Serie Deko: Ideen für Ihre Wohnung

Wohnen mit mehr Farben

Interview: Farben sind eine Charakterfrage

Harald Braem, Jahrgang 1944, ist Farbpsychologe und Professor für Kommunikation und Design an der Fachhochschule Wiesbaden. 2006 gründete er das Institut für Farbpsychologie in Bettendorf. Harald Braem, Jahrgang 1944, ist Farbpsychologe und Professor für Kommunikation und Design an der Fachhochschule Wiesbaden. 2006 gründete er das Institut für Farbpsychologie in Bettendorf.

BRIGITTE: Herr Professor Braem, Farben prägen unser Denken, Fühlen und Handeln. Was passiert, wenn wir Knallfarben in unsere Wohnung lassen?

Harald Braem: Knallfarben sind wie ein Frühjahrsputz. Sie sind frisch, lebendig und jung. Und sie stimulieren: Sie geben Kraft und heitern auf.

BRIGITTE: Passen Knallfarben zu jedem Menschen?

Harald Braem: Nein. In der Farbpsychologie unterscheiden wir introvertierte und extrovertierte Typen. Wer extrovertiert ist, für den sind Knallfarben wunderbar. Schüchterne und zurückhaltende Menschen aber fühlen sich von Signalfarben schnell gestresst - die brauchen ihre Wohnung als sicheren Rückzugsort und können nicht mehr entspannen, wenn eine Wand froschgrün leuchtet. Was sie eigentlich stimulieren sollte, schlägt ihnen aufs Gemüt. Diese Menschen sollten zurückhaltend mit Knallfarben sein, also nicht gleich eine Wand streichen, ein gelbes Sofakissen reicht da schon aus.

BRIGITTE: Und kein blaues Kissen, weil Blau zu kalt und zu schwer ist?

Harald Braem: Blau ist die Lieblingsfarbe der Deutschen. Damit kann man nichts falsch machen. Und gerade der introvertierte Typ mag kühle Farben wie Türkis und Blau, weil er sie als leise und unaufdringlich empfindet. Blau ginge also sehr gut - es wäre aber keine Überraschung.

BRIGITTE: Unsere Wohnung ist immer auch Spiegel unserer Seele. Was erzählt eine knallfarbene Wohnung denn nun über uns?

Harald Braem: Dass wir Farbe bekennen, mutig sind, uns etwas trauen. Wer mit Knallfarben spielt, muss mit Kritik rechnen. Ein pinkfarbener Stuhl beispielsweise wird sicher nicht jedem Besucher gefallen. Wer einen hat, muss es ertragen, dafür belächelt zu werden. Ihm ist also die Außenwirkung nicht so wichtig...

BRIGITTE: Oder er möchte seinen Gästen ein bestimmtes Selbstbild vermitteln.

Harald Braem: Das natürlich auch. Wobei wir da nicht wirklich über unseren Schatten springen können, zumindest nicht für längere Zeit. Schließlich wollen wir uns in unserer Wohnung wohl fühlen, sie soll uns auffangen und stark machen für das, was da draußen auf uns wartet. Morgenmüde Menschen ertragen im Bad keine grellen Farben. Die Helligkeit und geballte Lebendigkeit macht sie noch müder. Für Frühaufsteher sind Knallfarben stimulierend - weil sie genau ihre Stimmung spiegeln. Und genau darum geht es: Farben müssen zu unserem Charakter passen. Egal, ob wir sie als Kleidung auf dem Körper tragen oder uns in unserer Wohnung damit umgeben.

Interview: Madlen Ottenschläger

zurück
Seite: 1 ... 12 11 13 14 15
weiter
Kommentar schreiben

Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein. Wenn Sie noch kein Bfriends-Mitglied sind, können Sie sich hier registrieren.

noch Zeichen übrig!
Letzte Kommentare

Noch kein Kommentar vorhanden. Möchten Sie einen Kommentar schreiben? Das können Sie im Eingabefeld oben.

BRIGITTE.de: Nichts verpassen
BRIGITTE.de - RSS|Twitter|Facebook|Youtube|BFriends|Newsletter|BRIGITTE.de - iPhone-App

Weblogs