Sex und Wechseljahre: Die Lust bleibt

Wegen der Wechseljahre auf Sex verzichten? Bitte nicht. Die Hamburger Psychotherapeutin Kirsten von Sydow gibt Tipps zum Thema Sex und Wechseljahre.

BRIGITTE-woman.de: Frau von Sydow, als eine der wenigen Wissenschaftlerinnen haben Sie die aus psychologischer Sicht untersucht. Wie viele Frauen haben in dieser Zeit Probleme?

Kirsten von Sydow: Das ist ganz unterschiedlich. Bei einem Drittel der Frauen treten kaum Beschwerden auf. Ein weiteres Drittel hat gelegentlich Probleme. Das letzte Drittel leidet sehr stark unter den typischen Beschwerden der Wechseljahre, beispielsweise unter Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen.

Experten-Interview: Sex und Wechseljahre: Die Lust bleibt

BRIGITTE-woman.de: Wie kann man diesen Frauen helfen, damit sie den Spaß am nicht verlieren?

Kirsten von Sydow: Das sind oftmals Frauen, die aktuell sehr belastet sind, beispielsweise durch Erkrankungen oder berufliche Probleme, oder in ihrem Leben viel Belastendes erlebt haben. Einige waren vielleicht schon früher körperlich und seelisch labil. Auch Frauen, die sich ihren Kinderwunsch bis dahin nicht erfüllt haben, empfinden die Wechseljahre als schmerzhaften Abschnitt. In diesen Fällen kann man die Sexualität nicht losgelöst vom Rest betrachten. Die Probleme sollten deshalb ganzheitlich angegangen werden. Falls es nicht reicht, sich mit Freundinnen oder dem Partner auszutauschen, kann eine Psychotherapie oder eine Selbsthilfegruppe hilfreich sein.

<frage name = "BRIGITTE-woman.de">Was raten Sie den Frauen, die nur gelegentlich unter den Beschwerden der Wechseljahre leiden. Sollen Sie in schlechteren Phasen auf Sex verzichten? </frage>

<antwort name = "Kirsten von Sydow: ">Das muss jede Frau für sich entscheiden. Aber wenn sich eine Frau gar nicht wohl fühlt, ihr heiß und kalt ist, dann wird sie wahrscheinlich keinen Sex wollen. Für manche steht Sex auch nicht mehr im Mittelpunkt und Zärtlichkeit wird wichtiger. Für alle gilt: keinen Leistungsdruck aufbauen. Nur frisch Verliebte haben so häufig Sex, wie es in den Medien oft dargestellt wird. </antwort>

BRIGITTE-woman.de: Verunsichert das aber nicht meinen Partner, wenn ich mich mal so und mal so fühle? Wie bringe ich meinem Partner meine Wünsche am Besten nahe?

Kirsten von Sydow: : Viele Frauen vergessen, dass sich Männer auch verändern. Ist der Partner ungefähr gleichaltrig, hat er möglicherweise sogar mit den ersten Erektionsstörungen zu kämpfen. Wer nicht offen miteinander spricht, baut schnell Missverständnisse auf. Männer sind irritiert, weil sie an ihren Fähigkeiten zweifeln und Frauen fühlen sich möglicherweise nicht mehr begehrenswert. Jetzt muss die Beziehung neu ausgelotet werden. Eine "Er-wird-schon-wissen-was-ich-will"-Einstellung funktioniert spätestens jetzt nicht mehr. Das ist aber auch eine Chance, anzusprechen, was mir gut tut, was ich will und was ich bewusst nicht will.

BRIGITTE-woman.de: Der Sex muss also trotz Beschwerden in den Wechseljahren nicht schlechter werden?

Kirsten von Sydow: : Die sexuelle Erregbarkeit und die Fähigkeit, einen Orgasmus zu bekommen, verändert sich bei Frauen im Allgemeinen nicht. Viele haben jedoch das Problem einer 'trockenen Scheide'. Ist man sexuell nicht erregt, kann der Geschlechtsverkehr schmerzhaft sein. Vor den Wechseljahren ist das eventuell nicht aufgefallen, weil bei jüngeren Frauen die Scheide immer etwas feucht ist. Frauen in den Wechseljahren sollten aber nur noch Sex haben, wenn sie erregt sind.

BRIGITTE-woman.de: Es ist sinnvoll, auch einen Arzt um Rat zu fragen?

