"Handwerk erlebt ein Comeback"

Firmen, die heute schon das Design von übermorgen entwerfen wollen, landen bei ihr: Juliet Warkentin, Content Director von WGSN, der größten OnlineTrendforscher-Agentur mit Sitz in London

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BRIGITTE: Warum ist es eigentlich wichtig zu wissen, was morgen hip sein wird?

Juliet Warkentin: Firmen wie Rolf Benz, Ikea, Adidas und Hugo Boss sind darauf spezialisiert, top gestaltete Produkte herzustellen. Um sicherzugehen, dass sie auf dem neuesten Stand oder sogar Vorreiter sind, müssen sie sehr genaue Informationen haben, wohin sich das Design entwickelt.

BRIGITTE: Und woher nehmen Sie Ihre Informationen?

Juliet Warkentin: Unsere in der ganzen Welt aktiven Mitarbeiter gucken, was auf der Straße passiert, in der Kunstszene, der Politik, der Wirtschaft und der Umwelt. Auf diesen Informationen basieren unsere Trend-Vorhersagen.

BRIGITTE: Was ist denn gerade der Design-Trend?

Juliet Warkentin: Möbelhersteller waren in der letzten Saison in wirtschaftlicher und kreativer Hinsicht ja wenig risikofreudig. Das hat der Qualität von zeitgenössischem Design jedoch nicht geschadet. Die Kollektionen werden insgesamt anspruchsvoller. Auch, weil sich die Bewertung der "wirklich wichtigen Dinge im Leben" durch die Sorge der Konsumenten um die Umwelt verändert hat. Hersteller reagieren, indem sie Komfort und organische Formen ebenso in den Vordergrund stellen wie praktischen Nutzen, Nachhaltigkeit und moralische Belange. Helles Holz, natürliche und schonend behandelte Oberflächen spielt derzeit eine Rolle.

BRIGITTE: Und was kommt danach?

Juliet Warkentin: Handwerk ist das Stichwort für HerbstlWinter 20101 2011. Auch Flechtwerk und Möbel, die mehr als eine Funktion haben oder sich gleichermaßen für drinnen wie draußen eignen. Creme und Weiß - Farben, die immer schon mit Luxus assoziiert wurden - werden den Ton angeben, textile Strukturen den Stoffen mehr Tiefe geben, dazu kommen überdimensionale Blüten und einzelne reizvolle Farbakzente. Der Wunsch nach individuellen Möbeln wächst. Vielleicht führt das dazu, dass der Möbelmarkt in der globalen Welt wieder lokaler wird; das würde zu der steigenden Wertschätzung von Handwerk passen.

BRIGITTE: Was erwartet uns in der Mode?

Juliet Warkentin: Die Business-Mode im nächsten Herbst wird spektakulär. Bei der Damenmode spielen Struktur und eine schöne Silhouette eine große Rolle, es gibt dramatische Kragen und Verarbeitungen, die "was hermachen". Das Aufblitzen von Farben lockert strengeres Design etwas auf. In der Freizeitbekleidung und bei Jeans ist ein Trend zu Trachten und Rustikalem zu beobachten. Traditionell oder altmodisch anmutende Verzierungen und Details sind sehr wichtig.

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  • Interview: Uta Abendroth
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