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Mads Mikkelsen: "Es wird niemals eine grüne Revolution geben"

Der Däne Mads Mikkelsen ist nicht nur ein Hingucker, er hat auch was zu sagen - darüber, was in unserer Welt alles schief läuft, über Ideale und seine Begeisterung fürs dänische Königshaus. Ein Gespräch zum Start des Films "Die Königin und der Leibarzt" (ab 19.4. im Kino), in dem Mads Mikkelsen einen der wichtigsten Männer der dänischen Geschichte spielt: den Arzt Johann Friedrich Struensee, der 1768 mit aufklärerischem Gedankengut an den Hof des psychisch labilen Königs Christian kommt - und sich in die Königin verliebt.

Mads Mikkelsen (46) ist einer der größten Stars des dänischen Kinos

BRIGITTE-woman.de: Der Altonaer Arzt Johann Friedrich Struensee war ein Mann der Aufklärung. Er setzte sich für die Meinungsfreiheit ein, beschränkte die Rechte des Adels und stärkte die der Bürger. Für welche Ideale lohnt es sich, in unserer modernen Welt zu kämpfen?

Mads Mikkelsen: Für ganz ähnliche. In manchen Teilen der Erde ist es ja leider immer noch nicht selbstverständlich, selbst bestimmt in Freiheit zu leben und seine Meinung frei äußern zu können. Da ist der Kampf noch lange nicht zu Ende. In unserem Teil der Welt geht es mittlerweile nur noch darum, wer wessen Geld nimmt. Dabei sollten wir uns auf ganz andere Dinge konzentrieren.

BRIGITTE-woman.de: Nämlich?

Mads Mikkelsen: Wir, als der reiche Part der Erde, müssen uns Gedanken machen, wie wir unseren Lebensstil verändern, damit wir das Wohlergehen aller sichern können. Wenn wir nicht langsam aufwachen, wird die Welt zusammenbrechen. Erst dann werden wir alle zwangsweise grün werden.

BRIGITTE-woman.de: Sie träumen schon seit längerer Zeit von einer grünen Revolution.

Mads Mikkelsen: Die wird nur leider nicht stattfinden. Wir halten uns doch nur schön an den Händen und versprechen uns gegenseitig, etwas zu tun. So wird das aber nicht funktionieren. Es gibt nur eine Sache, die funktioniert: Geld. Es muss sich wirtschaftlich lohnen, ein Elektroauto herzustellen, das muss cool aussehen und möglichst schnell fahren. Erst dann wird sich etwas ändern. Versprechen alleine nützen nichts. Sonst wird es immer einen Mächtigen geben, der sagt: Wenn Du nichts änderst, ändere ich auch nichts.

BRIGITTE-woman.de: Was tun Sie selbst für die Umwelt?

Mads Mikkelsen: Wenn ich ein neues Haus hätte, würde ich es auf jeden Fall energiesparend betreiben, aber meines ist sehr alt. Da ist das nicht möglich. Dafür fahre ich sehr viel Fahrrad, versuche, das Auto stehenzulassen, lieber den Zug zu nehmen. Das ist natürlich auch leichter gesagt als getan. Wenn man an fünf verschiedene Orte muss und dafür mit dem Auto 20 Minuten braucht, mit dem Zug aber zweieinhalb Stunden, lohnt sich die Bahn einfach nicht. Die Freiheit des Autos, die liebt jeder. Deshalb müssen wir einen Weg finden, Autos noch sauberer zu machen.

Struensee (Mads Mikkelsen) verliebt sich in die junge Königin (Alicia Vikander) - eine gefährliche Liaison

BRIGITTE-woman.de: Struensee geht für seine politischen Ziele, aber auch für die Liebesbeziehung zu der Königin hohe Risiken ein. Sind Sie ein risikofreudiger Mensch?

Mads Mikkelsen: Die Risiken, die Struensee eingegangen ist, sind sehr groß. Ich glaube nicht, dass ich so weit gehen würde. Das grenzt ja an Selbstmord. Aber ich glaube auch, dass Struensee das Risiko lange gar nicht gesehen hat. Sein Blick wurde verstellt durch die Leidenschaft für die Königin und seine Macht am Hofe. Am Ende ist ihm zwar klar, dass die Sache nicht gut ausgehen wird. Kurz bevor er geköpft wird, ist er trotzdem überrascht, dass die ganze Stadt ihn plötzlich hasst. Das hat er so nicht kommen sehen. Wenn er vorher noch kein gebrochener Mann war, ist er es definitiv in diesem Moment.

BRIGITTE-woman.de: Wie wird Struensee heute in Dänemark gesehen? Als Held?

Mads Mikkelsen: Ich denke schon, wir haben in Kopenhagen eine Straße, die nach ihm benannt ist, er ist auf jeden Fall akzeptiert. Die meisten sehen ihn als Mann, der Gutes für Dänemark getan hat.

BRIGITTE-woman.de: Und König Christian VII.?

