Die Weihnachtsfeier in der Firma: Der große Spaß

Es gibt viele gute Gründe, sich auf die alljährliche Weihnachtsfeier in der Firma zu freuen. Der Beste: die Gäste. Ein Überblick.

Die Bosse

Für die großen Bosse ist die Weihnachtsfeier eine harte Bewährungsprobe. Jetzt müssen sie tun, wozu sie im Job-Alltag glücklicherweise viel zu selten kommen: sich unters Volk mischen. Die Mitarbeiter loben. Smalltalk statt Ansagen machen. Trotzdem lachen. Die meisten halten sich dabei leidlich wacker, trinken Bier, klopfen jovial auf Schultern, sagen: "Immer wieder herrlich, so ein Fest, was, Schröder?" Doch während die Stunden verrinnen, wächst in ihrem Herzen die Angst. Denn sie wissen in jeder Minute um das Schreckliche, das Unentrinnbare, das der Abend noch für sie bereithält: Sie müssen tanzen. Glücklich der Personalchef, die Top-Managerin, die dank einer wilden Party-Jugend noch einen Rest Rhythmus im Blut haben, aber, fürwahr, derer gibt es wenige. Und so sieht man ab Mitternacht schweißnassen Führungskräften beim Zucken und Schlängeln und Hüftwiegen zu, und ja: Alle anderen gucken auch. Es hilft nichts. Es muss sein. Es menschelt.

Der Party-Ausschuss

Es gibt keine bessere Gesellschaft auf einer Weihnachtsfeier als die Männer und Frauen vom Orga-Team. Keiner weiß so recht, was sie geritten hat, einen Job zu übernehmen, der sie seit Mitte November in der Kernarbeitszeit von ihren eigentlichen Aufgaben fernhält. Aber klar ist: Niemand ist derart entschlossen, den Abend super zu finden, wie dessen Organisatoren. Die Location? Sensationell! Die Jungs vom Controlling und ihre Soul-Band "The Benchmark-Brothers"? Wahnsinns-Auftritt! Klar, die Party-Vorarbeiter sind nervös, alles hängt davon ab, dass sie die richtigen Entscheidungen getroffen haben, aber an ihrer Bürde tragen sie leichter mit frühem beherztem Alkoholkonsum. Dieser Cocktail aus Adrenalin und Gin Tonic ist absolut mitreißend. Und ab zwei Uhr morgens, egal, ob alles gestemmt oder krachend gescheitert ist, wird es richtig lustig. Denn der Festausschuss hat beste Kontakte zum Tresenteam. Und die Jungs hinter der Bar sind einfach hübscher als die vom Controlling.

Der Tisch

Ein bisschen nervös sind sie alle, wenn sie den Raum betreten. Ungewohnte Umgebung. Menschen in festlichem Putz. Komische Musik. Kurzes Fremdeln. Doch dann fällt der Blick auf den Tisch. Durchatmen. Am Tisch ist alles wie immer. Wie in der Kantine. Wie auf allen Weihnachtsfeiern zuvor. Egal, was heute noch passiert, hier herrscht Sicherheit und Stabilität. Sieben Leute, konstante Besetzung, vollständig angetreten. Die sieben am Tisch haben sich durchaus auf die Weihnachtsfeier gefreut, schätzen aber übertriebene Aufregung und exaltiertes Benehmen nicht. Ein Glas Sekt zur Begrüßung? Gern, aber ab halb neun wird zu alkoholfreiem Bier gewechselt. Das Tischgespräch nimmt den üblichen Verlauf, eine bekömmliche Melange aus Urlaubsanekdoten, Lebensmittelallergien und Büroklatsch,Bewegung entsteht nur beim Gang zum Buffet. Kollegen, die zum Tisch vordringen, werden freundlich begrüßt, Platz ist leider keiner mehr. Gegen 23 Uhr wird die Runde aufgehoben, die Verabschiedung ist sachlich, morgen sehen sie sich wieder, sieben Leute, ein Tisch und Kohlrouladen, die sind in der Kantine immer so lecker.

