Mein Mann hat keine Freunde - was nun?

Keine Freunde? Wenn der eigene Mann keine sozialen Kontakte hat, sorgen sich viele Frauen. Zu recht? Wir haben den Hamburger Paartherapeut Elmar Basse gefragt.

Frage 1: Mein Mann ist ein richtiger Einzelgänger. Er hat überhaupt keine Freunde. Ist das normal?

BRIGITTE: Keine Freunde, viele Freunde? Wer bestimmt, was "normal" ist? Sicherlich: Viele Frauen wünschen sich einen bezaubernden Partner, der viele Freunde hat. Aber macht das einen Mann zu einem normalen Mann? "Introvertierte Menschen sind vom psychologischen Standpunkt aus betrachtet nicht weniger 'normal' als extrovertierte", sagt der Hamburger Paartherapeut Elmar Basse.

Elmar Basse : Wenn Ihr Mann also keine Freunde hat, ist das erst einmal nicht besorgniserregend. Nun kommt das "außer". Es sei denn, Ihr Mann hat sich verändert. Wenn er früher offen und häufig unterwegs war und dies plötzlich abgelegt hat, sollten Sie vorsichtig nachhorchen und behutsam die Gründe erkunden.

Frage 2: Da mein Mann keine Freunde hat, organisiere ich unser komplettes Sozialleben. Dabei möchte ich auch etwas ohne ihn unternehmen. Doch kann ich ihn einfach allein lassen?

BRIGITTE: Vielleicht steckt noch eine Frage hinter der Frage. Will dein Mann etwas mit deinen Freunden unternehmen? Oder würde es ihm gar nichts ausmachen, einmal allein zu sein? Redet darüber. Wenn ihr dabei feststellt, dass es ihn unglücklich machen würde, allein zu sein, solltet ihr weiterreden.

Elmar Basse: "Erarbeiten Sie sich eine neue Arbeitsteilung. Das ist nicht leicht, aber so vermeiden Sie Frust. Welche Aufgaben könnte er übernehmen? Wen könnte er in Zukunft ansprechen? Und sagen Sie ihm, dass Sie auch mit Ihren Freunden ab und zu etwas allein unternehmen möchten - er wird es bestimmt verstehen."

Frage 3: Braucht mein Mann nicht auch andere Menschen außer mir, mit denen er über seine Probleme sprechen kann?

Elmar Basse: "Das ist eine sehr weibliche Sicht auf die Dinge. Wenn Männer das Bedürfnis haben zu sprechen, dann tun sie das in der Regel auch."

BRIGITTE: Allen anderen hilft vielleicht ein Blick ins Lagerfeuer, auf einen See oder auf den Barkeeper. Rätsel, die wir nicht lösen müssen. Und es besser auch nicht tun sollten.

Frage 4: Mein Mann hat keine Freunde, dafür liebt er seine Hobbys umso mehr. Wie kann ich das ändern?

BRIGITTE: Stundenlang am Computer sitzen, das halbe Wochenende angelnd am See hocken oder für den Lieblingsclub durch die gesamte Republik reisen - viele Männer können sich für ihre Hobbys begeistern. Und die Beziehung? Die steht scheinbar erst an zweiter Stelle.

Kann es nicht?

Elmar Basse: "Viele glauben, dass eine glückliche Beziehung nur durch viel gemeinsame Zeit zu erreichen ist. Wichtig sind jedoch die glücklichen Momente, die sich das Paar schafft. Stundenlang beieinander zu sein und über alles reden, kann also für Frauen wunderschön sein - für viele Männer ist es anstrengend. Hat ein Mann das Gefühl, dass ein Redezwang besteht, ist die Zeit für ihn nicht entspannend."

BRIGITTE: Aber du möchtest mehr Zeit zu zweit? Dann plädiere für einen Kompromiss. Unternehmt etwas, was euch beiden Spaß macht - ohne Zwang.

Frage 5: Wie kann ich meinen Mann motivieren, selbst Freunde zu finden?

BRIGITTE: Möchtest du ihn motivieren oder möchtest du, dass er Freunde hat? Das ist vielleicht nur ein kleiner sprachlicher Unterschied - aber mit einer ganz anderen Wirkung.

Elmar Basse: "Wer auf den anderen Druck ausübt, gibt ihm schnell das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Viele Frauen versuchen, ihre Männer umzuerziehen - und die Partner reagieren mit Widerstand und Rückzug."