Kirsten von Sydow: : Ganz bestimmt. Nur wenige Frauen trauen sich mit ihrem Arzt über sexuelle Probleme in den Wechseljahren zu sprechen. Ich halte es aber auch für genauso wichtig, mit anderen Frauen zu sprechen. Wer sich austauscht, merkt, dass es anderen ganz ähnlich geht, und wird dadurch entlastet. Wichtig ist auch, dem Partner mitzuteilen, was sich beim Sex gut anfühlt und was nicht.

Zur Person:

Kirsten von Sydow lehrt als Vertretungsprofessorin für Klinische Psychologie an der Universität Hamburg und hat eine Psychotherapiepraxis in Hamburg. Sie hat unter anderem zur weiblichen Sexualität im mittleren und höheren Alter geforscht und das Buch "Die Lust auf Liebe bei älteren Menschen" geschrieben (Ernst Reinhard Verlag München Basel).

Foto: Getty Images und privat

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Kommentare (18)

Kommentare (18)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hallo,

    ich bin 51 Jahre und habe folgendes Problem:

    wenn ich müde bin oder werde, habe ich so eine extreme Unruhe. Kann nicht mehr still sitzen und bin total unruhig. Das führt zu extremen Schlafstörungen. Im Flugzeug muss ich aufstehen, weil ich nicht mehr sitzen kann. Das schlimme ist, dass ich diese Unruhe nur im Genitalbereich verspüre. Das macht mich verrückt. Habe auch mit meinem Frauenarzt darüber gesprochen, aber ich hatte das Gefühl, dass er mich nicht ernst genommen hat.

    Wer hat ähnliche Probleme und hat Hilfe bekommen??

    Danke für Eure Hilfe

    Katharina R.

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich bin 54 Jahre alt und wurde mit 40 erst so richtig "lustvoll". Und das hörte nicht auf, mit 48 war es so immens, dass ich verschiedene jüngere Liebhaber hatte. Jetzt setzt langsam eine Trockenheit ein. Aber ich

    nehme Hormonvaginalzäpchen (1 in der Woche), und dazu Cremes (Vagisan und Multi-gyn). das hilft, um die erste Unsicherheit zu nehmen. Und erst einmal dabei habe ich keine Probleme mehr.

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Liebe Karline,



    das Thema "Sex und Wechseljahre" beschäftigt viele Frauen - wenn Sie sich dazu mit anderen austauschen wollen, schauen Sie doch mal in einem unserer Foren vorbei:

    http://bfriends.brigitte.de/foren/frauengesundheit/



    Viele Grüße

    Ihr BRIGITTE-woman.de-Team
  • Anonymer User
    Anonymer User
    ....also ich möchte das nochmal etwas genauer beschreiben um evtl. gleichempfinde zu erreichen. Bin mal grade 50...eine wirklich junggebliebene, sehr sportliche, zierlich gebaut mit konfektion 34/36. Und ich hab wirklich noch total viele tolle fantasien und ideen im kopf was sex anbelangt. Nuuur mit der eerregung und dem feucht werden als "erregungsbeweis" klappt das einfach nicht mehr. Macht mich irre und nach und nach auch immer unsicherer im bett. Noch krieg ich das alles ganz gut.. und für meinen partner auch befriedigend... hin, da ich auch kein problem damit habe zum orgasmus zu kommen wenn wir erst zusammen schlafen und es eben meine lieblingsstellung ist :-). Aber ich merke eben, dass kopf und körper gegeneinander arbeiten und hab richtig angst davor wenn es schlimmer wird denn unsere beziehung ist ja noch recht frisch und er ist ein sehr potentes, kerniges kerlchen von grad mal 49 jahren.....
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Tja, der bericht tut das thema echt etwas platt ab. Also ich bin grad ziemlich unglücklich darüber, dass ich so plötzlich diesen sogenannten libidoverlust bekommen habe. Vor 2jahren sah das noch völlig anders aus! Und nun, ausgerechnet jetzt wo ich endlich den richtigen partner habe seid ca.1 1/2 jahren, da geht es mit der lust immer mehr abwärts. Und es liegt weissgott nicht an ihm oder fantasielosigkeit...im gegenteil...Ich mach da auch voll mit und verführe und überrasche auch ihn oft. Will das nicht akzeptieren und lahm werden. Doch ich merke halt, dass all die berührungen,- ob nun wild oder auch sanft und zärtlich- nicht mehr das an erregung bei mir auslösen was vor 2 jahren noch der fall gewesen ist. Ich war da echt mal ziemlich unersättliche und sehr leicht erregbar. Also gut, ich möchte das nicht so hinnehmen und werde nun mal ein paar empfohlene dinge ausprobieren. Zbsp. die rotkleekapsel kur oder nachtkerzenöl kapseln. Hat da schon jemand erfahrung ?

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