Die jungen Dinger

Eine Weihnachtsfeier dient, das ist bekannt, dem Teamzusammenhalt. Und keiner, wirklich keiner, macht sich um diesen menschlichen Faktor auf einem solchen Firmenfest in höherem Maße verdient als die hierarchisch (noch!) unbedeutenden jungen Dinger. Sie kommen früh, sie bleiben lang, sie tragen kurze Kleider und rote Lippen, sie setzen sich Weihnachtsmann-Mützen auf und lachen sich darüber scheckig - das allein ist ein Beitrag, der gar nicht hoch genug geschätzt werden kann für das Gelingen einer Party. Entscheidend jedoch ist: Die jungen Dinger werfen Fragen auf. Bei den Frauen: "In welcher Abteilung arbeiten die? Wann habe ich eigentlich aufgehört, Spaß zu haben? Müssen wir Alten uns enger vernetzen?" Bei den Männern: "In welcher Abteilung arbeiten die? Kann ich mit denen Spaß haben? Bin ich zu alt, um mich mit der heißen Blonden zu vernetzen?" Am Ende haben alle gewonnen: Die jungen Dinger kriegen Aufmerksamkeit, das ist gut für die Karriere. Die Frauen rücken enger zusammen, das ist gut für die Stimmung. Und die Männer können tun, worin sie am besten sind: konkurrieren.

Die Abrechner

Übermäßiger Alkoholkonsum ist auf Weihnachtsfeiern ein gleichermaßen erfreuliches wie problematisches Phänomen. Die einen macht er locker, was unbedingt begrüßenswert ist, andere setzt er außer Gefecht - nun, das kommt vor. Schwieriger ist dagegen des Alkohols aggressionsfördernde Wirkung, die bei manchen eine Seite zum Vorschein bringt, die ihre Kollegen lieber nicht kennen gelernt hätten. Wer mit einem Bier in der Hand den festlichen Saal durchschreitet, wild entschlossen, endlich mal zu sagen, was schon lange gesagt gehört, wird für Monate keinen schönen Job-Alltag haben. "Ulla, du musst doch auch mal wieder richtig rangenommen werden" ist nicht der Satz, den die nette Chefsekretärin hören will, wenn sie mit der angeschickerten IT-Kollegin am Tresen steht. Vorgesetzte, denen ein paar offene Worte ja mitunter guttäten, erkennen trunkene Party-Querulanten dank langjähriger Erfahrung leider schon auf zehn Meter Entfernung und ergreifen die Flucht. Egal, die Frau, die was zu sagen hat, ändert ihren Kurs, verkündet am nächsten Stehtisch, wer zu viel verdient, wen sie noch nie ausstehen konnte und wer endlich mal aufhören muss, von morgens bis abends eine Fresse zu ziehen. Immerhin, der Gesundheit ist es zuträglich, unsere Frau wird ein Jahr lang keinen Tropfen anrühren, ist ja auch nicht schlecht für die Job-Performance - sofern sie noch einen Job hat.

Die Splittergruppe

Wenn Ende Oktober die "Save the date"-Mail für die Weihnachtsfeier auf den Bildschirmen sämtlicher Mitarbeiter aufploppt, huscht ein mitleidiges Lächeln über die Lippen einiger weniger. Dann drücken sie auf die Taste. Löschen. 20 Jahre Betriebszugehörigkeit. Alles schon gehabt, alles mal mitgemacht. Nun ist gut. Mensch, Leute. Als wäre Weihnachten nicht schon anstrengend genug. Als wäre es mit einer Handvoll netter Kollegen nicht viel stimmungsvoller, wer will denn bitte mitten in der Woche im Pulk auf einer Party rumstehen. Und muss doch nicht immer alles im Dezember stattfinden, das Jahr hat noch elf andere Monate, die sind auch schön, da sind sich die Mitglieder der Splittergruppe einig. Seit inzwischen fünf Jahren heißt ihre Antwort auf die Büroweihnachtsfeier: Spargel. Ganz klassisch mit Katenschinken und Béchamelsauce und neuen Kartoffeln. Am letzten Montag im Mai, 18.30 Uhr im "Gut Neuhof", der Termin ist jedes Jahr fix, steht schon bei allen im Kalender. "Mainachtsfeier" steht da, lustig, hat sich die Katharina vom Vertrieb ausgedacht. Kinder, das wird wieder lecker. Und wenn die anderen fix und fertig sind vom Feiern, haben die Splittergrüppler noch was, worauf sie sich freuen können. Die Vorfreude - das ist doch immer das Schönste.

Text: Christine Hohwieler BRIGITTE woman 12/12

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