Was bei Schmerzen im Nacken hilft

Schmerzen im Nacken sind ein deutliches Warnsignal. Höchste Zeit, gezielt etwas zu tun: Sieben Übungen gegen Nackenschmerzen.

Unser Nacken ist sensibel. Egal ob schwere Schultertaschen, eine verkrampfte und verdrehte Haltung bei der Büroarbeit, Ärger oder Leistungsdruck - er reagiert empfindlich und antwortet darauf mit Schmerzen, nicht selten auch im Kopf. Jeder dritte Deutsche klagt mindestens einmal im Jahr über Schmerzen im Nacken, und laut einer dänischen Studie leidet sogar mehr als die Hälfte aller weiblichen Büroangestellten unter solchen Beschwerden.

Schuld daran sind in den allermeisten Fällen keine Abnutzungserscheinungen, Blockaden oder andere Probleme an der Wirbelsäule. Schmerzen im Nacken werden fast immer durch Verspannungen hervorgerufen. "Schmerzen bereitet die verspannte Nacken- und Schultermuskulatur", sagt Dr. Anett Reißhauer, die den Arbeitsbereich Physikalische Medizin und Rehabilitation der Charité-Universitätsklinik in Berlin leitet. "Die Muskelfasern verkürzen sich, und es bilden sich Schmerzpunkte aus. Dabei spielt auch Stress eine große Rolle."

Schmerzen im Nacken? Das klingt nach Stress

Denn Nacken- und Schultermuskeln sind geradezu ein Seismograf für Stress. Experten nennen sie sogar "Stressmuskeln". Sie reagieren besonders schnell auf Belastungen jeder Art. Verantwortlich dafür ist das Geflecht wichtiger Nerven, das im Nacken verläuft. Einer davon ist der "Beinerv", Nervus accessorius, der in körperlichen und seelischen Stresssituationen sofort aktiv wird. Er wirkt direkt auf die seitlich am Hals bis zum Schlüsselbein verlaufenden "Kopfwender"-Muskeln und den Trapezmuskel, der am Hinterkopf, über den Nacken, seitlich zu den Schultern und dreieckig auf dem oberen Rücken verläuft, den Hals dreht und die Schultern bewegt.

Bei jeder Belastung werden diese Muskeln sofort unbewusst angespannt: Wir ziehen die Schultern hoch, den Kopf nach vorn und beißen die Zähne zusammen. Das Fatale daran: Eine solche Körperhaltung signalisiert dem Gehirn "Gefahr", so dass es daraufhin den Muskeln den Befehl gibt, sich noch stärker anzuspannen. Dauerhaft angespannte Muskeln verlieren jedoch irgendwann ihre Elastizität, sie sind selbst im Ruhezustand verhärtet. Und sie üben wiederum Druck auf die Nerven im Nacken aus, stören die Durchblutung und die Versorgung mit Nährstoffen - ein schmerzhafter Teufelskreis.

Hinzu kommt, so Oberärztin Anett Reißhauer, dass die tiefe, die Wirbelsäule stabilisierende Muskulatur häufig durch vieles Sitzen und Fehlhaltungen geschwächt ist. Die Folge: Um dies auszugleichen, werden andere Muskeln wie der Trapezmuskel überlastet. Das verursacht ebenfalls .

Das beste Mittel, um Verspannungen und damit Schmerzen zu lindern oder sie von vornherein zu verhindern, ist es, die Muskeln zu dehnen und zu stärken. Speziell für alle, die viel im Büro und am Computer sitzen, hat Anett Reißhauer zusammen mit Kollegen von der Charité- und Humboldt-Universität ein Trainingsprogramm ("Rückenfit am PC", siehe Bilder) ausgearbeitet und in einer Studie getestet.

Die Teilnehmer sollten an jedem Arbeitstag 15 Minuten üben, egal, ob 15 Minuten am Stück oder auf kürzere Einheiten, beispielsweise dreimal fünf Minuten, verteilt. Sieben Übungen stehen zur Auswahl, die gezielt auf den Schulter-Nacken-Bereich wirken. Und alle sind so einfach, dass sie auch im Alltag gut nebenbei gemacht werden können - nicht nur am Schreibtisch. Trotzdem sind sie effektiv, wie die Untersuchung gezeigt hat. "Nach sechs Wochen waren die Teil nehmer nahezu beschwerdefrei", sagt Reißhauer. "Und das mit wenig Aufwand."

Bei Schmerzen im Nacken: Weg mit den Schultertaschen!

Auch Menschen, die unter bestimmten Formen von Kopfschmerzen leiden, profitieren wahrscheinlich von diesem Muskeltraining. "Anspannungen im Trapezmuskel können schmerzhaft in den Bereich hinter den Augen ausstrahlen", sagt Anett Reißhauer. Um Muskelproblemen vorzubeugen, empfiehlt sie allen, die täglich stundenlang sitzen, regelmäßig einen Ausgleichssport zu treiben. "Welchen, ist weniger wichtig. Es sollte etwas sein, was Spaß macht, damit man dabeibleibt."

Bei der Arbeit sollte man öfter kleine Pausen machen, aufstehen und sich bewegen. Wichtig ist, immer wieder für Entspannung zu sorgen, damit verspannte Muskeln nicht als "normal" empfunden werden. Reißhauer selbst hat außerdem alle Schultertaschen abgeschafft. Denn wer so eine Tasche trägt, zieht ständig die Schulter hoch, damit der Riemen nicht rutscht. Einen Laptop zum Beispiel transportiert man besser im Rucksack. Oder man macht es wie die Berliner Ärztin: "Ich habe nur Taschen mit kurzen Henkeln, die ich in der Hand halten muss."

