Coffee to go: Löffel für den Schaum

Vanessa Kullmann hat den Kaffee geholt. Für die Mitarbeiter einer New Yorker Event-Firma. Und die Idee des Coffee-to-go brachte sie mit zurück nach Deutschland und eröffnete vor mehr als fünf Jahren eröffnete ihren ersten Balzac-Shop. Jetzt betreibt die 31-jährige Hamburgerin 13 Läden mit 160 Mitarbeitern.

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Die Idee des Coffee-to-go hat Vanessa Kuhlmann vor fünf Jahren aus New York mitgebracht. Mit unglaublichem Erfolg: Inzwischen betreibt die 31-jährige Unternehmerin aus Hamburg 13 Balzac Coffee-Shops in Hamburg und Berlin. Und es werden immer mehr...

Brigitte.de: Was mögen Sie persönlich in Ihrem Angebot am liebsten?

Vanessa Kullmann: Alles - aber besonders gerne den Haselnuss Latte.

Brigitte.de: In jeder Stadt gibt es Coffee-to-go-Läden und neue Variationen der alten Bohne. Hat der Kaffee-Boom inzwischen seinen Höhepunkt überschritten?

Vanessa Kullmann: Ich sehe das nicht als kurzfristigen Trend oder Boom. Das ist ein Wandel des Lebensstils. Die Leute essen immer mehr außerhalb, haben weniger Zeit, es wird mehr in die Hand genommen und zwischendurch gegessen - und das gilt eben auch für Kaffee.

Brigitte.de: Ist Coffee-to-go ein Stadtphänomen?

Vanessa Kullmann: Die meisten gesellschaftlichen Entwicklungen beginnen in der Stadt und wandern dann aufs Land. Genau so ist es auch mit dem Caffee-to-go. Es geht stetig und langsam hinaus aufs Land.

Vanessa Kullmann

Vanessa Kullmann

Brigitte.de: Gibt es überhaupt noch neue Kaffee-Produkte?

Vanessa Kullmann: Wir entwickeln permanent neue Produkte; zum Beispiel machen wir zum November drei Winterspecials. Einen Vanilla-Latte, das ist Caffe Latte mit Vanille, dazu kommt der Caffe Canella, das ist ein Latte mit Zimt, Schoko und Schokosahne. Als drittes machen wir einen Coconut Mocca, das wird ein Milchkaffee mit Kokosnuss und Schokolade. Die Kunden wollen auch immer was Neues, damit es nicht langweilig wird.

Brigitte.de: Warum haben Caffe Latte, Laccino und Co das gute alte Kännchen Kaffee überrollt?

Vanessa Kullmann: Das liegt an den Assoziationen, die man damit hat. Ein Kännchen Kaffee, das ist einfach verstaubt und unflexibel. Es gibt nur eine Variante und keine Vielfalt. Wenn man heute erfolgreich sein will, muss man sich spezialisieren und eine große Bandbreite anbieten. Wir sind flexibel und machen das.

Brigitte.de: Kommt der klassische deutsche Kaffee wieder?

Vanessa Kullmann: Ich würde mich nicht am Kännchen Kaffee festhalten. Bei uns gibt es Pappbecher zum selber abholen und mitnehmen. Vielleicht denke ich in fünf Jahren noch einmal darüber nach.

Brigitte.de: Wird das Glas Leitungswasser zum Kaffee bald überall in Deutschland zur Selbstverständlichkeit gehören?

Vanessa Kullmann: Es hat sich schon durchgesetzt. Bei uns kann man es sich selber holen, wenn man es haben will, und auch sonst ist es in den meisten Kaffees üblich geworden, ein Glas Leitungswasser dazu zu bekommen.

Brigitte.de: Hat der Coffee-Shop-Boom die deutschen Trinkgewohnheiten komplett über den Haufen geworfen oder gibt es Rituale, die einfach drin sind?

Vanessa Kullmann: Eine Sache ist typisch: Die Deutschen löffeln gerne ihren Schaum. Eine schöne Angewohnheit, wie ich finde. Bei uns gibt es darum auch Löffel und nicht nur die Holzstäbchen zum Umrühren wie in den USA.

Brigitte.de: Gibt es noch mehr Gründe für den Namen Balzac als nur die Tatsache, dass er ein passionierter Kaffeetrinker war?

Vanessa Kullmann: Ja, ich wollte die US-amerikanische Idee nicht einfach nur übernehmen, und das spiegelt sich im Namen wieder. Caffe Latte ist italienisch, Balzac war Franzose, es ist eine amerikanische Idee in Deutschland. Multikulturell eben.

Brigitte.de: Hätten Sie sich Ihr Leben vor zehn Jahren so vorgestellt, oder hat Balzac Ihre persönliche Lebensplanung total verändert?

Vanessa Kullmann: Balzac hat meine Lebensplanung auf jeden Fall geändert. Ich wollte eigentlich Modedesignerin werden. Dass ich mal in der Gastronomie landen würde, hätte ich nie gedacht.

  • Artikel vom 23.10.2003
  • Die Fragen stellte Christoph M. Schwarzer
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