Strickclubs
Eine Idee bekommt Beine: Wie aus einer BRIGITTE-Aktion ein Strickclub wurde

Im November 2008 riefen BRIGITTE und "Save the Children" dazu auf, Babymützen für Neugeborene in Entwicklungsländern zu stricken – 71.000 Mützchen kamen damals zusammen. In Eschwege ist aus der Aktion ein Strickclub entstanden.

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Bringen Farbe ins Einerlei: Ellen Schubert (li.), Initiatorin des Strickclubs, und Mitstricker

Bringen Farbe ins Einerlei: Ellen Schubert (li.), Initiatorin des Strickclubs, und Mitstricker

Die Babymützen-Aktion brachte in Eschwege einen Stein ins Rollen. Ellen Schubert, Lehrerin an der Waldorfschule, animierte ihre Schüler zum Mitstricken. Daraus erwuchs der generationenübergreifende Strickclub "Bestrickendes Eschwege", der es bis zur Documenta nach Kassel schaffte und Eschwege mit Strick-Graffiti verschönert.

Bestrickend: Buntes Baumtrio des Strickclubs "Bestrickendes Eschwege"

Bestrickend: Buntes Baumtrio des Strickclubs "Bestrickendes Eschwege"

BRIGITTE.de: Was passierte, als Sie in BRIGITTE über die Babymützen-Aktion lasen?

Ellen Schubert: Ich habe mit meinen Schülern angefangen, im Unterricht Babymützen zu stricken. Das Bereicherndste daran war: Wir saßen gemütlich im Kreis und kamen ins Gespräch, die Mützen waren eher ein Nebeneffekt. Zusätzlich habe ich zu einem Stricknachmittag an der Schule aufgerufen. Alle Generationen kamen: Schüler, Lehrer, Freunde, Großeltern. Das haben wir dann mehrmals wiederholt. Am Ende hatten wir 382 Mützchen für die BRIGITTE-Aktion beisammen.

BRIGITTE.de: Und als die Aktion vorbei war?

Ellen Schubert: ... waren wir erstmal enttäuscht. Wir strickten trotzdem weiter, nur wussten wir jetzt nicht mehr, wohin mit den Mützen. Das Krankenhaus wollte keine, aber das Magistrat Eschwege war schließlich bereit, unsere Werke in die Begrüßungspäckchen für neugeborene Babys zu packen.

Lohgerber in Pink: Die Skulptur erinnert an die Rolle Eschweges als ein Zentrum der Gerberei

Lohgerber in Pink: Die Skulptur erinnert an die Rolle Eschweges als ein Zentrum der Gerberei

BRIGITTE.de: Wie viele Kinder werden in Eschwege denn so geboren?

Ellen Schubert: Ungefähr 170 pro Jahr.

BRIGITTE.de: Und wie viele Leute machen beim Strickclub mit?

Ellen Schubert: Zwanzig sind aktiv dabei, ungefähr zehn kommen sporadisch, übrigens auch ein Mann und drei Jungs. Wir treffen uns einmal im Monat.

BRIGITTE.de: Wie kamen Ihre Werke schließlich auf die Straße?

Ellen Schubert: Wir haben an einem Wettbewerb teilgenommen, bei dem generationenübergreifende Projekte gesucht wurden. In diesem Zusammenhang hatten wir uns überlegt, gemeinsam den Bahnhof und das Parkhaus in Eschwege mit Strick-Graffiti zu verschönern, aber die Stadt lehnte ab. Wir durften dann aber die Lohgerber-Skulptur im Stadtzentrum bestricken. Wir haben ein richtiges Event mit Enthüllung draus gemacht, der Landrat war auch dabei. Es war toll zu sehen, wie die Augen der Passanten von den pinkfarbenen Verzierungen angezogen wurden. Wir haben dann auch noch ein Auto bestrickt und Bäume.

BRIGITTE.de: Während der Documenta sind Sie dann in Kassel mit einem "Strick-In" an die Öffentlichkeit gegangen ...

Ellen Schubert: Wir haben uns vor einen Buchladen gesetzt und gemeinsam an einer sozialen Skulptur gearbeitet, das war ein sternförmiges Objekt. Das Tolle war, dass Passanten spontan mitgestrickt haben. Es macht mir große Freude, Menschen zu erreichen, mit denen man sonst nie ins Gespräch kommen würde. Das erlebt man bei Strickaktionen häufig.

BRIGITTE.de: Ist der soziale Aspekt das Wichtigste beim Stricken?

Ellen Schubert: Ja, für mich schon.

Haben Sie Ähnliches erlebt?

Wir sind neugierig: War die BRIGITTE-Aktion bei Ihnen auch Initialzündung für einen Strickclub oder eine Handarbeits-Initiative? Dann schreiben Sie unten ins Kommentarfeld!

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  • Text: sar
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