Haare trocknen mit Ionen

Klingt es nicht wie im Märchen: Sanfteres, seidigeres, glänzenderes und gleichzeitig gesünderes Haar? Der Ionen-Haarföhn "Jetline light" von Solis macht aus jeder Frau dank neuer Technologie eine Prinzessin mit hinreißender Frisur - so verspricht es zumindest der Hersteller.

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Ob's wirkt? Brigitte.de hat den Zauber-Föhn für Sie getestet.

Wenn es wirklich etwas gibt, das wie durch Zauberhand die Haare weich und geschmeidig macht, dann bin ich die absolut richtige Testperson dafür. Haare, die das bitter nötig hätten, besitze ich jedenfalls. Um genau zu sein: Naturkrause, einen Tick zu dunkel gefärbt. Und ich kann mich nicht erinnern, dass sie jemals ein winziges bisschen geglänzt hätte, egal, was ich mit ihr angestellt habe. Aber ich habe es ja auch noch nicht mit Ionen probiert.

Wie nachlässig von mir. Denn gerade damit lassen sich die besten Ergebnisse erzielen, verspricht der Hersteller. Ionen sind elektrisch geladene Atome oder Moleküle, wie ich beim Nachschlagen im Lexikon erfahre. Klingt nach Stephen Hawking und physikalischem Selbstversuch... Dabei sieht der "Jetline light" nicht spektakulärer aus als seine ionenfreien Geschwister. Aber: Das silberne Gerät ist mit einem Generator ausgestattet, der "automatisch beim Einschalten über eine Nadel Negativ-Ionen abgibt, die sich mit dem Luftstrom auf das Haar verteilen." Aha. Soweit also der technische Aspekt.

Über die Wirkung dieses Ionen-Zaubers hat der Beipackzettel nur das Beste zu berichten: Die Haare bekommen mehr Glanz, werden geschmeidig und besser frisierbar. Und das Trocknen läuft auch noch sanft, Strom sparend und umweltschonend ab. Soll auch bei Haar wirken, das von Dauerwelle oder Färben strapaziert ist. Da hält mich doch nichts mehr auf!

Kaum ist also der Ionen-Föhn im Haus, teste ich ihn hoffnungsvoll an meinen nassen Strähnen. Er läuft nur wenige Sekunden - schon rümpfe ich die Nase. Ionen scheinen bei der Arbeit an meiner Schönheit einen seltsamen Geruch zu erzeugen. Und der erinnert stark an chemische Reinigung. Egal, Hauptsache, hinterher glänzt es.

Vom Geruch abgesehen ist der Föhn prima, das Gerät ist mit zwei Wärmestufen und zwei Gebläsestufen für jeden Bedarf optimal einstellbar. Arbeitet nur leider nicht schneller als mein altersschwaches Reise-Exemplar. Dafür schafft die Kühlungstaste Abhilfe, wenn's doch mal zu heiß wird. Und schön leicht ist der Haartrockner auch. Also bitte: erstmal nix zu meckern.

Das ändert sich schnell, als ich das Gerät abschalte und das Ergebnis im Spiegel betrachte. Ionen mögen mich nicht - oder warum haben sie sonst meine Haare in ein sprödes, trockenes und krisseliges Etwas verwandelt? Meine Frisur: nur peinlich. Aber, um das Gerät in Schutz zu nehmen: Das ist sie manchmal auch ohne hochwertige Ionen-Technologie.

Und so verabschiede ich mich von meinem Traum vom glänzenden Haar, hake in Gedanken den innovativen Föhn als "auch nichts Besonderes" ab und ziehe desillusioniert den Stecker - als mich plötzlich ein elektrischer Schlag durchfährt, der sich gewaschen hat.

Nach dem ersten Schock muss ich jedoch gestehen: Mit meiner großen Tollpatschigkeit habe ich mir schon bei manch anderem Gerät einen saftigen Schlag eingehandelt. Auch beim Händler kann man sich meinen Unfall nicht anders erklären. Denn Pro-Idee hat nicht nur mein zurückgeschicktes Exemplar, sondern auch drei identische Haartrockner getestet - und keiner der Techniker konnte meinen Unfall rekonstruieren. Auch sonst habe sich noch kein Kunde über elektrische Schläge vom Ionen-Föhn beschwert, lässt mich der Händler zusätzlich wissen.

Das heißt also Entwarnung, mein Unfall geht auf mein persönliches menschliches Versagen zurück. Sicher scheint der Föhn zu sein. Besser als andere ist er trotzdem nicht.

Fazit: Ein Föhn für Chemie- und Physikbegeisterte, die schon immer von Ionen fasziniert waren. Für alle anderen gilt: Das alte Gerät tut's auch!



Den Ionen-Haarföhn Jetline light von Solis gibt es für 89,95 Euro bei Pro-Idee.

Bewertung

Nutzfaktor:
Sicherheitsfaktor:
Designfaktor:
Spaßfaktor:

Brigitte.de test it (4)

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Alle Test-it auf einen Blick

  • Artikel vom 16.09.2005
  • Eva Weber
Letzte Kommentare
  • Wolfgang G.
    am 18.01.11 um 11:24
    Die Sache mit dem elektrischen Schlag ist für mich voll nachvollziehbar! Schon bevor ich den Artikel gelesen habe, habe ich mir beim Lesen eines anderen Artikels zu diesem Thema "Ionen-Fön" Gedanken wegen möglicher statischer Aufladung gemacht und gewundert, dass dieses Thema nirgends erwähnt wurde. Und jetzt hier. Wer mit isolierenden Schuhen steht und sich elektrisch geladene Teile in die Haare bläst, braucht sich nicht wundern, wenn er beim Anfassen geerdeter Teile, z.B. Wasserhahn, kräftig eins gwischt bekommt. Eigentlich müsste bei so einer "Ionenbehandlung" ein Erdungsband wie beim Umgang mit statisch sensiblen Teilen benutzt werden.

  • Batenhorst
    am 12.05.10 um 22:11
    Ja, das war schon früher so : wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt`s an der Badehose! Es tut mir ja schrecklich leid aber als Friseurin muss ich ja mal sagen, dass sich das ganze für mich nach einem Anwenderfehler anhört.
    Die oberste Haarschicht ist eine Schuppenschicht, deren offene Seite zur Haarspitze zeigt. Hält man jetzt den Haartrockner beim Föhnen nicht von der Kopfhaut in Richtung Haarspitze sondern umgekehrt, stehen die Haarschuppen vom Haar ab ergo können die Lichtstrahlen, die auf das Haar treffen nicht reflektiert werden, das Haar glänzt nicht!!! Zudem wird genau dadurch das Haar spröde.
    Ein naturgewelltes/ gelocktes Haar sollte immer mit speziellen Pflegeprodukten behandelt werden, ausserdem ist gutes Werkzeug , angefangen bei dem Kamm nach dem Waschen wichtig und ansonsten bei nächsten Friseurbesuch einfach mal fragen, wir lernen nicht umsonst drei Jahre. Wenn das alles berücksichtigt wird, kann man anfangen Haartrockner miteinander zu vergleichen.
    Liebe
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