Leseprobe
Julia Karnick: "Ich glaube, der Fliesenleger ist tot!"

In ihrem neuen Buch "Ich glaube, der Fliesenleger ist tot!" beantwortet BRIGITTE-Kolumnistin Julia Karnick die Frage, mit welchen Katastrophen man rechnen muss, wenn man sein Leben freiwillig in eine Baustelle verwandelt und wie man diese überlebt.

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Lesen Sie hier einen Auszug aus "Ich glaube, der Fliesenleger ist tot!" (blanvalet)

"Ich glaube, der Fliesenleger ist tot!" Ein lustiges Baubuch

Drei Wochen vor dem Einzug erinnert mich Katja daran, dass wir uns dringend eine Gebäudereinigungsfirma suchen müssen, die die sogenannte Bauendreinigung übernimmt. "Das Haus muss ja noch mal richtig sauber gemacht werden, bevor ihr einzieht", sagt Katja. "Klar, aber kann das nicht unsere Reinemachefrau übernehmen?", will ich wissen. Katja kichert, mal wieder. "Nee", sagt sie, "ich glaube kaum, dass eure Putzfrau das übernehmen kann. Bauendreinigung bedeutet ja nicht, dass ein bisschen gesaugt und gewischt wird. Bei der Bauendreinigung werden alle Spuren beseitigt, die die verschiedenen Gewerke im Haus hinterlassen haben: Baustaub vom Fliesenschneiden oder Wände schleifen, Farbkleckse auf den Fensterrahmen oder dem Fußboden, Silikonspritzer auf Fenstern oder Waschbecken, Klebereste von Klebebändern. Da sollte man schon Profis beauftragen. Die wissen, mit welchen Mitteln man was wegbekommt, ohne dass Oberflächen beschädigt werden."

"Ach so", antworte ich. Drei Tage später habe ich eine Gebäudereinigungsfirma gefunden. Den Termin, an dem die Gebäudereiniger kommen und das Haus reinigen sollen, muss ich in den nächsten Tagen immer wieder verschieben, bis nur noch ein möglicher Termin bleibt: der Tag vor unserem Einzug. Dass ich den Termin immer wieder verschieben muss, liegt daran, dass sich der Zeitplan immer wieder verschiebt – selbstverständlich immer mehr Richtung Einzugstermin.

Der Fußboden wird eine Woche später verlegt als ursprünglich geplant, weil der Bodenleger Zweifel daran hat, dass der Estrich trocken genug, also "belegreif" ist, so der Fachausdruck. Weil die Küche, die Türzargen und Türen, die Bücherregale und die Einbauschränke erst eingebaut werden können, wenn der Fußboden verlegt worden ist, verschieben sich auch diese Arbeiten. Außerdem erkrankt der Malergeselle, der unser Haus fertig streichen soll, an Ehec. Es dauert ein paar Tage, bis sein Chef Ersatz für ihn organisiert hat. "Fürs Wetter und für Viren kann keiner was", sagt mein Mann.

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  • Der Text ist ein Auszug aus "Ich glaube, der Fliesenleger ist tot!" Ein lustiges Baubuch von Julia Karnick, Blanvalet, 352 Seiten, 19,99 Euro.
    Portraitfoto: Christina Körte
    Coverbild: blanvalet
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