Lea Linster
Festtagssuppe - köstlich mit Rind und Huhn
Ich weiß, es klingt herzlos - aber als Kind habe ich mich immer gefreut, wenn jemand aus dem Dorf gestorben ist. Denn ein Begräbnis bedeutete ein unerwartetes Festessen mitten in der Woche. Zum Leichenschmaus ging man in eines der drei Cafés, die es in Frisange gab - und eines gehörte meinen Eltern. Ich war immer glücklich, wenn der Leichenschmaus bei uns stattfand. Es war sehr aufregend. Den ganzen Tag herrschte Hektik. Das Essen musste schon um 18 Uhr auf dem Tisch stehen, obwohl es sich meist bis Mitternacht hinzog.
Die Feier begann ruhig und respektvoll und endete stets mit einem fröhlichen Besäufnis. Denn damit das traditionelle Fünf-Gänge-Menü nicht so schwer im Magen lag, waren Verdauungsschnäpschen zum Kaffee unerlässlich -"Pousse-Café" genannt. Das Menü war immer gleich. Es gab Festtagssuppe, Königinpastete, Tafelspitz, dünn aufgeschnittenen Schinken mit Blattsalat "Mimosa", Kuchen, Kaffee, Pousse-Café.
Der erste Gang war der wichtigste, die Festtagssuppe. "Kirmessuppe" nannte man sie in Luxemburg. Wenn die Festtagssuppe gut schmeckte, konnte man sich auch auf die folgenden Gänge freuen, denn die hingen alle von ihr ab: In der Brühe wurde das Suppenhuhn gegart, das die Füllung für den "Bouchée à la Reine" ergab, den "königlichen Happen", wie die Königinpastete bei uns heißt. Und auch das Rindfleisch für den Hauptgang wurde in der Festtagssuppe gekocht. Es ist genau dieser Zusammenklang zweier Fleischsorten, der die Festtagssuppe so wunderbar aromatisch macht - der herbe, kräftige Geschmack vom Rind und der feine, etwas süßliche vom Huhn.
Das Rezept für die Festtagssuppe ist ganz einfach. Die Poularde und das Rindfleisch (pro Person rechnet man etwa je 200 Gramm) mit kaltem Wasser in einem großen Topf aufsetzen, zum Kochen bringen und abschäumen.
Jetzt erst das Gemüse hineingeben: Karotten für die Süße, Sellerie für die Würze, ein "Bouquet garni" (glatte Petersilie mit Stängel, frischer Thymian, Liebstöckel, Porree, ein Lorbeerblatt) für den runden Geschmack, etwas Meersalz und ein paar Pfefferkörner. Und, nicht zu vergessen, ein paar dicke, halbierte Zwiebeln, die man erst in einer Eisenpfanne brät, bis sie schwarz werden - das ist gut für Farbe und Aroma der Festtagssuppe.
Ich gebe auch immer eine mit Nelken gespickte Zwiebel dazu und ein paar geviertelte Tomaten. Damit alles schön bindet, lasse ich pro Liter Festtagssuppe etwa 30 Gramm Sago mitkochen, bis die Perlen glasig sind. Das Huhn nach ungefähr einer Stunde aus der Festtagssuppe nehmen und abkühlen lassen.













