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Freundinnen-Skiferien in den französischen Alpen

Schnee, fabelhaft präparierte Loipen, ein unaufgeregtes Skidorf mit netten Lokalen und französischer Küche: In Châtel, in den Bergen von Savoyen, erlebten BRIGITTE WOMAN-Autorin Franziska Wolffheim und ihre Freundin Susanne wunderbare Wintertage.

Das Wintermärchen beginnt

Der Abhang ist steil, ich schaue nach unten und rühre mich nicht von der Stelle. "Allez", sagt Bruno, unser Langlauf-Lehrer. Er ist groß, hat graue Haare und die typische Skilehrer-Bräune. "Wenn du nach hinten fällst, kannst du dir am Po und an den Handgelenken sehr weh tun – ein negativer Sturz. Bei einem positiven Sturz fällst du nach vorn."

Ich möchte aber nicht fallen, weder positiv noch negativ. Bruno lacht. Dann hakt er mich unter, wir fahren Seite an Seite. Ehrenrührig? Klar. Aber immerhin sicher. Als wir unten sind, drehe ich mich um.

Zwei Dickköpfe im Schnee

Susanne liegt im Schnee, die Beine komisch abgespreizt. Definitiv kein positiver Sturz. Ich muss mir das Lachen verbeißen, sorry, Sanni, aber du siehst aus wie ein umgedrehter Käfer. Vor 25 Jahren haben wir uns kennen gelernt, beim Studium in Hamburg. Wir mögen beide Frankreich, Literatur, lange Spaziergänge, Bob Dylan, Rotwein und Crème brûlée. Und wir sind beide ziemliche Dickköpfe.

Freundinnen-Ritual in Savoyen

Erstaunlicherweise hat uns das nie entzweit. Ich kenne meine Schwäche und damit die meiner Freundin. Wenn ich ihr verzeihe, verzeihe ich ein bisschen auch mir selbst. Da wir in verschiedenen Städten leben, sie in Berlin, ich in Hamburg, halten wir an dem Ritual fest, einmal im Jahr gemeinsam loszuziehen: Moskau, Petersburg, Rügen, Bali, Boltenhagen.

Eine ziemlich bunte Reise- Mischung, die zu uns passt. Und jetzt ein kleiner Ort in den französischen Alpen, rund 70 Kilometer von Genf entfernt, in 1200 Meter Höhe. Châtel. Holzhäuser mit hübschen Schnitzereien, Souvenirgeschäfte, Skiausrüster. Kein Snobort, kein routiniertes Outfit-Abgleichen.

Kein Deutsch in den Bergen von Savoyen

In dieses unaufgeregte Dorf kommen viele Franzosen, Deutsch hört man selten. Der Blick ins Tal und auf schneebedeckte Wipfel ist wunderschön, die Grenze zur Schweiz so nahe, dass wir immer wieder von einem Land zum anderen fahren – meist, ohne es zu merken: auf Skiern, Schneeschuhen oder mit dem Schlitten.

Immer weniger Langlauf

Bruno hat uns erzählt, immer weniger Leute wollten bei ihm Langlauf lernen, die meisten möchten heute die Abhänge herunterbrettern. Sein Geld verdient er jetzt vor allem mit zwei kleinen Firmen, die ihm gehören. Und deshalb klingelt sein Handy auch immer wieder, wenn er mit Ski-Dinosauriern wie uns unterwegs ist. Die keine Lust auf den Alpin-Rummel haben, auf das Schlangestehen an Liften. Susanne hat es geschafft, allein aufzustehen, "bravo", sagt Bruno.

Heute ist Lawinenwetter

Ihre Pelzkappe ist jetzt weiß gepudert. Wenn sie damit im Winter beim Radio, wo sie arbeitet, aufkreuzt, nennt man sie "die große Zarin". Wir fahren weiter, der Neuschnee, der letzte Nacht gefallen ist, hat die Landschaft in einen Zauberwald verwandelt. Neben unserer Loipe sprudelt ein kleiner Bach, auf der anderen Seite steigen die Berghänge sanft an. Wir sind in der Schweiz, ganz in der Nähe des kleinen Ortes Morgins. Bruno zeigt uns eine Schneise am Berghang, wo häufig Lawinen herunterkommen. "Die Bäume sind regelrecht ge- schleift worden. Wenn ihr heute Morgen ein Donnern gehört habt, dann wurden irgendwo in der Nähe Lawinen gesprengt. Heute ist Lawinenwetter."

Der mobile Kühlschrank ist auch unterwegs

Die Schneemassen würden aber erst nach zwölf Uhr herunterkrachen – wenn wir schon längst weg sind. Merci, Bruno! "Hast du etwas zu essen dabei?", fragt mich Susanne, als wir an einer Weggabelung halten. Eigentlich eine rhetorische Frage. Ich bin ein mobiler Lebensmittelladen. In Susannes Rucksack ist meist Ebbe. Das ist auf jeder Reise so. Doch wer mit mir unterwegs ist, wird nicht verhungern. Und eine große Zarin schon gar nicht. Susanne kennt meinen Vorratswahn, ich bin Sternzeichen Stier, also immer ein voller Kühlschrank. Ich breite Mandarinen, Müsliriegel und Schokolade auf einem Baumstumpf aus. Wir stoßen mit Schokoladenriegeln an.

