Häkeln für die Kunst

Die Schweizerinnen Regula Michell und Meret Wandeler arbeiten seit vier Jahren an einem meterlangen rosaroten Häkel-Objekt. Warum nur?

  • 0 Kommentare
  •  
  •  

Regula Michell und Meret Wandeler häkeln sich durchs Leben. Einmal im Monat treffen sich die beiden Künstlerinnen zu zweit oder mit Gästen, um in einem privaten oder öffentlichen Raum gemeinsam an ihrem rosaroten Objekt zu häkeln. Im Dezember 2006 saßen sie am Paradeplatz in Zürich vor einem Weihnachtsbaum. Im Juni 2008 ließen sie sich zwischen wehenden Länderflaggen, grölenden Fussballanhängern und Polizeischutz auf einer Bank an der Züricher Fanmeile der Fussballeuropameisterschaft nieder. Sie häkeln am Bahnhof, im Schwimmbad, in Schulen oder Einkaufszentren. Zehn Jahre lang soll die Häkelei dauern, von 2004 bis 2014.

Häkel-Performance im Züricher Geburtshaus

Foto: Regula Michell, Meret Wandeler

Die Arbeit an ihrem Häkel-Objekt ist nicht nur gesellige Handarbeit - sie ist auch immer eine Performance. Die dort stattfinden kann, wo das Leben beginnt - wie im September 2008 in einem Züricher Geburtshaus, kurz nach der Geburt des Kindes von einer Freundin der Künstlerinnen. Oder auch an Orten, die es heute gar nicht mehr gibt: Die kleine Insel auf dem Sihl, auf der es sich Regula Michell und Meret Wandeler im Sommer 2005 zum Häkeln gemütlich gemacht hatten, ist heute von Wasser überschwemmt. Umso wertvoller sind die Fotografien, die von Passanten oder Zuschauern gemacht werden, um jede Häkel-Aktion zu dokumentieren.

Häufig rufen die beiden häkelnden Damen mit dem monströsen rosa-roten Etwas bei den Passanten Irritationen hervor. Häkeln sie eine übergroße Decke, ein absurdes Hochzeitskleid oder für das Guinness-Buch der Rekorde? Es ist Teil des Projektes, die Grenze zwischen Kunst und dem Alltäglichen aufzulösen: "In der Schweiz sind die Menschen eher zurückhaltend, aber wenn wir im öffentlichen Raum häkeln, reagieren sie direkt. Sie zeigen spontane Begeisterung oder sind irritiert. Sie haben sofort eine Meinung. Das ist eine andere Situation, als wenn wir eine Performance in einer Galerie machen", erzählt Meret Wandeler.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  • Fotos: Regula Michell, Meret Wandeler
    Bassermann Verlag, (c) Falken Archiv
    Text: Sybille Warnking
Letzte Kommentare
  • Noch kein Kommentar vorhanden. Möchten Sie einen Kommentar schreiben? Das können Sie im Eingabefeld unten.
Kommentar schreiben
Wird nicht angezeigt.
Unter diesem Namen erscheint Ihr Kommentar
Bitte schreiben Sie den Sicherheitscode ab * Andere Zeichenfolge
noch 1000 Zeichen übrig!
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder, alle anderen sind optional.
BRIGITTE im ABO