Wegwerfgesellschaft

Mülltrennung und Recycling: Was Sie wissen müssen

Wir trennen und sammeln wie die Weltmeister. Doch ist die Müll-Manie wirklich sinnvoll? Die wichtigsten Fakten über Mülltrennung und Recycling.

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Foto: oppermann/Fotolia.com

Wir Deutschen sind Erfinder und Weltmeister der Mülltrennung. Das im Jahr 1991 gegründete "Duale System Deutschland" gilt weltweit als Vorbild. Bei einer Umfrage nannten 65 Prozent der Befragten die Mülltrennung als ihren "wichtigsten Beitrag zum Umweltschutz," erst an zweiter Stelle folgte "Energiesparen" mit 26 Prozent. Doch wie sinnvoll ist das Sammeln wirklich? Und was ist sonst noch wichtig beim Thema Müll?

Was hat sich in den letzten Jahren geändert?

Seit der Diskussion in den 80er Jahren um gigantische Müllberge, stinkende Deponien und Dioxin aus Müllverbrennungsanlagen hat sich bei der Entsorgung viel verbessert. Müll gehört hierzulande - anders als in Schwellen- und Entwicklungsländern - nicht mehr zu den ganz großen Umweltproblemen. Ein Großteil der ehemals 50 000 Mülldeponien wurde geschlossen, unbehandelter Abfall darf dort gar nicht mehr entsorgt werden. Die Müllverbrennungsanlagen, früher regelrechte Giftschleudern, haben heute dank Filtersystemen und Rauchgaswäsche weniger Emissionen als ein normales Kraftwerk. Viele Müllöfen erzeugen Strom oder sind an Fernwärmesysteme angeschlossen. Der Müll wird also nicht nur vernichtet, sondern die entstehende Energie sinnvoll genutzt. Je knapper und teurer Erdöl wird, ums begehrter wird Müll als Brennstoff werden; die Nutzung spart Primärenergie und damit CO2-Emissionen, wie das Umweltbundesamt betont. Energieintensive Unternehmen wie Zementwerke bauen eigene Verbrennungsanlagen, um die Müllenergie direkt zu verwenden. Ebenso gilt: Je knapper Rohstoffe wie Metalle oder Holz in Zukunft werden, umso lohnender wird Verwertung und Recycling. Zurzeit sind bereits 250.000 Menschen in Deutschland in der Müllbranche beschäftigt, der Umsatz liegt bei 50 Milliarden Euro.

Was passiert mit meinem Müll?

Unsortierter Hausmüll aus der "grauen" Tonne wandert zum größten Teil in die Müllverbrennungsanlagen. Zuvor werden wertvolle Stoffe wie Metalle in Sortieranlagen herausgezogen und wiederverwertet. Ganz ähnlich wird der Abfall aus "Gelber Tonne" oder "Gelbem Sack" behandelt. Der Inhalt geht in eine der rund ein Dutzend Sortieranlagen, wo der Müll mit Hilfe hochmoderner Technik (z.B. Infrarotkameras) in die einzelnen Fraktionen getrennt werden kann. Tatsächlich eignet sich nur ein Teil zum Recycling: Aus sortenreinem Kunststoff kann Granulat hergestellt werden, das dann zum Beispiel zu Eimern, Folien oder Fleece-Pullovern verarbeitet wird. Der Rest geht in die Müllverbrennung - Polyethylen hat fast den gleichen Brennwert wie Erdöl.

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  • Text: Beate Koma
    Foto: Mauritius