Schön tiefgründig: die Narzisse

Sie ist der Inbegriff des Frühlings und der wiederkehrenden Kräfte der Natur. Sie steht aber auch für Eitelkeit und übersteigerte Selbstliebe.
Ein Pflanzenporträt von Anja Maubach, Inhaberin der Gärtnerei Arends Maubach in Wuppertal.

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Narzissen und ihre Geschichte

Die Narzisse gehört zur gleichen Familie wie die Amaryllis. Im 16. Jahrhundert betörten einige gelbe und weiße Pflanzen im östlichen Mittelmeerraum die Herzen großer Kalifen und sicherten sich so ihren Platz in den osmanischen Gärten. In Süd- und Nordeuropa hatte man das unkomplizierte Gewächs, das es in vielen Naturformen gab, bis dahin glatt übersehen. Der niederländische Botaniker Clusius brachte 1556 einige Zwiebeln von einer Reise in den Orient mit in seine Heimat, und Gärtner begannen jetzt damit, aus Wildformen Gartensorten zu züchten. Vor allem die Engländer widmeten sich dem Klassiker unter den Frühjahrsblühern. Die Narzisse avancierte sogar zur Nationalblume von Wales: Mit den so fröhlich wirkenden Blumen wird in Wales der 1. März gefeiert, der "Saint David's Day", der dem walisischen Schutzpatron gewidmet ist. An diesem Tag trägt Charles, der Prince of Wales, gern eine Narzissenblüte im Knopfloch.

Narzissen und die Mythologie

Der griechische Jüngling Narzissos, Sohn des Flussgottes Kephisos, verschmähte die schöne Nymphe Echo. Sie schwand vor Kummer dahin, so dass nur ihre Stimme übrig blieb. Für seine Herzlosigkeit bestrafte ihn Nemesis, die ausgleichende Gerechtigkeit, mit unstillbarer Liebe zu sich selbst, als er sein Spiegelbild in einer Quelle entdeckte. Narzissos wollte dem geliebten Wesen nahe sein und sank ins Wasser. Im Todesmoment verwandelten ihn die ihm wohl gesonnenen Götter in die schöne Blume, die heute seinen Namen trägt: die Narzisse.

Narzissen und ihre Besonderheiten

Narzissen pflanzt man am besten im Herbst, die Temperaturen sollten unter zwölf Grad liegen. Die Zwiebeln setzt man besser nicht ins Beet, wo sie von Spaten und Gartenkelle bedroht sind, sondern in den Rasen. Denn die zarten Wurzelfasern dürfen nicht verletzt werden, da Wunden oft Einladungen an pflanzenschwächende Pilze sind. Zum schönen Verwildern eignen sich besonders Wildarten wie Narcissus poeticus und Narcissus pseudonarcissus "February Gold". Das welkende Laub nach der Blüte sollte man als gutes Zeichen für noch mehr Narzissenblüten im darauf folgenden Frühling betrachten: Erst im Juni dürfen die Blätter gekappt werden, da die Pflanze sonst ihre Kraft verliert und es nicht schafft, Knospen für das darauf folgende Jahr anzulegen. Narzissenzwiebeln können mehrere Jahre ruhen, ohne auszutreiben und ohne Nahrung aufzunehmen. Vergessene Zwiebeln können also einfach bis zum nächsten Herbst aufbewahrt und dann gepflanzt werden.

Narzissen und andere Blumen

Narzissen sind typische florale Einzelgänger. Sie sondern einen Schleim ab, der auf eine ganze Reihe von Schnittblumen giftig wirkt bzw. die Kapillaren anderer Blumen verstopft, so dass sie kein Wasser mehr aufnehmen können und schnell verwelken. Deshalb sollte man Narzissen etwa 24 Stunden im Wasser ausschleimen lassen, bevor man sie mit anderen Blumen zusammenbringt. Inzwischen gibt es als Alternative "Narzissen-Chrysal", das die schädliche Wirkung des Schleims im Blumenwasser verhindern soll. Narzissen halten sich in der Vase ungefähr acht bis zwölf Tage.

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  • Text: Anja Maubach
    Fotos: Marion Nickig (8), Thomas Neckermann (5), Gary Rogers
    BRIGITTE Heft 08/2006
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