BRIGITTE: Mach es deinem Mann leicht, andere Menschen kennenzulernen. Nimm ihn mit - zu einem Verein, zu einem Netzwerk oder einer vertrauten Gruppe. Dadurch ergeben sich bereits Gesprächsthemen, an die dein Mann anknüpfen kann.

Foto: iStockphoto

Wer hier schreibt:

Kommentare (6)

Kommentare (6)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Zum Thema Freunde: Es gibt Leute, die bezeichnen jeden, dem sie gerade mal "Hallo" gesagt haben, direkt als ihren Freund. Diese rühmen sich gern damit, dass sie ja sooo viele Freunde haben. Dann gibt es noch die Sorte der Ausnutzer, deren Freund/in ist man exakt so lange, wie man widerspruchslos für sie Dinge erledigt, sobald die Ausnutzer mit dem Finger schnippen. Wieviele Freunde sind ECHTE Freunde? Ich glaube, recht wenige. Die meisten sind doch einfach nur Bekannte, schlimmstenfalls sogenannte Frenemys (Freund-Feinde). Ich muss jemanden schon länger und auch in schlechten Zeiten kennen, um zu wissen, ob er mein Freund ist. Und dieser ist auch dann noch mein Freund, wenn ich ihn längere Zeit nicht gesehen habe. Lieber einen echten Freund als 50 Falsche. Schon ein falscher Freund kann viel Schaden anrichten bei zu viel Vertrauen. Wenn der Wert eines Menschen an der Anzahl seiner "Freunde" gemessen wird, ist das schon traurig, weil einfach nur oberflächlich.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hallöchen darüber,



    meiner eins knappe 40 Jahre alt und männlich hat sich dieses hier mal durch gelesen denn ich bin einer dieser Männer mit dem Unterschied das ich wirklich keine FREUNDE habe und sehr alleine bin. Habe weder Hobby's noch irgend welche Interessen. Hänge meistens um meine Zeit zu verbringen und den Tag herum zu bekommenvor dem Fernseher. Serienjunky halt. Sozial angagiert bin ich nicht, Gehe eher selten heraus , da muss mich schon der Hafer gestochen haben oder meine Frau mit der ich schon 16 Jahre zusammen bin hat irgend etwas vor am Weekeend. Essen gehen oder mal zusammen Shoppen kommt schon mal vor. Urlaub verbringen wir immer zusammen versteht sich. Doch Freunde oder wahre Freunde besitzen wir beide nicht. Bekannte oder Arbeitskollegen wo man mal höchst seltenst hin fährt auf nen Kaffee ja das schon. Mehr aber definitiv nicht. Raus gehen in Discos oder Kneipen ist nicht unser bzw. mein Dingen. Ich hätte gerne Freunde auf die man zählen kann sich halt ver
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Vielleicht braucht er ein etwas sozialeres Hobby als Gamen und angeln? Skateboarden z.B., dafür müsste allerdings die Ehefrau sehr tolerant sein...
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Mein Exmann hat keinen festen Freundeskreis. Seine Familie war ihm für alles genug. Sozusagend ein abgestelltes "Mamakind". Es war schwierig für mich, da ich eine offene Frau bin. Meistens spielte sich das Außenleben bei meinen Freunden ab. Bei ihm war einfach nix. Obwohl er in jungen Jahren eine Gruppe hatte. Nur das ist ausgestorben und Freundschaften gehören einfach gepflegt. Sonst vertrocknen sie wie Blumen und am Ende bleibt nichts übrig. Mein Lebensgefährte ist genau das Gegenteil. Seine Freunde sind ihm auch wichtig. Sie treffen sich zwar nur ab und zu ... aber wenn sie sich treffen, dann sind sie eine Einheit. Unterhalten sich. Lachen zusammen über alte Zeiten und diskutieren das Neue. Ich fühle mich da so wohl und ich würde wunderbar aufgenommen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    und wer sind eigentlich "wir Frauen"? Ich und Frau Elmar Basse?!

    4. "Stundenlang beieinander zu sein und über alles reden, kann also für Frauen wunderschön sein - für viele Männer ist es anstrengend."

    5. "Möchten Sie ihn motivieren oder möchten Sie, dass er Freunde hat?"

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