Die Zeit löst sich in Luft auf

Auf den Neuschnee. Auf unseren Zauberwald. Vögel zwitschern, der Bach plätschert, sonst ist es still, ganz still. Das ist einer dieser Momente, in denen sich die Zeit in Luft aufgelöst hat.

Am nächsten Tag machen wir eine Schneeschuhwanderung. Diesmal wollen wir weiter in die Höhe, nach Plaine Dranse, einem Plateau auf 1650 Meter Höhe. Ein paar gemütliche Lokale mit dicken Schneehauben auf den Dächern, drum herum die Pisten für die Alpinläufer. In einer großen Tüte stecken unsere Schneeschuhe. Als wir sie anlegen, grinsen uns zwei Skiläufer im Vorbeifahren etwas mitleidig an. Wir gehen eine Viertelstunde zügig voran, immer höher Richtung Col de Bassachaux, und schwitzen. Schneeschuhwandern ist anstrengend.

Stapfen durch den Tiefschnee

"Tap-taptap" macht es, wenn wir durch den Tiefschnee stapfen. Susanne läuft einige Meter vor mir, ich bleibe zurück und schaue. Hier oben kann man euphorisch werden, die dünne Luft, die mächtigen Wipfel, das gleißende Licht. Schneefelder liegen vor uns, größtenteils unberührt, wir sind die Ersten, die hier Spuren hineindrücken, so viel Schnee, ganz für uns. Ich bekomme Lust, mich nackt hineinzuwerfen – wäre eine heiße Dusche in der Nähe, warum nicht?

Susanne ist deutlich schneller als ich und geht ein ganzes Stück vor mir. Eigentlich, finde ich, könnte sie jetzt mal warten. Ich lege meine Jacke auf den Boden, setze mich hin und esse einen Müsliriegel. Susanne will immer alles erkunden, keine Zeit verschwenden, einer ihrer Lieblingssätze lautet: "Das Leben ist kurz."

Ruhe oder Nicht-Ruhe

Ich finde das auch. Aber ich denke, gerade deshalb muss man hin und wieder stehen bleiben. Sie würde jetzt sagen: Hin und wieder, ja, aber nicht ständig. Wir wollten uns doch bewegen auf dieser Reise. Na gut. Ich stehe auf, setze zu einer Art Spurt an, was auf den sperrigen Schneeschuhen nicht so einfach ist. Endlich habe ich Susanne eingeholt. Sie schimpft, ich würde trödeln, ich entgegne, dass uns keiner hetzt.

So geht es noch eine Weile, dann schweigen wir. Es ist gut, dass wir uns so lange kennen. "Venez, venez!" Wir sind oben angekommen, ein paar Häuser mit verschneiten Dächern. Auf dem Dachfirst eines flachen Hauses sitzen drei Jugendliche, zwei Mädchen, ein Junge, etwa 15 Jahre alt, sie haben Pappbecher in der Hand und schwenken verschiedene Flaschen. Heute sei ihr letzter Ferientag, da wollten sie noch einmal feiern, erzählen sie, "venez!".

Süßen Likör genießen

Vorsichtig kraxeln wir nach oben. "Salut, ich heiße François", sagt der Junge. Er erzählt, das Haus gehöre seinen Eltern, ein Ferienhaus vor allem für den Sommer. Dann gießt er uns Passoa ein, einen süßen Likör, wir stoßen an. Der Alkohol steigt schnell zu Kopf, wir sind albern und müssen aufpassen, nicht vom Dach zu fallen.

Dem Wirt vertrauen?

Auf dem Rückweg nach Plaine Dranse treibt mich der Alkohol wunderbar voran, und diesmal bleibe ich überhaupt nicht zurück. Im "Repas du berger, chez Denis" in Plaine Dranse sind alle Tische besetzt, Familien sitzen an den Holztischen eng zusammen, ein würziger Geruch liegt in der Luft. Denis, der Wirt, bittet uns um Geduld, er sieht aus, als würde er die üppige Küche der Region sehr lieben und wenig Ski fahren. Schließlich setzt er uns neben eine laute Großfamilie. "Wollen Sie die Karte sehen? Oder vertrauen Sie mir?"

Käse im Überfluss

Nach kurzer Zeit steht ein Käsefondue auf dem Tisch und blubbert. Außerdem zwei kleine Förmchen mit geschmolzenem Fromage d'Abondance, einem wunderbaren Bergkäse aus der Gegend, angereichert mit Knoblauch und Weißwein. "Abondance" heißt im Deutschen übrigens Überfluss – und so schmeckt der Käse auch. Irgendwann sind wir vollkommen satt – und essen trotzdem weiter.