Mads Mikkelsen: Er stand nie so im Fokus wie die Königin und der Leibarzt. Sicher ist, dass er unter einer Krankheit gelitten hat, auch wenn man nicht genau weiß, unter welcher. Durch all die Jahre wurde er ganz unterschiedlich gesehen: Die einen sagen, er war sehr charmant, andere halten ihn einfach für verrückt.

BRIGITTE-woman.de: Wie denken Sie über das aktuelle dänische Königshaus?

Mads Mikkelsen: Wir haben wahrscheinlich das smarteste und klügste Königshaus Europas. Die dänische Königsfamilie hat sich immer schon mit der Gesellschaft weiterentwickelt, sich immer auf der Höhe der Zeit bewegt – ohne sich dafür zu verbiegen. Ich finde, sie macht einen fantastischen Job. Dieses Gefühl teilen sehr viele Dänen, selbst politisch weit links stehende Menschen respektieren das Königshaus. Ich verstehe die Leute nicht, die bei uns laut nach Demokratie schreien. Wir haben doch eine Demokratie.

BRIGITTE-woman.de: Kennen Sie die Mitglieder der Königsfamilie persönlich?

Mads Mikkelsen: Ein bisschen, ich habe beide Kinder, Frederik und Joachim, schon mehrfach getroffen. Auch der Königin bin ich schon öfter begegnet. Sie sind alle sehr nett.

BRIGITTE-woman.de: Wie gehen Sie selbst mit Ihrer Bekanntheit um? Stört es Sie, wenn Sie erkannt werden?

Mads Mikkelsen: Nein, überhaupt nicht. Das gehört ganz klar zu meinem Job. Wenn man irgendwo ist, um einen Film vorzustellen, ist einem das auch total bewusst. Wenn ich dagegen in Kopenhagen durch die Straßen gehe, vergesse ich manchmal, dass Leute mich erkennen, bis mich jemand anspricht. Dann wache ich auf und denke, ja, stimmt, ich bin's ja auch.

BRIGITTE-woman.de: Struensee verlässt seine Heimat Altona, um dem König zu folgen. Was müsste passieren, damit Sie Kopenhagen verlassen?

Mads Mikkelsen: Ich verlasse es ja immer mal wieder, um woanders zu arbeiten. Aber für immer? Das würde nicht gehen. Ich könnte nie meine kulturellen Wurzeln und meine Sprache aufgeben. Natürlich gibt es auch andere tolle Städte. Ich liebe Berlin, New York, aber ich würde immer wieder nach Kopenhagen zurückkehren.

BRIGITTE-woman.de: Sie haben schon so viele unterschiedliche Charaktere gespielt. Wenn Sie Ihr Leben ab sofort als einer von ihnen weiterleben müssten, für wen würden Sie sich entscheiden?

Mads Mikkelsen: Für den Bond-Bösewicht LeChiffre, bevor er all sein Geld verliert. Nein, ich glaube, ich möchte keiner von meinen Charakteren sein. Ich liebe sie alle, aber viele werden brutal getötet oder sind irgendwie kaputt. Das finde ich nicht erstrebenswert.

Der Trailer zum Film "Die Königin und der Leibarzt"

Über den Film "Die Königin und der Leibarzt"

Zeiten des Umbruchs: 1768 tritt Johann Friedrich Struensee (Mads Mikkelsen) eine Stelle als Leibarzt beim dänischen König Christian VII. (Mikkel Følsgaard) an. In seinem Arztkoffer führt er neben Medikamenten auch die Ideen der Aufklärung mit sich. Zunehmend gewinnt Struensee an Einfluss auf den psychisch labilen König und wird schließlich zum Geheimen Kabinettsminister ernannt. Doch mit seinen revolutionären Ideen macht sich Struensee schnell Feinde im Staate Dänemark. Als er eine Affäre mit Königin Caroline Mathilde (Alicia Vikander) beginnt, wird ihm diese Liebe zum Verhängnis...

Nikolaj Arcel mag dieses wichtige Kapitel dänischer Geschichte recht konventionell auf die Leinwand gebracht haben, weniger sehenswert macht das seinen gut besetzten Historienfilm aber nicht. Bei der diesjährigen Berlinale wurde "Die Königin und der Leibarzt" mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnet. Außerdem bekam Mikkel Følsgaard den silbernen Bären für seine irre gute Performance als König Christian VII.

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    Der Däne Mads Mikkelsen ist nicht nur ein Hingucker, er hat auch was zu sagen - darüber, was in unserer Welt alles schief läuft, über Ideale und seine Begeisterung fürs dänische Königshaus. Ein Gespräch zum Start des Films "Die Königin und der Leibarzt" (ab 19.4. im Kino), in dem Mads Mikkelsen einen der wichtigsten Männer der dänischen Geschichte spielt: den Arzt Johann Friedrich Struensee, der 1768 mit aufklärerischem Gedankengut an den Hof des psychisch labilen Königs Christian kommt - und sich in die Königin verliebt.

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