Das Fruchtschlückchen

Smoothies sind klein, handlich und angeblich genauso gesund wie richtige Früchte. Doch kann das Obst aus der Flasche wirklich mit Äpfeln, Bananen und Orangen mithalten?

Schon ihr Name zergeht auf der Zunge: Smoothies, die fein-sämig pürierten (englisch "smooth") Früchte zum Trinken, gelten inzwischen als ideale Zwischenmahlzeit. In schick designten Fläschchen haben sich die purpurroten oder orangegelben Obst- Snacks in den letzten Monaten ihren Platz im Kühlregal jedes Supermarktes erobert. Ein ordentlicher Schluck Vitamine. Die scheinbar perfekte Lösung für unseren modernen, mobilen Lebensstil. So wie Kaffee oder Sandwich jetzt Obst "to go". Trendy und bequem. Aber auch gesund?

Vergleicht man sie mit Obstsäften, haben Smoothies oft wirklich mehr zu bieten. Denn für die dickflüssigen Obst-Snacks werden – im Gegensatz zu gepresstem Saft – außer Kern und Schale die ganzen Früchte verarbeitet. "Ganzfruchtgetränke enthalten deshalb meist mehr Ballaststoffe als Säfte", erklärt Professor Helmut Dietrich von der Forschungsanstalt Geisenheim. Der Vorteil: Unlösliche Fasern wie Zellulose und lösliche Ballaststoffe wie Pektin fördern die Verdauung. Der Getränkeforscher sieht zudem die Chance, mithilfe der Smoothies heimischen Beeren zu einem Comeback zu verhelfen. Sie gelten unter Ernährungsforschern als besonders gesund, sind für Fruchtsäfte aber zu sauer.

Ein Smoothie ist eine gute Zwischenmahlzeit

"Johannisbeeren etwa sind echte Polyphenol- und Vitamin-C-Bomben", so Dietrich. Und Polyphenole schützen, wie amerikanische Studien gezeigt haben, unsere Zellen vor freien Radikale und senken das Krebsrisiko. Doch selbst mit solchen gehaltvollen Zutaten wie Beeren kann das Obst aus der Flasche seine unpürierte Konkurrenz nicht schlagen. "Frische Früchte enthalten einfach mehr sekundäre Pflanzenstoffe, mehr Vitamine, mehr Mineral- und mehr Ballaststoffe", fasst Kathi Dittrich vom Verband für unabhängige Gesundheitsberatung die Vorteile zusammen.

Und weil man Apfel, Banane oder Orange kaut und nicht trinkt, machen sie auch länger satt. Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag, fünfmal eine Handvoll, lautet deshalb weiterhin die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). "Ein Smoothie gelegentlich ist sicher in Ordnung, wenn man sonst auf genügend frische Kost achtet", meint jedoch Ernährungsberaterin Isabelle Keller von der DGE. Werbeversprechen wie "deckt 50 Prozent der empfohlenen täglichen Menge an Obst und Gemüse" sollte man allerdings nicht zu ernst nehmen. Die Firmen orientieren sich nämlich nicht immer an der DGE-Vorgabe.

Schauen Sie genau auf die Zutatenliste!

Wichtig außerdem: bei der Auswahl von Obst-Snacks auf Qualität zu achten. Denn Smoothie ist nicht gleich Smoothie. Anders als zum Beispiel bei Fruchtsaft oder Nektar ist nicht genau vorgeschrieben, was in der Flasche sein darf und was nicht. "Ein Smoothie sollte mindestens zur Hälfte aus Fruchtpüree oder -stückchen bestehen", verlangt Isabelle Keller. In einzelnen Produkten wird sogar schon die Schale mitverarbeitet. In ihr stecken besonders viele Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend wirken und das Immunsystem stärken. "Schauen Sie genau auf die Zutatenliste", rät auch Ökotrophologin Kathi Dittrich. Ihr Tipp: Das Ganzfruchtgetränk sollte ergänzend zum Fruchtpüree unbedingt Direktsaft und kein Saftkonzentrat enthalten. Zucker, Aromen oder Konservierungsmittel gehören für die Ernährungsfachfrau gar nicht hinein.

Wer dies berücksichtigt, für den ist ein Fläschchen ab und zu, so Kathi Dittrich, sicher "eine gesunde Zwischenmahlzeit". Besonders im Winter, wenn manche Obstsorten nicht so leicht zu bekommen seien, könne ein Smoothie Abwechslung in den Speiseplan bringen. Die Hersteller lassen sich ihr Obst zum Trinken allerdings meist teuer bezahlen: Bis zu drei Euro können 0,25 oder 0,3 Liter kosten. Dafür kann man ziemlich viel ungemixtes Obst einkaufen.

Text: Markus Brügge Foto: iStockphoto

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Markus Brügge

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