Bis Denis uns schließlich noch seine Tarte zum Nachtisch empfiehlt. Zitronentarte. Himbeertarte. Zimttarte. Wir probieren alles. Es schmeckt großartig. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich je so satt war. Und so zufrieden. Hoffentlich kippe ich nachher nicht aus dem Sessellift. Und hoffentlich komme ich überhaupt rein, meint Susanne.

Savoyen wie in Zuckerwatte gehüllt

Über Nacht ist noch mehr Schnee gefallen, und Châtel sieht aus wie in Zuckerwatte gehüllt. Wir machen einen langen Spaziergang, diesmal ohne irgendwelche Geräte unter den Füßen, was erst mal ungewohnt ist. Auf der kleinen Schlittschuhbahn, die außerhalb von Châtel liegt, sind nur wenige Läufer unterwegs, aus dem Lautsprecher ertönen alte französische Chansons, leicht verzerrt und wunderschön. Und wieder haben wir heute den Winter fast für uns allein.

  Markt in Chatel

Markt in Chatel

Muskeln wie Marshmallows

Am Nachmittag sagt Susanne, sie wolle noch einmal los zum Langlaufen. Ich will nicht. Danach möchte sie etwas essen und ins Kino gehen. Ich will nicht ins Kino. Meine Muskeln fühlen sich an wie Marshmallows. Also keine überflüssigen Bewegungen. Schade, sagt Susanne. Prima, denke ich. Sie findet mich träge. Und sie hat recht. Zum Glück scheint die Mittagssonne direkt auf die Terrasse vor meinem Hotelzimmer.

Die Augen fallen zu

Wie wäre es, Sanni, wenn wir uns jetzt mit einem Kaffee, Decken, Zeitschriften und Büchern nach draußen setzten? Und so lange bleiben, bis die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist. Susanne lässt sich überreden. Bestimmt wird sie später auf das Kino zurückkommen. Eigentlich ein fairer Deal, denke ich schläfrig. Irgendwann fallen mir die Augen zu. Als ich wieder aufwache, ist der Kaffee kalt geworden. Und der Himmel ein wunderschönes Flammenmeer.

Pisten und Pfade rund um Châtel

  • Langlauf:
  • Châtel gehört zum Skigebiet Portes du
  • Soleil. Im Tal von Abondance gibt es knapp 60
  • Kilometer zusammenhängende Loipen für Langläufer
  • auf einer Höhe zwischen 900 und 1300 Metern.
  • Alpinski:
  • Das Gebiet Châtel bietet Pisten mit einer
  • Gesamtlänge von 83 Kilometern, das Gebiet Portes du
  • Soleil 650 Kilometer.
  • Schneeschuhwanderungen:
  • Im Gebiet im Tal von Abondance,
  • Châtel und Morgins gibt es mehr als 80 Kilometer markierte Pfade
  • für Schneeschuhtouren.
  • Unterkommen:
  • "Hotel Macchi". Geschmackvoll eingerichtetes
  • Hotel mit vielen Extras, z. B. Schwimmbad, Whirlpool, Kaminzimmer.
  • DZ/F ab 102 Euro (94, Chemin de L'Etringa, F-74390 Châtel,
  • Tel. 00 33/450/73 24 12, Fax 73 27 25, www.hotelmacchi.com).
  • Info: Maison de la France, Zeppelinallee 37, 60325 Frankfurt,
  • Tel. 069/97 58 01 36, Fax 74 55 56, www.franceguide.com

Fit für den Berg

Damit Ihnen im Schnee nicht die Luft ausgeht, bereiten diese Muskelübungen Sie gezielt auf das Skifahren vor. Versuchen Sie außerdem Ihre Ausdauer zu stärken, zum Beispiel durch regelmäßiges Joggen, Radfahren oder Schwimmen.

Bicycle

Auf den rechten Fuß stellen, mit dem linken einen Kreis beschreiben – als ob Sie Rad fahren würden. Dabei den Fuß im großen Bogen nach vorn führen, über den Boden zurück in die Ausgangsposition kommen. 10-mal. Seitenwechsel.

Einbeinstand

Drehen Sie sich dreimal rechts um die eigene Achse, stellen sich dann auf den rechten Fuß und bleiben 15 Sekunden lang in dieser Position. Ist Ihnen ein bisschen schwindelig? Falls es zu schlimm ist, nur 2-mal drehen. Seitenwechsel.

Abfahrtshocke

Etwas weiter als hüftbreit hinstellen, den Po nach hinten schieben. Die Knie sind über den Fußgelenken, der Rücken ist gerade, der Nacken gestreckt. 4-mal auf und abwippen, dann das Gewicht auf den rechten Fuß verlagern. 4-mal wippen, zurück zur Mitte. Seitenwechsel. Insgesamt 5-mal.

Strecksprung

Wieder in die Abfahrtshocke gehen und leicht hoch und runterwippen. Jetzt mit Schwung nach oben springen, Hände und Füße berühren sich im höchsten Punkt – und wieder in der Ausgangsposition landen. 3-mal 10 Wiederholungen.

  Strecksprung

Strecksprung

Text: Franziska Wolffheim Fotos: Brita Sönnichsen

Wer hier schreibt:

Franziska Wolffheim

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