheit. Als wir oben ankommen, lässt die Sonne erste Strahlen über die Gipfel der Berner und Zentralschweizer Alpen blitzen. Das Licht ist atemberaubend. Wie können Steinböcke dabei schlafen?

Hinkommen: Anreise über Luzern. Die Luftseilbahn startet in Sörenberg. Termine für die Sonnenaufgangsfahrt 2012: 8., 15., 22., 29. Juli, 5., 12. und 19. August. Einfache Fahrt 15 Euro, mit Rückfahrt 22 Euro (Tel. 0041/41/ 488 21 21, www.soerenberg.ch).
Unterkommen: Skihütte und Alphotel Schwand. Mitten in der Unesco-Biosphäre Entlebuch. Im Restaurant unbedingt die Älplermagronen mit Apfelmus probieren! (CH-6174 Sörenberg, Tel. 488 11 39, www.schwand.ch).
Info: Schweiz Tourismus (60311 Frankfurt, Rossmarkt 23, Tel. 008 00/ 10 02 00 30, gratis, www.myswitzerland.com).

Lisa Schönemann

6) Nilgans im Stimmbruch: Naturparks entdecken

Seit mir im Herbst beim Waldspaziergang ein Hirsch über den Weg lief und mich einen magischen Moment lang ansah, bin ich angefixt: Ich will mehr Tiere in freier Wildbahn sehen! Deshalb bin ich in den dschungelartigen Rheinauen nördlich von Freiburg mit Ranger Alexander Schindler unterwegs. Seine Gruppenführung "Tiere im Visier" hält ihr Versprechen: Auf einer Insel steht ein Graureiher, starr wie eine Statue. "Da sind noch mehr Vögel", sagt Schindler, "schaut euch das Schilf mal genauer an." Hm. "Ich hab's", ruft ein Mädchen. "Da sind Vögel, die chillen!" Grünfüßige Teichhühner. Leicht zu merken.
Ob wir durch Auwald oder blühende Wiesen gehen, laufend lernen wir dazu: dass Wildschweine nach Maggi-Würze riechen; dass es Orchideen gibt, deren Blüten Hummeln gleichen; dass Kormorane stundenlang auf Baumskeletten sitzen, um ihr Gefieder zu trocknen. Wir entdecken Fasane, die im Sand ein Bad nehmen. Zuletzt hören wir vom Rand einer Feuchtwiese komische Geräusche, was ist das bloß? Ach so. Eine aufgeregte Nilgans. Sie klingt heiser, fast wie im Stimmbruch.

Touren: Das Naturzentrum Rheinauen in Rust (Allmendweg 5, Tel. 078 22/86 45 36, www.naturzentrum-rheinauen.de) organisiert Führungen und Bootstouren im Naturschutzgebiet Taubergießen. Anmelden!
Unterkommen: Gasthof Löwen. Familienfreundlicher Betrieb mit Restaurant. Radverleih im Ort. (Löwenstr. 6, 77966 Kappel Grafenhausen, Tel. 078 22/86 59 16, Fax 86 59 17, www.loewen-kappel.de).
Info: Eine Übersicht aller National- und Naturparks in Deutschland unter www.europarc-deutschland.de

Daniela Sommer

  • Texte: Barbara Schaefer, Susanne Arndt, Juditz Liere, Paula Roosen, Bernhard Lill

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