Warum wir öfter eine zweite Meinung einholen sollten

Obwohl auch Ärzte Fehler machen, hinterfragen Patienten ihre Entscheidungen selten. Dabei sollten sie ihr Recht auf eine zweite Meinung viel häufiger nutzen.

Soll ich die Einwilligungserklärung unterschreiben? Ist das wirklich die beste Behandlung für mich? Und soll ich den Zahnersatz mit dem beachtlichen Eigenanteil tatsächlich wählen oder gibt es doch eine günstigere Variante? Oft genug überkommen uns Zweifel beim Arzt, doch in den seltensten Fällen äußern wir sie oder holen eine zweite Expertenmeinung ein. Denn es kostet Überwindung, den Empfehlungen seines Hausarztes nicht Folge zu leisten - zumal dieser das Einholen einer Zweitmeinung oft als Vertrauensbruch wertet.

Dabei wären wir damit gut beraten, schließlich erweisen sich viele Operationen und Therapien im Nachhinein als überflüssig oder nicht optimal. Einen gewissen Spielraum bei der Wahl der Behandlung gibt es immer, trotzdem wird kaum darüber diskutiert - und noch seltener wird der Patient einbezogen. Im Gesetz zur Verbesserung der Patientenrechte, das im Februar 2013 in Kraft getreten ist, stehen die Rechte der Patienten erstmalig gesammelt an einer Stelle. Es soll die Position des Patienten gegenüber den Ärzten, Kliniken und Krankenkassen stärken.

Auch die Bundesärztekammer unterstützt eine zusätzliche Konsultation ausdrücklich und verweist etwa auf das Recht eines Patienten, eine Kopie seiner Krankenakte (Blutwerte, Röntgenbilder, Untersuchungen) einzufordern - die ihm formal ohnehin gehört. Im Idealfall würde man seinem Arzt die eigene Unsicherheit schildern und ihn um den Namen eines Spezialisten bitten. Und selbst wenn der behandelnde Arzt die Unterstützung verweigert oder man ihm in diesem Fall nicht vertraut, ist man bei der Suche nach einem Experten nicht auf sich gestellt.

Hier bekommen Sie eine zweite Meinung:

  • Bei allen Krebserkrankungen sind die Tumorzentren eine gute Adresse, denn dort sind die Ärzte medizinisch auf dem neuesten Stand.
  • Darmkrebspatienten bietet die Felix Burda Stiftung die Möglichkeit, mittels einer elektronischen Patientenakte eine Zweitmeinung für die Behandlung ihrer Erkrankung einzuholen.
  • Vor Wirbelsäulen-Operationen können sich Mitglieder einiger Krankenkassen in speziellen schmerztherapeutischen Zentren beraten lassen.
  • Auch bei teurem Zahnersatz ist eine Beratung sinnvoll. Die bietet zum Beispiel das Projekt Zahnärztliche Zweitmeinung der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung.
  • Die Kassen(zahn)ärztlichen Vereinigungen der Bundesländer, (Zahn-)Ärztekammern und die Verbraucherzentralen sind ebenfalls Ansprechpartner für Ratsuchende. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland hilft bei der Suche nach einem Experten und berät auch selbst.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin stellt auf ihrer Website Leitlinien nicht nur für Ärzte, sondern auch für Laien verständlich zur Verfügung.
  • Schließlich kann man sich auch direkt an seine Krankenkasse wenden. Einige haben zum Beispiel mit Ärzten besetzte Beratungs-Hotlines.

Bloß nicht vorschnell aufgeben

Eine Zweitmeinung einzuholen bedeutet im Übrigen nicht zwingend, sich erneut untersuchen lassen zu müssen. Deshalb ist es ratsam, alle bereits vorliegenden Ergebnisse mitzunehmen. Der bisher behandelnde Arzt kann zwar eine Gebühr für Kopien verlangen, aber er darf Patienten Befunde oder Röntgenbilder nicht vorenthalten. Wichtig ist in jedem Fall, dass der Experte, an den man sich wendet, eine Kassenzulassung besitzt.

Weicht die Diagnose oder der Behandlungsvorschlag des zweiten Mediziners von dem des ersten ab, sollten sich die beiden Ärzte besprechen. Häufig kommt es sogar zu einer guten Zusammenarbeit. Gelingt dies nicht, müssen Sie sich entscheiden, wo Sie sich besser aufgehoben fühlen - oder noch einen dritten Experten aufsuchen. Gerade bei einer schwerwiegenden Krankheit wie Krebs sollten Sie sich gut informieren, denn oft wird nicht nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen behandelt. Je mehr Erfahrung ein Arzt oder eine Klinik mit einer Krankheit und deren Therapie hat, desto besser. Hier kann ein Blick in einen Klinikführer hilfreich sein. Viele Krankenkassen bieten solche Wegweiser an.

Das alles ist langwierig und gewiss nicht einfach. Doch wer optimal behandelt werden möchte, sollte nicht vorschnell aufgeben. Denn letztlich liegt die Entscheidung für oder gegen eine Therapie allein beim Patienten. Und diese Entscheidung sollten Sie sich niemals abnehmen lassen.

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