Sibylle Lewitscharoff erhält den Georg-Büchner-Preis

Der mit 50.000 Euro dotierte Georg-Büchner-Preis geht an die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff. Unsere Literaturexpertin Angela Wittmann stellt ihre drei Lieblingsbücher der 59-Jährigen vor.

Literatur-Auszeichnung: Sibylle Lewitscharoff

Sibylle Lewitscharoff

"In ihren Romanen hat Sibylle Lewitscharoff mit unerschöpflicher Beobachtungsenergie, erzählerischer Phantasie und sprachlicher Erfindungskraft die Grenzen dessen, was wir für unsere alltägliche Wirklichkeit halten, neu erkundet und in Frage gestellt." So begründet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ihre Entscheidung, den Georg-Büchner-Preis 2013 an Sibylle Lewitscharoff zu verleihen. Der Preis gilt als wichtigste Literaturauszeichnung in Deutschland und ist mit 50.000 Euro dotiert. Sibylle Lewitscharoff, die 1954 in Stuttgart geboren wurde, hat in ihrer langen Laufbahn bereits viele Preise bekommen, u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1998), den Preis der Leipziger Buchmesse für ihren Roman Apostoloff (2009), den Berliner Literaturpreis (2010), den Kleist-Preis (2011), den Ricarda-Huch-Preis (2011) sowie mit den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis für den Roman Blumenberg (2011). Derzeit ist die Schriftstellerin Stipendiatin der Villa Massimo in Rom. Im Sommersemester 2013 übernimmt sie die Brüder-Grimm-Professur in Kassel.

Sie wollen etwas von Sibylle Lewitscharoff lesen?

Das sind die drei Favoriten von unserer Literaturexpertin Angela Wittmann:

"Apostoloff"

Literatur-Auszeichnung: Sibylle Lewitscharoff erhält den Georg-Büchner-Preis

Zwei Schwestern touren durch Bulgarien. Begleitet werden sie von einem Konvoi schwarzer Limousinen, mit denen die Leichen von 19 Exilbulgaren aus Stuttgart in die alte Heimat überführt werden. Darunter auch der tyrannische Vater, der sich erhängt hat und jetzt ungefragt in den Träumen der Schwestern erscheint. Manchmal sitzt er auch in dem Auto, das von Chauffeur "Apostoloff" kutschiert wird. Der Hass auf den Vater wird zum Hass auf das Land: Von der Rückbank aus lässt die Ich-Erzählerin kein gutes Haar an den Menschen, der Sprache "mit ihren labialen Knallern, die nicht zünden wollen", dem Essen, "dem in schlechtem Öl ersoffenen Matsch". Sibylle Lewitscharoffs erzkomische Abrechnung mit der Heimat ihres Vaters ist politisch unkorrekt, macht mit ihrer klangvollen Sprache aber einfach Spaß.

247 Seiten, 19,80 Euro, Hardcover, Suhrkamp, Erscheinungsdatum: 2009

"Montgomery"

Literatur-Auszeichnung: Sibylle Lewitscharoff erhält den Georg-Büchner-Preis

"Montgomery", reich und erfolgsverwöhnt, aber sehr krank, droht das Leben zu entgleiten. Seit vielen Jahren lebt der deutsche Filmproduzent in Rom, wo er manisch immer neue Projekte anschiebt - das beste Mittel gegen die ihn immer wieder heimsuchende Melancholie. Als er schließlich seinen Lieblingsfilm realisieren kann - eine Neubearbeitung des "Jud Süß", der Geschichte des jüdischen Bankers Joseph Süß-Oppenheimer - ist plötzlich der Hauptdarsteller verschwunden. Akribisch durchkämmt der Produzent mit seinem Team die römischen Kneipenviertel, wo er den Schauspieler vermutet. Sibylle Lewitscharoff erzählt überaus originell und fesselnd. Ihr Roman ist das subtile Psychogramm eines Machtmenschen, der zum Getriebenen wird.

346 Seiten, 9,99 Euro, Suhrkamp, Erscheinungsdatum: 2012

"Consummatus"

Literatur-Auszeichnung: Sibylle Lewitscharoff erhält den Georg-Büchner-Preis

Da haben sich zwei gefunden: der Deutschlehrer Ralph und die Underground-Ikone Joey, die sich in ihren besten Zeiten in Andy Warhols Factory herumgetrieben hat und später mit düster-deutschen Liedern voller Nationalismen und Nibelungen durch Europa gereist ist. Und der verliebte Ralph musste nachts den Tourbus fahren. Aus dem sie immer wieder mal heraussprang, bis sie dabei unter die Räder kam. Aber das ist lange her. In Sibylle Lewitscharoffs Roman "Consummatus" betrinkt sich der erinnerungsselige Ralph in einem Stuttgarter Cafe, umgeben von den Toten seines Lebens. Joey, seine Eltern, aber auch Andy Warhol und Jim Morrison geben ihren Senf dazu. Ralph war auch schon mal im Jenseits, aber man hat ihn zurückgeholt, noch bevor er seine Joey nach Orpheus-Art mitnehmen konnte. Klingt verrückt? Verspielt ist dieses Buch, eigenwillig, weise, witzig - und schön. Sprachlich, in den Geschichten und Bildern, aber auch in seinen Gedanken über den Tod und das Totenreich, das Ende und die Ewigkeit.

240 Seiten, 8,95 Euro, Suhrkamp, Erscheinungsdatum: 2010

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