Sieben Übungen gegen Schmerzen im Nacken

Geringer Aufwand, großer Effekt: Wer täglich 15 Minuten etwas für seine Nackenmuskeln tut, ist bald schmerzfrei.

Grundhaltung

Verspannungen: Was bei Schmerzen im Nacken hilft

Setzen Sie sich für alle Übungen aufrecht mit geradem Rücken auf einen Stuhl. Die Füße stehen schulterbreit auseinander. Den Bauchnabel Richtung Wirbelsäule ziehen, Bauch- und Beckenbodenmuskulatur anspannen. Die Schulterblätter nach hinten ziehen und den Hinterkopf nach oben schieben, um den Hals zu strecken. Diese Grundspannung sollten Sie vor jeder Übung einnehmen. Bei allen Übungen langsam im Sekundenrhythmus zählen (ein Beispiel: Bis vier zählen entspricht etwa vier Sekunden).

1. Schultern gerade heben

Verspannungen: Was bei Schmerzen im Nacken hilft

Einatmen, langsam bis vier zählen und dabei die Schultern kräftig nach oben ziehen. Ausatmen und die Muskelspannung vier Sekunden halten. Einatmen und mit dem Ausatmen in vier Sekunden die Schultern wieder kraftvoll nach unten senken. Vier Sekunden die spürbare Spannung halten. Dann von vorn beginnen. Fünf Wiederholungen.

2. Schultern kreisen

Verspannungen: Was bei Schmerzen im Nacken hilft

Schultern in einem gleichmäßigen Kreis langsam nach vorn, nach oben, nach hinten und nach unten führen. Dabei bis acht zählen. Fünf bis zehnmal wiederholen.

3. Schultern schräg heben

Verspannungen: Was bei Schmerzen im Nacken hilft

Einatmen, dabei langsam bis vier zählen und die Schultern schräg nach vorn hochziehen. Spannung vier Sekunden halten und dabei ausatmen. Einatmen, wieder bis vier zählen und die Schultern kräftig nach hinten unten ziehen. Spannung wieder vier Sekunden halten und dabei ausatmen. Fünf Wiederholungen.

4. Schultern zurückziehen

Verspannungen: Was bei Schmerzen im Nacken hilft

Arme U-förmig anheben, die Handflächen nach vorn, die Ellenbogen bilden einen Winkel von 90 Grad. Mit dem Einatmen Arme vier Sekunden horizontal nach hinten ziehen, vier Sekunden die Spannung halten, dann unter Anspannung in vier Sekunden Arme nach vorn zurück bringen. Fünf- bis zehnmal wiederholen.

5. Kopf stemmen

Verspannungen: Was bei Schmerzen im Nacken hilft

Einatmen, mit der rechten Hand fünf bis acht Sekunden gegen die rechte Kopfseite drücken, dabei Hals- und Nackenmuskeln anspannen, ausatmen. Auf der linken Seite wiederholen. Dann mit beiden Handflächen fünf bis acht Sekunden gegen die Stirn drücken, ohne dass der Kopf nachgibt. Fünf- bis zehnmal wiederholen.

6. Nacken dehnen

Verspannungen: Was bei Schmerzen im Nacken hilft

Hände hinter dem Kopf verschränken, Hinterkopf in die Handflächen pressen. Arme nach vorn ziehen, der Kopf bleibt dabei gerade, Spannung vier Sekunden halten. Einatmen, beim Ausatmen Spannung lösen, Arme nach unten ziehen und das Kinn in vier Sekunden Richtung Brust drücken. Dehnung vier Sekunden halten, dann in weiteren vier Sekunden langsam in die Ausgangsposition zurückkehren. Fünfmal wiederholen.

7. Rumpf heben

Verspannungen: Was bei Schmerzen im Nacken hilft

Kopf, Oberkörper und Arme in vier Sekunden nach vorn auf die Oberschenkel sinken lassen. Dehnung vier Sekunden halten, dann Wirbel für Wirbel in acht Sekunden den Oberkörper langsam wieder aufrollen. Schultern dabei nicht hochziehen. Dreimal wiederholen.

Was sonst noch bei verspannten Muskeln und Schmerzen im Nacken hilft

  • Die gezeigten Übungen "Rückenfit am PC" gibt es als interaktives Trainingsprogramm zusammen mit mehr Infos und Selbstuntersuchungen auf einer CD-ROM.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) empfiehlt in ihrem Patienten-Faltblatt "Nackenschmerzen" zwei Übungen gegen Nackenschmerzen.
  • Dänische Forscher haben herausgefunden, dass bestimmte Hantelübungen den Trapezmuskel stärken und Nackenschmerzen lindern können.
  • Übungen vor allem zum Loslassen und Lockern enthält Heike Höflers Buch "Entspannungstraining für Kiefer, Nacken, Schultern" (96 Seiten, Trias, 2010).

Videoempfehlung:

Text: Ingrid Glomp Fotos: Olaf Ballnus (Übungen)

Kommentare (2)

Kommentare (2)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Lieber Udo Schuett,



    was Sie bei Abnutzungserscheinungen an den Wirbelgelenken tun sollten, können und dürfen wir Ihnen nicht per Ferndiagnose sagen, denn das hängt von verschiedenen, individuellen Gesundheitsfaktoren ab. Wenden Sie sich zunächst an Ihren Hausarzt, er kann Sie an einen geeigneten Orthopäden oder Physiotherapeuten überweisen.



    Viele Grüße

    Ihr BRIGITTE-WOMAN-Team
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Und was ist, ausser OP, zu tun, wenn Abnutzungserscheinungen an den wirbelgelenken durch MRT und CT dokumentiert sind?

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