Großstadtidylle auf Dänisch

Lässig, fröhlich und dabei verdammt gut aussehend: So sind ihre Mode, ihr Wohnstil und sie selbst. Ein Besuch bei Familie Bruun in Kopenhagen.

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Vollbremsung. Mit quietschenden Reifen hält das Fahrrad in der Stockholmsgade im Kopenhagener Stadtteil Østerbro. Bjørn Bruun entschuldigt sich für die fünfminütige Verspätung. Morgen ist ein Shooting mit dem internationalen Top-Model Carmen Kaas, darum die Hektik, erklärt er und knipst sein Jungenlächeln an. Das ist so umwerfend, dass man ihm auch eine halbe Stunde Verspätung verziehen hätte. Bjørn Bruun, 43, hat sein Geld früher als Model verdient. Heute führt er eines der erfolgreichsten Mode-Unternehmen Dänemarks: Seit der Gründung 1995 ist die Zahl der Mitarbeiter von "Bruuns Bazaar" auf rund 150 weltweit gestiegen, der Umsatz wird von dem Fachblatt "Textilwirtschaft" auf rund 20 Millionen Euro geschätzt, aber zur Wohnungsbesichtigung kommt der Chef mit dem Rad. Das ist nett, typisch dänisch, wird "Jante-Loven" genannt und bedeutet, dass sich niemand besser fühlen soll als alle anderen.

Im Arbeitszimmer von Bjørn Bruun darf auch getobt werden

Im Arbeitszimmer von Bjørn Bruun darf auch getobt werden

So ist die riesige Wohnung der Bruuns mit ihren dreiflügeligen Fenstern und mit dem Blick auf den Park natürlich nur gemietet. Bjørn strahlt die Zuversicht von Menschen aus, denen in ihrem Leben schon vieles gelungen ist. Mit seiner 31 Jahre alten Frau Ivona, Slowakin und ebenfalls ein Ex-Model, hat er die Kinder Finn, 5, und Sienna, 2. Als in Dänemark die Zeitschrift "Mom" erschien, strahlten natürlich seine Frau und sein Sohn vom Titel. Ein Bilderbuchleben auf dem Boden der Tatsachen. Und der ist gerade komplett mit Kinderspielzeug bedeckt - zumindest in Finns Zimmer. Locker und unprätentiös sind die neun Räume der Bruuns eingerichtet. Finns Aufklebersammlung auf der Fensterscheibe ist hier genauso akzeptiert wie die sorgfältig arrangierten französischen Seifen im Badezimmer.

Dass hier Menschen wohnen, die neben gutem Geschmack auch Geld haben, sieht man erst auf den zweiten Blick: Im Ankleidezimmer hängen Prêt-à-porter-Kleider von Prada, Chloé und Marc Jacobs, Siennas Zimmer ist vorwiegend mit Kindermöbeln der edlen belgischen Baby-Marke "Théophile & Patachou" eingerichtet. Zwischen dänischen Möbelklassikern von Poul Kjærholm und Hans Wegner galoppiert Finn über die Holzdielen und springt seinem Vater auf den Rücken. "Papa, wie viele Haare hast du eigentlich auf dem Kopf? 100?" - "Nein, viel mehr", lautet die Antwort, "mindestens 5000." Aber so ganz genau weiß Bjørn Bruun das nicht.

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  • Text: Anne Petersen
    Fotos: Mads Mogensen
    Produktion: Christine Schmid
    BRIGITTE Heft 3/2007
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